Es gibt Situationen im Leben, in denen der eigene Körper ganz seltsam reagiert. Entfremdet und ein bisschen taub. Wo man sich selbst vielleicht sogar von außen beobachtet, anstatt zu spüren, was da gerade eigentlich passiert. Oder man hat gar keine Kontrolle mehr, weder Innen- noch Außensicht auf die Dinge. Solche Situationen können Angst machen, oft checkt man auch erst später, was einen so mitgenommen hat. Über das Unwohlsein in solchen Momenten hat die Band Westside Cowboy aus Manchester das Lied „Pin Up Boys“ gerschrieben.
In „Pin Up Boys“ sieht jemand lebendig aus, aber fühlt sich nicht danach. Es ist ein stumpfes Lebensgefühl, das Westside Cowboy da über Gitarren-Akkorde transportieren. Im Zentrum steht eine große Kränkung: Vom Gegenüber nicht richtig wahrgenommen zu werden oder noch schlimmer; sich in Anwesenheit einer bestimmten Person komplett unsichtbar zu fühlen. Das kratzt nicht nur am Ego, sondern vor allem am Selbstwert.
Ein neues Genre wird geboren
Wenn Reuben Haycocks Gesang von den großen Unsicherheiten des zwischenmenschlichen Lebens erzählt, wirkt das ganze zu Anfang ziemlich intim. Der Ich-Erzähler im Song möchte kein „Pin Up Boy“ sein, keine glänzende Oberfläche, die nur hübsch aussieht. Er möchte als Person gesehen werden, ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Wenn dann Bandkollegin Aoife Anson O’Connell einsteigt und gegen Ende hin dagegen ansingt, wird der Song umso stimmiger. Und da kommen wir dann auch schon zu einem der großen Pluspunkte dieser Truppe, denn bei Westside Cowboy singen alle vier Mitglieder in unterschiedlichen Arrangements. Der musikalische Kitt, der den Sound dann noch zusammenhält, ist eine lebendige Mischung aus Folk, Indie-Rock, Slacker-Attitüde und Alt-Rock. Was dabei dann rauskommt, bezeichnen sie selbst und manche Medien gerne mal als „Britainicana“.