Manche Lieder erwischen dich dann, wenn sie dich eben erwischen müssen. Außen alles shiny, innen Trubel, alle schauen hin und keiner versteht’s. „Everybody knows“ von Jaden Sade ist eine kleine Hymne für die, die die Traurigkeit auch im Sommer nicht ganz loswerden.
Jaden Sade kommt aus Wien, ist hier ein independent Artist und hat 2024 sein erstes Album „endless time“ rausgebracht. Drei weitere sind in knappen Zeitabständen gefolgt. Vorgestern, am Freitag, ist mit „Stardust Through Decades“ Nummer fünf erschienen. Es fließt, ganz offenbar, es fließt aus ihm raus. Man darf’s Bedroompop nennen, weil’s genauso klingt wie’s der Titel vorgibt: Ein bisschen verhuscht um drei Uhr morgens in einem hoffentlich gemütlichen Zimmerchen sitzen, alles rundherum ist wie immer in der Stadt nicht ganz leise, aber ein bisschen stiller als sonst. Wenn der Kopf einen okayen Tag hat und nicht wie sonst oft zu genau dieser Uhrzeit in die unmöglich-schrecklichsten Ecken kriecht, schreibt man – hat man so viel Talent wie Jaden Sade – solche Lieder.
„Stardust Through Decades“ also: ein Album, das in sich geschlossen ist wie ein Kreis, in dem jedes Lied ein jeweils anderes am Album referenziert, bevor im closing Song dann alle noch einmal erwähnt werden. Ein Album also, das noch als Album gedacht ist, als kleine Geheimwelt, als Kaninchenbau, um die Alice-in-Wonderland-Metaphern endlich auch mal wieder zu überstrapazieren – jedenfalls nicht als Streamingdienst-Futter. Ein Album übers Älter- aber damit nicht unbedingt Gescheiter- oder Glücklicher-Werden, ein Album über das Leben hier und jetzt und lange darüber hinaus. Sterne sind ja bekanntlich ziemlich alte Dinger, gute Lieder wie diese hier auch.
Landen wir dann doch beim Streamingdienst-Anbieter unseres nicht Vertrauens, aber Muss-halt-Seins, finden wir die Musik von Jaden Sade in kuratierten Playlists mit dem Titel „Queers & Queens“ oder „Cuddle & Chill“. Beide erzählen mit ihrem Titel ein bisschen was, stupsen aber höchstens in die Nähe dessen, was wir alles in diesen Liedern finden.
„From outside I glow“ in „"Everybody knows“ ist eine schönste Zeile darüber, wie man sich die Maske eben einfach doch immer wieder aufsetzt, wenn man das Haus verlässt. Rundherum denken eh die meisten, alles wäre gut, und nachfragen tun die wenigsten. Zumindest abends dann aber schnell zurück ins Schlafzimmer, in die erwähnte Höhle, den Bau, Hauptsache, es ist gemütlich. Wie gesagt, ein Sternenlied.