Er betrachte den Standort nicht als sinkendes Schiff, sagte Zauner. Man habe ja die Aufgabe, einen neuen Investor für dieses Werk zu finden und hier den Fortbestand zu sichern. Und ein Investor müsse sich darauf verlassen können, dass er einen funktionierenden Betrieb mit Leuten, die sich auskennen, übernehme. „Der Standort Heiligenkreuz ist ein sehr gut investierter Standort – also das Equipment ist auf Stand“, sagte Zauner. Man habe 320 motivierte, gut ausgebildete Mitarbeiter, die 30 Jahre Erfahrung aufgebaut hätten.

Zauner: Portfolio passt nicht mehr zu neuer Strategie

Auf die Frage, warum das Werk dann abgestoßen werde, antwortete Zauner: „So wie sich mir die Lage darstellt, hat Lenzing hier eine fundamentale Neuausrichtung der Strategie jetzt beschlossen.“ Der Konzern konzentriere sich jetzt auf wenige Kernbereiche. Das Portfolio in Heiligenkreuz passe leider nicht mehr zur Strategie von Lenzing – mehr dazu in Lenzing lässt Faserproduktion auslaufen und Kasperkovitz: „Verstehe, dass die Nachricht schockierend war“. Das bedeutet aber nicht, dass man den Standort Heiligenkreuz nicht profitabel betreiben könne.

Zauner will mit Lyocell-Faser weitermachen

„Im Prinzip ist der Plan, dass wir wirklich mit dem Faserportfolio, mit den Lyocell-Spezialfasern, die wir jetzt produzieren, weitermachen. Es wird dann so sein, wenn es so läuft, wie wir uns das jetzt vorstellen, dass wir dann in keinem direkten Konkurrenzverhältnis mit dem Lenzing-Konzern stehen, weil sich unsere Faserportfolios dann nicht mehr überschneiden“, erklärte Zauner.

Gewerkschaft hofft auf engagierte Käufer-Suche

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft PRO-GE, Reinhold Binder, sagte am Mittwoch, er erwarte, dass Lenzing sein Versprechen halte und alles daran setzen werde, einen Käufer für Heiligenkreuz zu finden. Die Ansage von Landeshauptmann Doksozil, dass das Land den Standort übernehmen könnte, bewertete Binder als sehr positiv. Das sei für die Betroffenen momentan der einzige Halt – mehr dazu in Doskozil: Übernahme von Lenzing-Werk vorstellbar und Schock für Lenzing-Mitarbeiter.

„Ich denke doch, dass Lenzing auch in der Verantwortung ist, hier soziale Rahmenbedingungen zu schaffen, dass diese Veränderung tatsächlich so vernünftig über die Bühne gehen kann, dass diese Menschen, die Familien dort vor Ort im Burgenland nicht so massiv betroffen sind und dass es schlussendlich hoffentlich nicht zu einer Standardschließung mit Ende des Jahres kommt“, so Binder. Eine Fortführung des Unternehmens wäre ganz besonders wichtig und es seien alle Player gefordert, insbesondere die Investoren in der Wirtschaft. Die Mitarbeiter in Heiligenkreuz seien hochmotiviert.

Sulyok: Betroffenen Sicherheit bieten

ÖGB-Landesvorsitzender Manuel Sulyok begrüßt ebenfalls den Einsatz des Landes für den Erhalt des Standortes in Heiligenkreuz. „Hinter jedem dieser Arbeitsplätze stehen Menschen und Familien, die nun befürchten müssen, bald ohne berufliche und finanzielle Absicherung dazustehen“, so Sulyok, deshalb sei es wichtig, den betroffenen rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sicherheit zu bieten.