Die römische Keramikwerkstätte liegt in unmittelbarer Nähe zum Badesee Burg und besteht aus gut 120 Brennöfen. Dort produzierten früher hunderte Menschen ab dem ersten Jahrhundert etwa 200 Jahre lang Gebrauchsgeschirr in riesigen Mengen. „Wir haben Teller zum Essen, wir haben Becher zum Trinken, wir haben Kochgefäße mit Töpfen drauf – das ist wirklich das Geschirr, das man eigentlich zum Leben verwendet hat“, erzählte die Welgersdorfer Archäologin Michaela Löffler-Leutgeb vom Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien.
Fotostrecke mit 10 Bildern
Grabungsleiterin: War wohl große Industrie
Zu finden sind in Burg Fehlbrände, also Ausschussware: Mit den Scherben wurden nicht mehr verwendete Öfen zugeschüttet. Die Dimension der Anlage ist riesig. Es sei auf jeden Fall eine industrielle Produktion, sagte Grabungsleiterin Basema Hamarneh. Aber man wisse noch nicht, wie die Werkstatt organisiert gewesen sei. Denn das sei kein kleiner Produzent gewesen, sondern vielleicht eine große Industrie. So etwas müsse zentral organisiert werden, sagte Hamarneh.
Der Ton für die Produktion dürfte aus den naheliegenden Pinkaauen gekommen sein. Die Rohstoffe könnten aber auch pinkaabwärts zu den Brennöfen transportiert worden sein. Holz zur Befeuerung der Öfen war reichlich vorhanden. Abgesetzt wurde das Geschirr überregional, hauptsächlich wahrscheinlich über die nahegelegene römische Stadt Savaria, das heutige Szombathely.
Löffler-Leitgeb: Sitzen auf archäologischem Schatz
Die Keramikproduktion, die man aus Österreich und aus den Limesstädten entlang der Donau kenne, komme in keinster Weise an das Level industrieller Produktion von Gebrauchswaren in Burg heran, sagte Löffler-Leutgeb: „Das ist tatsächlich einzigartig so weit und da sitzen wir auf einem archäologischen Schatz gerade.“
Die nahe Umgebung ist reich an archäologischen Funden: etwa die Hügelgräber von Schandorf, frühmittelalterliche Burgen oder die Kreisgrabenanlagen in Rechnitz – mehr dazu in Multimedia Hügelgrab gibt Einblick in Geschichte und Rechnitz: Fenster in die Steinzeit. Der Hannersdorfer Bürgermeister Gerhard Klepits (ÖVP) träumt von einem zentralen Ausstellungsort für die Fundstücke in der Region.
Forschungen dauern an
Die Ausgrabungen sind außerdem als Lehrgrabungen für die Studentinnen und Studenten des Instituts für Klassische Archäologie konzipiert. Sie schätze bei dem Studium besonders die Abwechslung zwischen Schreiben, Lernen und physischer Arbeit, sagte Studentin Pia Auer. In weiteren Arbeiten sollen nun die Organisation der Vermarktung des Geschirrs, die Werkstätten und die Arbeitssituationen der Keramiker erforscht werden.