Das Werk solle verkauft werden, so Georg Kasperkovitz, CEO der Lenzing-Gruppe. Man werde versuchen zu erreichen, dass der Standort mit einem neuen Eigentümer weiterbestehe. Für die rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelte ein Sozialplan – mehr dazu in Lenzing lässt Faserproduktion auslaufen. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) versicherte, dass das Land den Standort und die Mitarbeiter nicht im Stich lassen und alles tun werde, um eine positive Perspektive für die Region und die Betroffenen zu schaffen. Er schließt auch eine Übernahme des Werks durch das Land nicht aus – mehr dazu in Doskozil: Übernahme von Lenzing-Werk vorstellbar.

Betriebsrat: Niemand hat damit gerechnet

„Ich glaub’, gerechnet hat keiner mit so einer Entscheidung“, sagte der Betriebsratobmann der Arbeiter, Philipp Perl. Man habe schon damit gerechnet, dass es Änderungen geben werde, weil das ja schon im Frühjahr angekündigt worden sei, aber mit dieser Entscheidung habe niemand gerechnet.

BR-Obmann Perl im Gespräch mit ORF-Burgenland-Reporterin Gabi Schiller

Betriebsratsobmann Philipp Perl sprach von einer „Hiobsbotschaft“ und kritisierte die Unternehmenskommunikation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Er hofft, dass ein Investor gefunden werden kann, um das Werk weiterzuführen.

„Um circa 20.00 Uhr gestern Abend erreichte uns die Hiobsbotschaft, dass unser Standort vor einer Schließung steht“, so Perl. Die gesamte Belegschaft sei mittels einer Aussendung des Vorstands informiert worden. Es sei keine Art, dass Mitarbeiter, die „jeden Tag ihren Einsatz geben, über die Medien oder über einen Newsletter vom Vorstand erfahren, dass da der Arbeitsplatz möglicherweise aus ist“. Es herrsche „große Betroffenheit im Betriebsrat und auch wahrscheinlich bei jedem einzelnen der über 300 Beschäftigten am Standort in Heiligenkreuz“.

Reaktionen der Mitarbeiter auf die Entscheidung

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Lenzing in Heiligenkreuz stehen unter Schock. Einige wussten Dienstagfrüh bei Schichtantritt noch nichts von der Unternehmensentscheidung.

Viele Mitarbeiter standen Dienstagfrüh unter Schock und waren erbost, dass sie von der Konzernentscheidung aus den Medien erfahren hatten. „Ich arbeite seit fast 21 Jahren da, und jetzt heißt es von einem auf den anderen Moment: Zack, es ist aus. Das ist schon ein bisserl arg“, sagte Ferdinand Taschner. Es sei eine schlimme Schocknachricht, über die er noch gar nicht reden wolle, meinte ein anderer. Er wisse noch nichts davon, sagte Enrico Strobl. Auch Benjamin Gröller erfuhr erst vom ORF-Burgenland-Team von der Entscheidung.

Lenzing-CEO: „Sind an Vorgaben und Regeln gebunden“

Lenzing-CEO Georg Kasperkovitz sagte dazu gegenüber dem ORF: "Ich verstehe, dass die Nachricht für viele schockierend war. Die Lenzing ist ein börsennotiertes Unternehmen, wir sind an bestimmte Vorgaben und Regeln gebunden. Unmittelbar nach der Entscheidung durch den Aufsichtsrat mussten wir eine Ad-Hoc Meldung absetzen und konnten erst dann an die Beschäftigten kommunizieren“ – mehr dazu in Kasperkovitz: „Verstehe, dass die Nachricht schockierend war“.

Perl: Mitarbeiter geben alles

Man hoffe natürlich, dass es in irgendeiner Form weitergehe, sagte Perl. Mehr als 300 Mitarbeiter stünden vor einer ungewissen Zukunft, es seien Existenzen betroffen. Jeder habe seine Zahlungen, die Zeit sei noch ungewisser als früher, alles sei teurer geworden.

„Die Mitarbeiter geben alles, dass der Standort, die Produktion aufrecht bleibt“, so Perl. Man solle jetzt gemeinsam an einem Strang ziehen, „wir sitzen alle im gleichen Boot“. Er könne nur hoffen, dass dieses Boot nicht untergehe, sondern ein möglicher Investor gefunden und verhindert werde, dass viele Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt landen.

Bürgermeister Zach: „Enormer Verlust“

Auch für die Gemeinde Heiligenkreuz kam die Nachricht überraschend. Eine Schließung des Werkes wäre auch für die Marktgemeinde ein enormer Verlust, sagte Bürgermeister Eduard Zach (SPÖ). Man würde wohl zwischen 400.000 und 500.000 Euro an Kommunalsteuer pro Jahr verlieren.

Das wäre gerade in Zeiten, in denen ohnehin alle Gemeinden in Österreich finanziell zu kämpfen hätten, ein großes Problem. Im Ort sorgt die Nachricht auf jeden Fall für Betroffenheit. Seine ganze Familie und auch viele Freunde und Bekannte würden bei Lenzing arbeiten, erzählte Eduard Pfleger. Dass das Werk jetzt „weg“ sein könne, sei ein Wahnsinn.