Elsa leidet unter starker Migräne und Panikattacken. Ihr jüngerer Partner umsorgt und unterstützt sie liebevoll. Dennoch wird der Feuerwehrmann und nebenberufliche Stripper mehr und mehr zu einer Nebenfigur in ihrem Leben verkommen.

In den Vordergrund treten stattdessen Freundinnen von Elsa: die eine wiederholt von ihrem Mann betrogen, die andere von der Trauer um ihren Sohn zerfressen. Und zwischen all dem und im schwarzen Sand von Lanzarote wird Elsa neue Inspiration finden. Sie, die einst als Kultregisseurin gefeiert wurde.

Doppelgängerin auf Papier

Diese Protagonistin, Elsa, ist das Alter Ego von Autor Raúl. Nach einer kreativen Blockade arbeitet der Regisseur endlich wieder an einem neuen Drehbuch – eben mit Elsa im Mittelpunkt. Sie ist also gewissermaßen eine Frau auf Papier und leider wird sie irgendwie auch aus Papier bleiben.

Mitten in diesem Schaffensprozess verabschiedet sich überdies Raúls langjährige Assistentin aus persönlichen Gründen in eine Auszeit. Und als Raúl ihre Schicksalsschläge in sein Skript einarbeitet, kommt es zum Eklat.

Ein klassischer Almodóvar, aber…

„Bitteres Fest“ bietet all das, was wir von Almodóvar kennen und lieben. Da wären die satten Farben, inklusive vieler Rottöne, die durchkomponierten Tableaus, seine extravaganten Frauenfiguren sowie die komplexen Beziehungsgeflechte. Es gibt herzzerreißende Gesänge, bedeutungsstarke Dialoge und auch ein Kurzauftritt von Stammschauspielerin Rossy de Palma darf nicht fehlen.

Doch all das will in diesem Film-im-Film nicht so richtig zusammenfinden. Die sich überlagernden Handlungsstränge (angesiedelt 2004 und 2026) mäandern, selbst die schönsten Sätze wirken bisweilen seltsam aneinandergereiht, Protagonist:innen leben nebeneinander her. Der stark autofiktionale Film kommt allzu gemächlich daher, schifft in einem ähnlichen Fahrwasser wie „Leid und Herrlichkeit“ und einige Szenen wirken gar ungewollt kurios.

Highlight gegen Ende

Und dann, nach eineinhalb Stunden, knallt ein knapp zehnminütiges Streitgespräch herein. Es ist besagter Eklat zwischen Regisseur Raúl und seiner ehemaligen Assistentin bezüglich der Verwertung ihres Lebens in seinem Film. In dieser Art Zusammenfassung und Interpretation des Geschehens fallen Sätze wie: „Du hast deinen Funken verloren und deine besten Filme schon gemacht.“ Raúl entgegnet, es wäre schwer, Geschichten zu schreiben, in denen alles stimmt.

Hier blitzt der sozusagen wahre, der geliebte Almodóvar auf. So gut wie alles sitzt. Dieses leidenschaftliche Wortgefecht macht Lust auf mehr und stößt auch in Raúl die Idee zu einem anderen, neuen Film an. Sein Arbeitstitel: „Süße Elsa“. Und dieser Stoff klingt catchy und nach einer Geschichte, die zumindest ich wesentlich lieber gesehen hätte.