Die US-Ausgabe des Lollapalooza-Festivals ist eines der Pop-Sommer-Ereignisse, an denen sich ablesen lässt, auf welche Artists eine besonders vielversprechende Zeit zukommt. Während gerade alle darüber reden, dass Slayyyter auf dem Festival ihren rechtmäßigen Chappell-Roan-Moment erleben durfte und von nun an zur A-Liga der Pop Girls zählt, hat sich ein bisschen abseits davon noch ein zweites Highlight ereignet – und zwar beim Set der US-amerikanischen Künstlerin Audrey Hobert.

Bekannt wurde Hobert erstmal als beste Freundin von Gracie Abrams. Sie schrieb an Hits wie „That’s so True“ mit und war am Song „Minibar“ von Gracies aktuellem Album „Daughter from Hell“ beteiligt. Die durchaus erfolgreiche Arbeit im Hintergrund schien ihr aber nicht zu reichen, also droppte sie 2025 ihr Album „Who’s the Clown?“. Als erste Single releaste sie vorab einen Track namens „Sue Me“ – und genau der scheint jetzt, über ein Jahr später, die Aufmerksamkeit zu bekommen, die er verdient.

Schon seit einigen Monaten geistert der Song durch TikTok, ganze Accounts spezialisieren sich auf das Lipsyncen dieses einen Tracks. Wie groß oder nischig der Hype um die Nummer ist, war schwer einzuschätzen – bis jetzt. Aufnahmen vom Lollapalooza zeigen eine riesige Menschenmenge, die jedes Wort zu „Sue Me“ mitschreit und springt, als gäbe es kein Morgen. Da ist es nur logisch, dass der Song jetzt, einige Tage nach dem Festival, auch erstmals in die Billboard Hot 100 Charts eingestiegen ist.

„Sue Me“ als catchy zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung: Der Song macht Spaß, versucht erst gar nicht, mysteriös oder cool daherzukommen, der mantra-artige Chorus brennt sich direkt in die Gehörgänge und es wundert einen nicht, dass Popstars wie Gracie Abrams sich in Sachen Songwriting Unterstützung von Hobert holen. Auf „Sue Me“ singt Audrey Hobert auf erfrischend witzige Art über ihren Ex, mit dem sie wieder anbandeln möchte, nicht, weil er besonders toll ist, sondern weil sie sich begehrt fühlen will (man kennt’s), und spielt mit hyper-spezifischen Referenzen, die trotzdem (oder gerade deswegen) funktionieren.

Mag man „Sue Me“, lohnt es sich, den Song im Flow des kompletten Albums „Who’s the Clown?“ zu hören – denn wo „Sue Me“ herkommt, gibt’s noch viel mehr spaßige Pop-Perfektion. In einem Interview erzählt Audrey Hobert, dass die Arbeit mit ihrem Produzenten Ricky Gourmet so angenehm gewesen sei, weil sie nicht verbissen auf einen Hit hingearbeitet hätten. Stattdessen lautete ihr Motto: „Let’s have fun“. Und das hört man „Sue Me“ sowas von an. Verklagt mich doch!