Wie wir leben wollen: Es gibt bald frisches Futter von Endless Wellness, der vielleicht ungewöhnlichsten, sprachverliebtesten und gleichzeitig auch sprachmisstrauischsten Band des Landes. „Domino Days“ wird das neue, zweite Album heißen, das für 16. Oktober angekündigt ist, in zarter Bandneubesetzung. Die erste Single „Nie mehr sicher“ warf bereits ihre gewohnt kryptischen Schatten voraus; nun folgt mit dem Album-Closing-Track doch tatsächlich die tocotronischste und damit auf eine Art auch zugänglichste Single des Wiener Quartetts. „So allein sollen wir nie wieder sein“ klingt indierockig wie zu besten K.O.O.K.-Zeiten und hat auch im Titel eine eindeutige Message: Die Zukunft wird besser werden, sie muss ja.

Die Neuvorstellungen der Woche

Earthgirl – „Lovesick Lobotomy“

Verliebtsein kann so schön sein, es kann aber auch ordentlich nerven. Wenn aus der Sehnsucht eine kleine Obsession und sich konzentrieren auf irgendwas anderes unmöglich wird, dann kann man sich irgendwann auch vorstellen, warum bei Liebeskummer sogar normale Schmerztabletten helfen sollen – die Körperlichkeit der Pein ist durchaus vergleichbar. Dieser guten, aber fast schon grenzwertigen Leidenschaft widmet die Singer-Songwriterin Sam Short die Debütsingle ihres Soloprojekts Earthgirl: „Limerence, glimmering, lovesick lobotomy, cinnamon, how you taste on top of me… I’m sick, I’m sick!“, singt sie mit kühler Vocoder-Stimme, und auch die Produktion dieses eleganten Hyperpop-Tracks ist als Gegenpol zum obsessiven Gedankenloop in den Lyrics auf Distanziertheit bedacht.

Rachel Chinouriri – „One song away from crying“

Crying at the dicotheque, nächstes Kapitel: Auf dem Dancefloor gegen die Tränen ankämpfen, dieses oft besungene und nie alt werdende Thema greift die wundervolle Londonerin Rachel Chinouriri in ihrer neuen Single „One song away from crying“ auf, und ihr lyrisches Ich darin verknüpft die Entscheidung fürs Heimgehen mit einer Entscheidung dazu, zu sich selbst zu stehen: „I’m thinking – I’m one dance away from leaving here without saying goodbye“. Der Indie-Pop ihrer früheren Tage geht auf dem Weg zum 2. Rachel Chinouriri-Album „I think I spoke too soon“ (Release: 16. Oktober 2026) scheinbar etwas mehr in Richtung zurückgelehnter Synth-Pop.

Radio Free Alice – „Kick In The Shins“

Die australische Band Radio Free Alice macht Indie-Rock mit Post-Punk-Schlagseite und wird in Kürze erstmals in Österreich zu sehen sein, nämlich am 3. Tag des FM4 Frequency Festivals. „Wir wollten einen Song zum Herumhüpfen schreiben“, sagt die Band passenderweise über ihre aktuelle Single, und mit „Kick in the shins“ gelingt ihnen das sicherlich. Die Gitarren darin werden Fans von 80er-Helden wie The Smiths oder The Cure erfreuen, und auch die Zusammenarbeit mit dem Producer Peter Katis, der u.a. mit Interpol und The National im Studio war, hört man dem Song an.

Steve Lacy – „oh yeah?“