Lenzing wollte zu Beginn der 90-er Jahre expandieren, mehrere Standorte wurden ins Auge gefasst. Heiligenkreuz erhielt den Zuschlag, auch bedingt durch die Fördermillionen aus dem Ziel-1-Topf der EU. Das Werk wurde 1997 eröffnet. Der damalige Landeshauptmann Karl Stix (SPÖ) sprach damals von einer „neuen Ära in der Industriegeschichte des Landes“.
1998, als man in Heiligenkreuz mit der Positionierung der Faser am Markt kämpfte, war Geschäftsführer Bernd Zauner bereits vor Ort. Der promovierte Chemiker wurde Produktionsleiter und übernahm ab 2008 die Geschäftsführung. Damals eroberte Lyocell als Faser bereits den Weltmarkt.
Absatzprobleme und Aufschwung
Bald nach der Eröffnung folgten Absatzprobleme der Lyocell-Faser. Die EU-Wettbewerbsbehörde verhinderte damals einen Verkauf. Danach ging es mit der Förderproduktion wieder steil bergauf. 2007 erreichte das Werk die Maximalauslastung. 2017 investierte Lenzing 70 Millionen Euro und bezeichnete den Standort Heiligenkreuz als „langfristig abgesichert“.
Aufgrund der Coronapandemie und der hohen Gaspreise wurde 2022 Kurzarbeit eingeführt – mehr dazu in Schwierige Zeit für Wirtschaft. Ein Jahr später herrschte wieder Vollbetrieb, doch es sollte Personal abgebaut werden. Vor zwei Jahren noch hieß es vom Lenzing-Vorstand: „Die langfristigen Aussichten sind nicht schlecht. Die Weltbevölkerung wächst und Textilien werden immer gebraucht.“ Mehr dazu in Lenzing: Einsparungen ohne Kündigungen.
Jetzt sieht alles anders aus, denn Ende des Jahres soll das Werk in Heiligenkreuz geschlossen werden – mehr dazu in Schock für Lenzing-Mitarbeiter.