Derzeit prägen vor allem ausgetrocknete Maisfelder das Landschaftsbild. Die diesjährige Ernte wird nach Einschätzung des Landwirts Martin Jautz aus Tobaj (Bez. Güssing) dramatisch ausfallen. Und nicht nur die Ernte ist gefährdet – für seine 350 Rinder gibt es jetzt nur mehr Notfallrationen, erklärt der Landwirt, weil auch das Futter knapp wird. „Wir müssen das Heu jetzt schon mit Stroh strecken, weil wir jetzt schon wissen, dass wir nicht über den Winter kommen“, erklärt Jautz.
Fischbestand gefährdet
Die anhaltende Trockenheit trifft neben der Landwirtschaft auch die Tierhaltung schwer. So betreibt Michael Hoffmann am Fuß der Burg Güssing eine Fischzucht. Bereits ab einer Wassertemperatur von 31 Grad Celsius besteht akute Lebensgefahr für den Bestand – ein Grenzwert, der am Montag bereits überschritten wurde. Ein Totalausfall würde sich auf drei Jahre auswirken. So lange dauert es, bis die rund 15 Tonnen Fische nachbesetzt sind. Täglich sinkt der Wasserspiegel um rund fünf Millimeter.
Nur ausgiebiger Regen könnte helfen
Eine Wetterabkühlung ist zwar für das Wochenende angekündigt, doch laut den betroffenen Betrieben könnte nur ausgiebiger und anhaltender Regen über einen Zeitraum von zwei Wochen die Situation nachhaltig entspannen.
Berlakovich fordert Maßnahmen
Aufgrund der langanhaltenden extremen Hitze und der fehlenden Niederschläge zeigen die Ergebnisse der abgeschlossenen Getreideernte nochmals einen Rückgang gegenüber den bereits pessimistischen Prognosen. Seit 1970 wurde im Burgenland noch nie so wenig Getreide geerntet wie heuer. Die aktuellen Wetterbedingungen lassen auch für die Herbstkulturen wie Sonnenblume, Sojabohne, Körnermais, Zuckerrübe und Wein Ertragsausfälle befürchten. Es brauche ein „Dürre-Maßnahmenpaket“, appelliert Nikolaus Berlakovich, Präsident der burgenländischen Landwirtschaftskammer.
Hilfe für burgenländische Bio-Agrarbetriebe
Die anhaltende Trockenheit stellt Tierhaltungsbetriebe vor große Herausforderungen – burgenländische Bio-Betriebe können daher den notwendigen Zukauf von konventionellem Futter mittels Bescheid genehmigen lassen, um die Bio-Zertifizierung nicht zu verlieren. Betroffenen Betrieben soll rasch geholfen werden, erklärte Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (Grüne) am Dienstag in einer Aussendung.
Da Wiesen und Weiden aktuell deutlich weniger Ertrag bringen, reicht das eigene Futter für Rinder, Schafe oder Ziegen vielerorts nicht aus. Während konventionelle Betriebe auf Ersatzfuttermittel zugreifen können, seien diese in Bio-Qualität nicht ausreichend vorhanden. Bio-Betriebe können den Zukauf daher mittels Bescheid genehmigen lassen.
Im Burgenland sei das Verfahren mit Einzelbescheiden bereits 2017 angewandt worden. Genehmigt werden können unter anderem Grünfutter, Trockenfutter, getrocknetes Gras sowie Futterpellets. Es wird mit bis zu 30 Anträgen gerechnet.
Situation am Neusiedler See noch gut
Am Dienstag tagte wieder die Wasserstandskommission. Trotz sehr niedrigen Wasserstands des Neusiedler Sees sei die Lage noch nicht problematisch. Das Hauptreferat Wasserwirtschaft ist auch in regelmäßigem Austausch mit der Geosphere Austria. Nach den Temperaturpeaks am Dienstag und Mittwoch sollte es am Donnerstag und Freitag zu einer Abkühlung kommen. Ob damit aber auch Niederschläge einhergehen, sei noch ungewiss.
Am Dienstag belief sich der Wasserstand auf 115,1 Meter über Adria. Wie in den Jahren 2022 und 2023 befindet sich der See damit aktuell im Niederwasserbereich. Vor vier Jahren wurde der tiefste Wert seit 1965 gemessen, damals betrug er 114,98 Meter über Adria. Vom Mittleren Wasserstand ist man aktuell 34 Zentimeter entfernt, auf den Vorjahreswert fehlen 24 Zentimeter.