Der Wiener Sommer kann ein unbarmherziger Glutofen sein. Bevor man nach Feierabend im Hitzestau in der Wohnung schmilzt oder in überfüllten Schanigärten verzweifelt, bietet das Museumsquartier einen eleganten Fluchtweg. Bis September gibt es auf der MQ Sommerbühne im Haupthof bei freiem Eintritt Lesungen, Performances und Filme.
Jeden Mittwoch gehört der Asphalt dann komplett der lokalen Musikszene. Die Reihe MQ Tunes bringt Acts aus allen Ecken der Popmusik unter den freien Himmel. Über 300 Bands wollten spielen, die Jury von mica music austria hat uns gnädigerweise die feinsten Rosinen herausgepickt.
29. Juli: Berglind
Giovanna Fartacek dürften die aufmerksameren FM4 Hörer:innen noch von der Band Mynth kennen. Als Berglind serviert sie nun deutschsprachigen Pop, der auf einem massiven elektronischen Fundament ruht. Die Tracks sind angenehm düster und introspektiv genug, um nicht im seichten Mainstreampop zu ersaufen. Wer Melancholie zum Mitnicken sucht, wird hier definitiv fündig.
5. August: Taineh
Alternative Rhythm and Blues trifft auf Neo Soul. Martina Schlemmer beweist wunderbar, dass weibliche Stärke und absolute Verletzlichkeit ziemlich beste Freundinnen sein können. Ihre Musik bringt echte, organische Instrumente auf die Bühne, was heutzutage fast schon rebellisch wirkt. Das klingt null nach Plastikpop, sondern nach echtem Handwerk.
12. August: Tamara Flores
Die Wienerin mit mexikanischen Wurzeln schmeißt klassischen Querflötensound und Latinpop in einen Mixer. Ihre Single „Chingona“ ist völlig zu Recht an die Spitze der FM4 Charts geklettert. Das ist pures Empowerment, gepaart mit einem Rhythmus, der selbst die steifsten Hüften im Publikum zum Wackeln bringt.
19. August: BAIBA
Die in Innsbruck gestrandete Lettin hat dem klassisch weinerlichen Songwriting den Rücken gekehrt und die elektronische Popmusik fest umarmt. BAIBA ballert uns tanzbare Beats um die Ohren, kombiniert mit Texten, die tief in die Seele blicken lassen. Sie produziert ihren Kram komplett selbst und zeigt der Welt, dass Do-it-yourself auch auf den großen Bühnen verdammt fett klingen kann.
26. August: Harry Dean Lewis
Wer feinsäuberlich gezogene Genregrenzen braucht, sollte an diesem Abend vielleicht lieber zu Hause bleiben. Harry Dean Lewis und seine absolut energetische Liveband fräsen sich quer durch Alternative Indie und Hip Hop. Sein Debütalbum liefert einen surrealen Ritt durch smarte Texte und dichte Melodien. Live bedeutet das vor allem eines: sehr viel Schweiß und ordentlich Bewegung auf und vor der Bühne.
2. September: ELSA
Julia alias Chovo hat beim diesjährigen FM4 Protestsongcontest abgeräumt und das absolut verdient. Aus über 170 Einreichungen stach ihr Song über Gewalt gegen Frauen messerscharf heraus. Hier werden verdammt wichtige und schmerzhafte Themen extrem klug verpackt und stimmlich gewaltig umgesetzt. Ein Pflichttermin für alle, die Musik mit Hirn und Haltung schätzen.
9. September: ELSA
Die Truppe um Sängerin Elsa Steixner rührt Jazz, Folk und Rhythm and Blues zu einem ziemlich genialen Gebräu zusammen. Auf dem neuen Album werfen sie mal eben elektronische Gitarren, Posaunen und Orgeln in den Ring. Das mag auf dem Papier nach purem Chaos klingen, entpuppt sich live aber als extrem raffiniert arrangierte Klangwelt, in der man sich gerne und völlig freiwillig verliert.