Schon der erste Teil von „Ambrosia Sky“ überzeugte mit einer ungewöhnlichen Kombination von Spielelementen. Einerseits ist es ein Game, in dem man brachial putzt und immer wieder den befriedigenden Moment erlebt, wenn endlich alles sauber ist. Andererseits erzählt es eine melancholische Sci-Fi-Geschichte über eine Asteroidenkolonie, deren Bewohnerinnen und Bewohner durch eine Pilzinfektion entweder fliehen mussten oder starben.
Einblick in das Leben vor dem Pilz
Ursprünglich waren drei Teile geplant, doch das Entwicklungsteam beschloss, die Geschichte mit nur einem weiteren Spiel abzuschließen. „Ambrosia Sky: Act Two“ ist damit das große Finale von Dalias Spurensuche. Als Protagonistin erforscht sie die Kolonie, löst Puzzles, entfernt Pilze und entdeckt nebenbei Bruchstücke aus dem Leben vor der Katastrophe.
Der zweite Teil fühlt sich dabei weniger wie ein eigenständiges Spiel an, weil er die Dynamik des ersten fortführt und dessen Geschichte abschließt – auch wenn es natürlich gute wirtschaftliche Gründe gibt, ein Spiel auf diese Weise aufzuteilen. Es ergibt aber definitiv Sinn, beide Teile direkt hintereinander zu spielen.
Die völlig verwucherten Gänge in den neuen Gebieten der Kolonie zeigen erneut, wie stark die verschiedenen Pilzarten die Umgebung verändert haben – und welchen Überlebenskampf die Bewohner:innen führen mussten. Der zweite Teil beschäftigt sich jedoch stärker mit Dalias persönlicher Geschichte und rückt sie in den Vordergrund. Eine mysteriöse Nachricht ihrer Ex-Freundin Maeve motiviert Dalia, nach Überlebenszeichen zu suchen und herauszufinden, was Maeves Forschung ergeben hat.
Reflexion und Spurenssuche in der Ruine
Immer wieder denkt Dalia über ihre gemeinsame Vergangenheit mit Maeve nach, aber auch über ihr früheres Ich: jene Dalia, die sich nach familiären Spannungen den Scarabs anschloss, einem religiösen Orden mit wissenschaftlichen Methoden. Inmitten der zerstörten Kolonie wirken diese Reflexionen über ihr altes Leben – und vor allem ihre Gedanken an Maeve – stimmig. Sie tragen zur mysteriösen und melancholischen Stimmung des Games bei. Dem Entwicklungsteam gelingt es, Dalia als vielschichtigen Charakter mit emotionalem Tiefgang zu zeichnen und ihre Suche nach der Vergangenheit auf berührende Weise darzustellen.
Das Gameplay selbst bleibt allerdings relativ unverändert und entwickelt sich nur wenig weiter. Zwar gibt es neue Pilzsorten, etwa Ranken, bei denen man den Ursprung des Pilzes finden muss, um ihn zu zerstören. Andere Pilze explodieren, ihre Sporen verlangsamen Dalia. Im Großen und Ganzen bleibt das Spielprinzip aber ähnlich lustig und befriedigend wie im ersten Teil: Mit dem Hochdruckreiniger bahnt man sich einen Weg durch die verwucherte Kolonie und zerstört alles, was sich einem in den Weg stellt.
„Ambrosia Sky“ ist definitiv ein außergewöhnliches Spiel mit einigen Alleinstellungsmerkmalen sowie einem gelungenen postapokalyptischen Artstyle, der wesentlich zur Atmosphäre beiträgt. Während im ersten Teil noch stärker die Frage im Mittelpunkt stand, was überhaupt passiert ist, konzentriert sich Act Two darauf, wie Menschen auf eine Katastrophe reagieren – und wie sich Beziehungen dadurch verändern können. Hinter den weggespritzten Pilzen warten Geheimnisse und spannende Einblicke in die menschliche Seele. Genau darin liegt die Stärke von „Ambrosia Sky: Act Two“.