Als Donna Savage im Februar letzten Jahres mit ihrem Produzenten Brenk Sinatra den Plan für ihr Debütalbum konkretisierte, hat sich der bekennende Prater-Fan plötzlich in einer Hochschaubahn der anderen Art wiedergefunden: „Wir haben uns voll aufgehypt bei dem Gespräch. Und dann haben wir aufgelegt und ich war erstmal so, Scheiße, Alter, was habe ich da gerade zugesagt? Wie soll ich das hinbekommen? Das ist einfach eine ganz neue Dimension. Ich habe komplett Panik geschoben, erstmal einen kleinen Mental-Health-Walk durch den Stadtpark gemacht und mich wieder beruhigt. Und dann habe ich mich jedes Wochenende eingesperrt und geschrieben, geschrieben, geschrieben und ich glaube, ab dem dritten, vierten Song, wo ich wusste, okay, der ist geil, ab dem Zeitpunkt war ich auch ein bisschen ruhiger.“
Die Wienerin hatte sich davor schon mit unzähligen Singles und EPs einen Namen gemacht: Als Rapperin, die Täter, Hater und Chauvinisten hart zurechtweist, die aber gleichzeitig auch hochansteckende Sommerhits schreiben kann. Bald ist es fünf Jahre her, seit sie sich unter diesem Namen und im Team mit Brenk erstmals vorgestellt hat, also ist dieses Debüt-Album eigentlich schon längst überfällig.
Das Wort „Gusch“ als Titel deutet auf den ersten Blick eine Fortsetzung des bewährten Donna Savage-Kurses an: Die ultimative Eskalationsstufe des wienerischen „Hoit die Bappn“, mit der die Gegenseite zum Schweigen gebracht wird – or else! So klingt dann auch der gleichnamige Opener-Song: Harte Battle-Raps über Brenk-Beats, die die Memphis Rap University mit außerordentlichem Erfolg bestanden haben. An der Seite von deutschen Rap-Kolleginnen wie Wa22ermann, OG Lu oder Alyzah wird dann verbal noch mehr ausgeteilt. Im Verlauf der Platte bekommen aber auch andere Vibes ihren Platz: Sommerliche Banger mit Verifiziert, Lou Asril oder Sluq etwa – und eine verletzliche Seite, die wir von Donna Savage bisher noch nicht gehört haben.
Neue Verwundbarkeit
Egal, wie oft das Konzept „Album“ jetzt schon für tot erklärt worden ist: Die um Einzelsongs aufgebaute Streaming-Landschaft ist für leise Töne gerade im Rap nicht förderlich. Das hat Produzent Brenk Sinatra für „Gusch“ als Chance gesehen: „Ich habe schon gewusst, dass es ein paar Sachen gibt, die sie selber noch nicht so gesagt hat, wo ich aber weiß, dass sie diese Seite hat. Und der Moment war perfekt, das im Album-Kontext zu zeigen.“
So reflektiert Donna Savage in Stell Dir Vor ihr Heranwachsen mit Einflüssen wie Tic Tac Toe, Celo & Abdi oder Schwester Ewa. In I vs Me thematisiert sie mit dem Kölner Rapper Lugatti Selbstzweifel und Momente fehlender Motivation. Noch näher lässt uns die Rapperin aber am letzten Song der Platte heran: Tochter Meiner Mutter erzählt von ihrem abwesenden und desinteressierten Vater, um dafür die alleinerziehende „Mama Savage“ mit verdientem Lob zu überschütten. Das Überwinden von Donnas inneren Blockaden war bei diesem Song sicher die größte Herausforderung:
So fährt die emotionale Achterbahn am Ende des Albums „Gusch“ wie auch am Ende des Produktionsprozesses für Donna Savage eindeutig wieder nach oben. Die Liebe zum Detail ist in der Musik genauso zu bemerken wie im selbst per Hand collagierten Artwork. Die Künstlerinnenpersona Donna Savage gewinnt durch die neu offenbarte Verwundbarkeit nur an Autorität. Und musikalisch haben Donna & Brenk mit „Gusch“ sowieso eines der Highlights des heimischen Rap-Jahres 2026 abgeliefert.