lovehead, Space Stage, Donnerstag 13:25Uhr
Folgt man lovehead auf ihren Socials, weiß man eh, was da los ist: Viel! Nach dem ersten Jahr als Band, den ersten großen Live-Gigs (unter anderem als Kraftklub-Support) und einer ersten EP steht jetzt fest: It’s a lovehead summer, eine unserer heurigen Sommer-Kolumnen im Radio heißt nicht umsonst so. In besagten Beiträgen erklären uns Anna, Leni und Mara, welche Ballspiele sie bevorzugen, wieso und ob sie gern baden gehen und wieso man Ventilatoren am besten gut zuredet. Das Gute dran: Denselben Schmäh nehmen lovehead auch immer mit auf die Bühne, zusammen mit ihren Songs, die ihnen in den letzten Monaten nicht nur eine FM4-Charts-Nummer-1 gesichert haben. Frisch ist das, am Leben entlanggeschrieben und hineingespielt in die gute Pop/Rockschule der 00er, vielleicht auch noch bissi der 10er-Jahre. Nostalgie hat hier aber gar keinen Platz, dafür sind lovehead viel zu sehr ihre eigenen Protagonist:innen. Sie spielen nicht irgendeinen, sondern den quasi Eröffnungsslot auf der größten Bühne am FM4 Frequency Festival – dass es dabei erst 13.25 Uhr sein wird, ist uns allen wurst. lovehead summer eben! // Lisa Schneider
Fontaines D.C., Space Stage, Donnerstag 19:45Uhr
Immer gut, eine Band zu empfehlen, die man eh fast niemandem mehr empfehlen muss: Fontaines D.C. sind aktuell die immer noch beste Rock’n’Rollgruppe Irlands. Ein Superzuckerl, nachdem wir gerade am FM4 Frequency Festival in den letzten Jahren nicht allzu viel in diesem Genre und schon gar nicht auf diesem Superstar-Level erlebt haben. Obendrauf: Nur in diesem Land seht ihr Bands ähnlichen Formates zur noch eher gemächlichen Zeit, nämlich schon um 19.45 Uhr. Man sollte sich darüber gar nicht ärgern, vielmehr freuen, in der dritten Augustwoche ist das nämlich genau die satte Dämmerungszeit, zu der wir uns dann gegenseitig die Lyrics zu „Jackie Down The Line“ ins Gnack schreien oder „Favourite“ einmal mehr zur allerschönsten Sommerschnulze auserwählen. // Lisa Schneider
Natasha Bedingfield, Space Stage, Freitag 17:15Uhr
Es gibt eine Handvoll Lieder, bei deren ersten Zeilen Abertausende an (okay, vornehmlich weißen) Clubkids auf der Tanzfläche, sei es in der Indiedisco, auf einer Pride Parade oder in einem Club, unter Garantie, zu einhundert Prozent und augenblicklich die Hände in die Luft reißen und eskalieren. „Coming out of my cage and I’ve been doing just fine“, ist eine dieser Zeilen, eine andere lautet „Drive boy, dog boy, Dirty numb angel boy“ und funktioniert vor allem bei Fans von „Trainspotting“, und dann gibt es noch: „I am unwritten, can’t read my mind, I’m undefined“. Geschrieben hat sie die britische Musikerin Natasha Bedingfield, die sich damit für immer und ewig, ob sie will oder nicht, in die Playlisten von Hochzeiten, Breakup-Partys, Freund:innen-Abenden und anderen Feiern eingeschrieben hat. „Unwritten“ ist – und das ist wirklich selten – ein perfektes Lied: Es ist catchy und freundlich, inhaltlich genau richtig unverfänglich und empowernd, es hat eine markante Akustik-Gitarre und einen Gospel-Chor, ein kleines Break vor dem Chorus zum tief Luftholen, und dann alle: „Feel the rain on your skin….“ PS: Natasha Bedingfield hat noch andere Lieder geschrieben! „These words“ zum Beispiel! PPS: Auch Fm4 Kolumnistin Verena Bogner singt „Unwritten“ ein Loblied. // Katharina Seidler
Audrey Nuna, Space Stage, Freitag 18:40Uhr
Audrey Nuna ist 27, aus New Jersey und eine der drei Musikerinnen, die hinter dem animierten K-Pop-Projekt Huntr/x stehen (also ihr wisst schon, die singenden Dämonenjägerinnen aus KPop Demon Hunters). Aber um ehrlich zu sein: die Musikerin auf die Songs der Netflix-Produktion zu reduzieren, würde ihr nicht gerecht werden – auch wenn „Golden“ mit je einem gewonnenen Oscar, Grammy und Golden Globe zu einem der vielleicht erfolgreichsten Songs der Fernsehgeschichte zählt. Solo bewegt sich die koreanisch-amerikanische Musikerin seit mehreren Jahren zwischen Powerpop und boasty Lifestyle-Trap, der uns nostalgisch an die späten 10er Jahre zurückdenken lässt. Alleine Audrey Nunas Neuinterpretation von Brandys „The Boy is Mine“ ist ein Vorbeischauen auf der Space Stage wert: Der 00er Hit wird bei Nuna gesamplet, mit Jersey Club und sanfter Harfe verfeinert, nur um am Ende in einer überraschenden String-Section aufzugehen. Für Fans von: KPop Demon Hunters, Doja Cat und Menschen die naked poopen (wir wissen doch auch nicht). // Melissa Erhardt
Tom Odell, Space Stage, Freitag 20:10Uhr
Die Leisen werden die Ersten sein: Möglicherweise einer der ungewöhnlichsten Popstars der letzten Dekade – Popstars im Sinne von: ausverkaufte Stadthallen, Main-Act-Slots auf Festivals – ist ein schüchterner junger Mann aus dem Süden Englands. Allein am Klavier, dann irgendwann mit Unterstützung einer fabelhaften Band, schreibt, spielt und singt Tom Odell Lieder, die er aus den dunkelsten Winkeln seiner Seele zieht, Lieder über Selbsthass und Minderwertigkeitskomplexe, über Zweifel, Schaudern, zaghaft lieben, dann leidenschaftlich lieben, aber immer mit dem Wissen, dass es jeden Moment vorbei sein könnte. Er schreibt diese Texte in besonders unverschlüsselter, nahbarer Form: „I’m standing in the mirror / I wanna change my skin / Wish that I was taller / Wish that I was thin“. Millionen Menschen rufen seinem lyrischen Ich auf der Bühne dann zu: „You are beautiful!“, zart umarmen einander Klavier und Gitarre, und wer dabei nicht weint, muss ein Herz aus Stein haben. // Katharina Seidler
EsDeeKid, Green Stage, Freitag 23:50Uhr
EsDeeKid aus Liverpool ist so gehyped, da dachten Leute tatsächlich mal, das wäre das Alter Ego von Schauspieler Timothée Chalamet. Eh klar, weil wer mit so viel Karacho auf der großen Bühne auftaucht, muss sich gern mal den Titel industry plant unterstellen lassen – oder zumindest Vermutungen, dass da irgendwas inszeniert sei. Irrtum: EsDeeKid ist so gut! Harter nordenglischer Scouse Dialekt und ganz schön viel düstere, gruftie-kitschige Attitude. Dass das alles als Liveperformance schnell einmal ein bissl chaotisch daherkommen kann (siehe EsDeeKids Rolling Loud Performance 2026), dürfte vor allem im Setting FM4 Frequency egal sein. // Christoph Sepin
Baran Kok, Green Stage, Samstag 14Uhr
Ein Highlight am Frequency wartet am Samstag in aller Festivalfrühe auf uns: Baran Kok, selbsternannter Gay-President und kurdisch-deutscher Rapper der Stunde. Beim 25-jährigen bleibt nichts unausgesprochen – zumindest, wenn es um Sex geht. Parteizugehörigkeiten werden beim in Istanbul geborenen Rapper zu interessanten Kinks („Er ist Christdemokrat also Baby let me bless you“), die eigene Identität zur sarkastischen Pointe („Er sagt seine Ex war auch Türkin, war auch so laut, konnte auch so stöhnen – ich geb ihm eine Schelle, ich bin Kurde du Opfer“) und Bushidos Sonnenbank Flavour macht er kurzerhand zum Samenbank Flavour. Generell kommen bei Baran Kok die alten Rap-Herren eher wenig gut weg: „Du bist ein Opfer weil du glaubst Tätern, wenn ich Fler schlag, bin ich dann ein Frauenschläger?“ Man könnte das alles sex-positiven Partyrap aus queermigrantischer Perspektive nennen – oder wir bleiben einfach bei Barans Worten: „Bitch, das ist Fag-Life!“ Für Fans von Ikkimel, Subversivität mit Augenzwinkern & Leuten, die Urlaub in Dagestan machen (auf ironisch, natürlich). // Melissa Erhardt
Denzel Curry, Space Stage, Samstag 17:00Uhr
Vor fünf Jahren war Denzel Curry in der völlig unterschätzten Serie "The Choe Show" zu Gast, um ein paar Wahrheiten zu sprechen: „Jede:r möchte stark sein“, so Curry, aber das ist Bullshit: „Wir haben alle Gefühle, wir sind alle Menschen, ich werde wütend, ich werde traurig, ich werde depressiv, eifersüchtig, ich hasse und ich liebe.“ Da drin liegt Denzel Currys musikalische Essenz: ganz schön selbstkritisch und ganz schön reflektiert, man mag es conscious HipHop nennen und das muss nicht nur mellow klingen. Im März gründete er mit The Scythe eine neue HipHop-Partie und brachte das Mixtape „Strictly 4 the Scythe“ raus, zuletzt veröffentlichte er einen Track mit der Hardcore-Band Knocked Loose. Melancholie darf auch Lärm machen. // Christoph Sepin
Ashnikko, Green Stage, Samstag 23:20Uhr
Little forgotten fact: Ashnikko hätte schon im Jahr 2021 am FM4 Frequency spielen sollen, das dann aber pandemiebedingt in den Lockdown fiel. „Wir werden in der Sommerhitze stehen, wir werden unsere besten Outfits tragen, ich werde auf der Bühne tanzen, volle Choreografie“, so manifestierte Ashton Casey das damals abgesagte Konzert. Wer Ashnikko seitdem live gesehen hat, weiß, dass sie auch mal gern untertreibt: Ihre Konzerte sind Hyperpop-Happenings zwischen High Fantasy und Sci-Fi, Party und Weltschmerz, Tanzen in Richtung Apokalypse. Bubblegum Hyperrealismus, wie Kaugummi zum Blasen machen, aber nicht zuckersüß. // Christoph Sepin