Niemand möchte zu den Lockdowns während der Covid-19-Pandemie zurück, aber ein paar Dinge aus dieser Zeit sind in positiver Erinnerung geblieben. Gemeinsam Computerspielen zum Beispiel, am liebsten ohne Stress. 2020 haben viele Brettspieler:innen ihr Hobby in den digitalen Raum verlegt, und auch kooperative Games der 2010er Jahre wie „Overcooked“ oder „Heave Ho“ sind wieder öfter gespielt worden.
Zu dieser Zeit hat das australische Spielestudio House House kurz nach der Veröffentlichung ihres erfolgreichen Schabernack-Gans-Spiels „Untitled Goose Game“ das nächste Projekt gestartet. Es war inspiriert vom gemeinsamen Online-Abhängen während der Lockdowns, einfach nur so auf Discord oder in diversen Chaträumen oder eben in kleinen Games. In diesem neuen Spiel sollen wir zusammen eine Wildnis erkunden. Es ist cosy, harmlos und verspielt, aber manchmal auch ein klein bisschen unheimlich und es gibt einige gemeinschaftliche Rätsel zwischendurch.
Unterwegs mit Friends
Jetzt ist dieses Game da. „Big Walk“ ist, was der Name verspricht: Wir gehen auf eine gemeinsame Wanderung, wahlweise zu zweit oder mit bis zu elf anderen Personen. Erst mal ist alles super entspannt. Wir laufen mit knuffigen, bunten Spielfiguren durch die Gegend und kommunizieren miteinander via Mikrofon (oder manchmal auch via Textchat).
Am Anfang gibt es gar keine wirklichen Aufgaben, doch das ändert sich bald. Wichtig: Man hört oder liest sich nur, wenn man nahe beieinander steht. Bewegen sich die Figuren etwas weiter voneinander weg, ist man auf die Kommunikation via Gesten angewiesen. Darauf basiert eine Vielzahl der Rätselaufgaben, die gemeinsam gelöst werden wollen.
Team, Team, Team!
„Big Walk“ startet zuerst in einer Art Testkammer, wo wir lernen, wie wir unsere Figuren bewegen, bestimmte Gesten machen und Gegenstände tragen. Dann geht es weiter ins Freie, um die Wildnis zu erkunden, Dinge zu sammeln, Rätsel zu lösen. In dieser Spielewelt stehen zwischen den Wiesen, Bäumen, Felsen und Bächen immer wieder auch kuriose Häuser und andere architektonische Objekte herum.
Bei und in diesen Bereichen kann unsere Gruppe nun die jeweilige Aufgabe lösen, um so etwas wie einen Talisman zu erhalten: eine Art rote Boye, die auch ein bisschen so aussieht wie ein kleiner Schneemann. Legen wir mehrere von ihnen in eine eigene Vorrichtung, bekommen wir einen Schlüsselrohling, der anschließend in fünf verschiedenen Boxen gefräst werden muss. Der fertige Schlüssel schaltet dann eine bestimmte Sache oder einen Bereich frei. Diese einzelnen Schritte machen klar: Das mit dem big walk ist durchaus ernst gemeint! Tatsächlich watschelt man mit seinen Figuren hier viel herum.
Sowohl in kleineren als auch etwas größeren Gruppen entsteht eine interessante Dynamik. Mal wird nur geblödelt, dann wieder versucht, koordiniert und professionell ans Werk zu gehen. Jede Figur kann nur einen Gegenstand gleichzeitig tragen oder mit einem Rucksack (den man aber erst finden muss) einen zweiten.
Dinge gibt es allerdings viele verschiedene, Ferngläser, Laserpointer, Walkie-Talkies und vor allem diverse Lichtquellen. Die sind wichtig, wenn es dunkel wird, denn „Big Walk“ verfügt über einen Tag-Nacht-Zyklus. Wirklich passieren tut einem in der kompletten Dunkelheit zwar nichts, aber man verläuft sich natürlich schneller. Das Spielareal ist nicht riesig, aber groß genug, dass man dann und wann kurzfristig ziemlich verwirrt ist.
„Big Walk“ hat eine fix vorgegebene Spielewelt, die man – je nachdem, wie effizient man zusammenarbeitet – in ein paar gemeinsamen Sessions gut durchqueren und lösen kann. Da man durch eine 3D-Umgebung läuft und dabei ständig auch Objekte und Tätigkeiten koordinieren muss, ist das Game für Computerspiellaien und Wenigspieler:innen nicht ideal. Das ist etwas schade, denn konzeptionell ist das Spiel ein idealer Einstieg ins Medium, vor allem wegen der starken sozialen Komponente.
Ein zweiter Wermutstropfen ist der geringe Wiederspielwert, sobald man das Layout des Spiels und seine Rätsel kennt.
Dennoch ist „Big Walk“ eine ungewöhnliche und gelungen designte Erlebniswelt, wo Kommunikation in vielen Facetten im Mittelpunkt steht. Es eignet sich auch als kreative Alternative für normale Audio- und Videocalls: Hier gibt es genügend Sitzmöglichkeiten und man kann sogar auf Whiteboards schreiben.