Die Musik von Brutalismus 3000 ist von Harmonie so weit entfernt wie Berlin vom Mars. Auch auf ihrem neuen Album „Harmony“ gibt es 37 Minuten Musik, die an den Nerven zehrt. Es ist ein Sommeralbum für dystopische Klubnächte in überhitzten Großstädten.
Der Produzent Theo Zeidner und die Sängerin Viktoria Vasiliki Daldas sehen immer so aus, als wären sie gerade aus einer Trance-Gabber-Techno-After-Hour in Berlin-Friedrichshain in die Sonne getaumelt. Und ja, sie sind auch privat ein Paar. Die beiden haben sich angeblich 2019 auf Tinder kennengelernt. Vielleicht kommt da die titelgebende Harmonie her. Seit dem Debütalbum „Ultrakunst“ hat sich für Brutalismus 3000 einiges geändert.
Statt Berliner Lokalkolorit haben sie jetzt die ganze Welt im Blick. Sie sind mittlerweile ein internationales Aushängeschild für deutsche Musik geworden und spielen auch in den USA und Südamerika in großen Hallen, unter anderem im Vorprogramm von FKA Twigs. Brutalismus 3000 singen jetzt auf Englisch, allerdings mit deutschem Akzent. Einer ihrer Fans ist Dylan Brady von den seelenverwandten 100 gecs, der „Harmony“ mitproduziert hat. Und auch die Kollabo-Gäste machen was her: so liest etwa Schauspielerin Anya Taylor-Joy („The Queen’s Gambit“) auf dem Album ein Gedicht vor.
Immer im roten Bereich
Das ist einer der vergleichsweisen zarten Momente auf „Harmony“. Außerdem gibt es auf dem Album ein Duett mit den „Lager Lager Lager“-Urvätern Underworld und eine Zusammenarbeit mit dem Hamburger Nine-Inch-Nails-Freund Boys Noize. Alles sehr laut, alles sehr wild, auch wenn ein Song lustigerweise „Leonard Cohen“ heißt.