Roger Deakin – „Waterlog“
Der britische Autor und Umweltschützer Roger Deakin war Zeit seines Lebens besessen vom Schwimmen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, in allen wilden Gewässern Großbritanniens zu schwimmen, egal ob diese frei zugänglich oder in Privatbesitz waren. Das hat ihm nicht nur einmal Ärger eingebracht.
Über seinen anarchischen Zugang zur Schwimmkultur und seinem Kampf gegen die Privatisierung von Flüssen, Teichen und Tümpeln hat Roger Deakin dann ein Buch geschrieben: „Waterlog: A Swimmer’s Journey through Britain“. Darin erzählt er unter anderem von seinem kuriosen Wunsch, unbedingt in einem Haus mit Burggraben leben zu wollen. Ein Wunsch, den er dann auch in die Tat umsetzt: Fortan schwimmt Deakin also in seinem Burggraben im Kreis, bis ihm eines Tages die Idee kommt, er könnte doch auch weiter schwimmen, von einem Gewässer zum nächsten. Also macht er sich auf, hüpft in den nächstgelegenen Sumpf, krault durch winzige Wasserlöcher und taucht in wunderschönen Weihern.
Das Buch bewirkt, dass man es Deakin gleichtun und sofort ins kühle Nass springen will. Gleichzeitig wird man zusammen mit ihm wütend und will, dass die Superreichen, wenn schon nicht ihr Geld, dann zumindest ihre privaten Gewässer mit uns allen teilen. Wer gerne schwimmt, wird dieses Buch lieben. Wer dieses Buch liest, wird danach das Schwimmen lieben.
Caroline Wahl – „22 Bahnen“
Dieser Tage gibt es gefühlt kein Buchgeschäft, bei dem nicht „22 Bahnen“ in der Auslage liegt. Der Literatur-Hit der deutschen Autorin Caroline Wahl wurde sogar schon als Kinofilm adaptiert. Für die Hauptfigur Tilda bedeutet schwimmen endlich Ruhe vom Alltag. Denn der ist bei Tilda extrem stressig: Sie arbeitet an der Supermarkt-Kassa, studiert Mathematik und muss sich um ihre kleine Schwester Ida kümmern, weil ihre alkoholkranke Mutter das nicht kann. Tilda ist völlig auf sich allein gestellt, sogar ihr Freundeskreis hat die Kleinstadt, in der sie lebt, längst verlassen.
Und so bleibt ihr nur das Schwimmbad als Rückzugsort. Genau dort taucht dann eines Tages Viktor auf, er ist der ältere Bruder von Tildas Jugendfreund Ivan, der – wie wir erfahren – früh verstorben ist. Ein Schmerz, der Tilda seither verfolgt. Umso unerwarteter kommt es dann, dass Tilda gerade bei Viktor Liebe und Zuflucht finden wird. Diese kleine Liebesgeschichte ist einer der wenigen, aber starken Hoffnungsschimmer in diesem Roman, der sonst von einem tristen Kleinstadt-Leben zwischen Chaos und Unsicherheit erzählt.
Bonnie Tsui – „Why We Swim“
Bonnie Tsui ist nicht nur Autorin, sondern auch ehemalige Leistungsschwimmerin. In ihrem Sachbuch „Why we swim“ erzählt sie uns von persönlichen, kulturellen und extremen Zugängen zum Schwimmen. Und das weltweit: Tsui erklärt, warum es in den Niederlanden verpflichtenden Schwimmunterricht gibt, erzählt von Samurai-Schwimmer:innen in Japan und berichtet von einem Schwimmclub im ehemaligen Palastpool von Saddam Hussein in Bagdad.
Das Buch ist Reportage, Kulturgeschichte und persönlicher Essay gleichzeitig und diese Mischung ist es auch, die es so besonders macht. Tsui fragt sich, warum es Menschen, diese Landwesen, immer wieder ins Wasser zieht. Schwimmen ist für sie mehr als nur Sport – es ist überlebenswichtig, heilend und gemeinschaftsbildend. Tsui schreibt auch über soziale Ungleichheit beim Zugang zu dieser Sportart und davon, wie Schwimmen vor allem in den USA historisch oft von Rassentrennung und Armut geprägt war. Am Ende beschreibt Bonnie Tsui in „Why we swim“ das Gefühl, das viele Schwimmer:innen kennen: Nach einigen Bahnen verschwinden Gedanken, der Atem und die Bewegungen finden ihren Rhythmus, und Zeit scheint keine Rolle mehr zu spielen. Ein lehrreiches und meditatives Sommerbuch.
Tomasz Jedrowski – „Im Wasser sind wir schwerelos“
Die Hauptfigur Ludwik erzählt in „Im Wasser sind wir schwerelos“ rückblickend von seiner Liebe zu Janusz. Die beiden jungen Männer lernen sich im Jahr 1980 in Polen kennen und verbringen einen unbeschwerten Sommer an einem abgelegenen See, wo sie ihre homosexuelle Beziehung frei ausleben können.
Als dann der Sommer endet und Ludwik und Janusz den See verlassen müssen, werden sie jedoch mit den gesellschaftlichen Zwängen des kommunistischen Polens der 80er Jahre konfrontiert. Während Ludwik von einem freien Leben im Westen träumt, entscheidet sich Janusz für Sicherheit und eine Karriere innerhalb des staatlichen Systems. Diese unterschiedlichen Lebenswege belasten die Beziehung der beiden schließlich immer stärker. Nur im See sind Ludwik und Janusz einander nahe und gleichzeitig fern von den Problemen des Alltags. Die Möglichkeit, im Wasser ganz sie selbst zu sein, lässt das Schwimmen im Buch zu einem Symbol für Freiheit, Hoffnung und gelebte Sexualität werden.