Wer Rätselspiele mag, kennt diese Ausgangssituation nur zu gut: Aus irgendeinem Grund findet man sich allein auf einer geheimnisvollen Insel voller mysteriöser Mechanismen und geheimnisvoller Aufgaben wieder. So war es beim Genreklassiker und 90er-Jahre-Welterfolg „Myst“ und seinen zahllosen Epigonen und genau so ist es auch in „Dimhaven: The Lost Source“.

Auch in diesem First-Person-Puzzler eines kleinen Teams ungarischer, in London lebender Entwickler lande ich auf der Suche nach meinem Onkel auf einer mysteriösen Insel, und was eigentlich simpel sein sollte, wird hier kompliziert. Weil Zoll- und Hafenbehörde menschenleer sind, muss ich mich im allerersten Teil des Spiels mit der Wiederinbetriebnahme und Überlistung diverser Automaten herumschlagen, einen Generator mit Benzin versorgen, Strom zum Fließen bringen und eine aggressive Möwe überlisten. Und das ist erst der Anfang.

Knifflig, aber logisch

Weil meine Spielfigur eine junge Fotografin ist, darf ich dafür auch immer wieder meine Kamera auspacken, aber nicht nur, um die ausgesprochen hübsche Insel und ihre beeindruckende Art-deco-Architektur im Abendsonnenlicht zu fotografieren. Viel öfter knipse ich hier Bilder von verstreuten Hinweisen, die ich dann praktischerweise in einem Album immer zur Hand habe.

Diese Hilfe ist willkommen, denn die Rätsel von „Dimhaven“ sind nicht ohne und ziemlich abwechslungsreich. Um die alten Mechanismen der Insel wieder in Gang zu bringen, reicht es aber nicht, genretypische Logik-, Schiebe- und Mechanikpuzzles zu lösen, vielmehr ist immer wieder auch echte kombinatorische Detektivarbeit nötig. Wer sich etwa recht früh im Spiel seine Visum-Lochkarte logisch aus Hinweisen und Codes zusammengefälscht hat, bemerkt: Hier ist ein bisschen mehr Nachdenken gefragt als in anderen Spielen des Genres, und Papier und Bleistift neben dem Monitor werden zur Pflicht.

Coole Rätselrenaissance

Auch in Sachen Präsentation weiß das Spiel zu gefallen: Die schicke Low-Poly-Grafik ist dank moderner Beleuchtungseffekte überaus stimmig und vermeidet die Hochglanzsterilität der Frühzeit, Sound und Voice-Acting sind gelungen. Zehn Jahre nach dem Debütspiel der Macher, „Quern: Undying Toughts“, ist auch das per Kickstarter vorfinanzierte „Dimhaven“ ein Geheimtipp für Genrefans.

Die Freund:innen gepflegter Rätselspiele aus der Ich-Perspektive haben es gut: Seit der Geburtsstunde des Genres in den fernen 90er-Jahren hat sich viel getan. Auch „Dimhaven: The Lost Source“ verbindet souverän Elemente von Adventure, Mystery-Thriller und klassischen Logikrätseln zu einem absolut unterhaltsamen Mix.