Sikawild, bekannt durch seine charakteristische Fellfärbung, steht vor einem möglichen Haltungsverbot in Österreich. Eine EU-Verordnung könnte ab 2027 die Haltung dieser Tiere in Gehegen untersagen. Diese Maßnahme soll verhindern, dass Sikawild das einheimische Rot- und Dammwild verdrängt. Betroffene Wildtierhalter, wie Michael Kemetter aus Limbach (Bez. Güssing), fühlen sich von dieser Entscheidung bedroht und fordern Ausnahmen.
Kemetter beschreibt Sikawild, das vor 100 Jahren aus Ostasien nach Europa gebracht wurde, als widerstandsfähiger und ruhiger als heimisches Rotwild und Dammwild.
Investitionen könnten verloren gehen
Kempter hat bereits 50.000 Euro in seine Gehege investiert. Aufgrund der vorbeugenden Maßnahmen zur Sicherung der Gehege, wie der vorgeschriebenen Höhe der Zäune von zwei Metern, gab es bisher keine Ausbrüche. Eine Beendigung der Sikawildhaltung würde diese Investitionen gefährden.
Kontroversen um Vermehrung und Tierverhalten
Skepsis besteht auch bei der Einschätzung der Vermehrungsgefahr. Kritiker zweifeln daran, dass die Sikawildpopulation unkontrolliert anwachsen könnte. Stefan Salmutter führte in den 1980-er-Jahren im Wildpark von Nikolaus Draskovich gezielte Kreuzungsexperimente mit Sikawild durch. „Die gefleckte Fellfärbung löst natürlich beim Rothirsch das Kälberschutzverhalten aus, weil die Jungtiere beim Rotwild das erste halbe Jahr auch weiß gefleckt sind“, erklärt Salmutter.
Das heimische Rotwild und das Sikawild hätten auch eine andere Sprache. Eine Paarung sei auch deshalb eher unwahrscheinlich. Der Versuch, männliche von weiblichen Tieren dauerhaft zu trennen, gilt zudem als unpraktikabel und könnte als Tierquälerei betrachtet werden.
Herausforderungen und Forderungen
Laut der Landwirtschaftskammer Burgenland benötigen die Sikawildbetriebe dringend Planungssicherheit. Eine Registrierung der Tiere für mögliche Ausnahmegenehmigungen muss bis zum 10. August erfolgen, um weiterhin Sikawild halten zu dürfen. Es drohen zusätzliche Auflagen, wie der Umbau bestehender Zäune.