Nina (Sabrina Reiter) und ihre Clique kennen einander seit der Volksschule. Jetzt haben sie gemeinsam die Matura bestanden, mit etwas Glück auch Ninas Freund Martin (Laurence Rupp). Das soll jetzt gefeiert werden. Doch vor der großen Party bekommt Nina eine eigenartige SMS. „In 3 Tagen bist du tot“, steht darin, sonst nichts.
Nina glaubt an einen schlechten Scherz. Aber dann verschwindet Martin mitten in der Nacht. Gemeinsam mit Clemens (Michael Steinocher), Alex (Nadja Vogel) und Mona (Julia Rosa Stöckl), die alle die gleiche SMS bekommen haben, geht sie zur örtlichen Polizeistation, der Diensthabende Kogler (Andreas Kiendl) schenkt ihnen wenig Beachtung. Als die Gruppe am nächsten Tag an einem Steg am Traunsee sitzt, taucht im Wasser Martins Leiche auf.
Als „In 3 Tagen bist du tot“ von Regisseur Andreas Prochaska im Jahr 2006 in die Kinos kam, war die Rede vom ersten österreichischen Teenie-Slasher überhaupt. Tatsächlich hat es so etwas zuvor noch nicht gegeben. Prochaska, der das Drehbuch gemeinsam mit Thomas Baum geschrieben hat, bedient sich für seinen Horrorthriller klar erkennbar bei US-amerikanischen Vorbildern und Genre Tropes. „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ aus dem Jahr 1997 kommt in den Sinn, aber auch andere Horrorklassiker.
Horror trifft auf Postkartenidyll
Prochaska gelingt mit dem Film dennoch etwas ganz Eigenes, vor allem durch den starken lokalen Anstrich. Hier verschmilzt internationaler Genrefilm mit österreichischem Krimiflair. Die Protagonist:innen sprechen – da wird nicht gekünstelt – in ihren Dialekten. Die unheimlichen Angriffe werden umrahmt von der beschaulichen Landschaft Ebensees.
Nach Martins Tod bleibt nicht viel Zeit zum Verschnaufen. Der Killer hat es bereits auf sein nächstes Opfer abgesehen. Diesmal entführt er Nina und bringt auch sie in ein altes Bootshaus, um sie im See zu ertränken. Die kann aber, dank der Hilfe des Schulweirdos Patrick (Julian Sharp) fliehen. Clemens und seine Freundin Nadja verbringen die Nacht derweil im Familienhotel – wo es zum grausamsten und blutigsten Mord kommen soll. Ein Aquarium mit scharfen Kanten und ein kurz darauf abgetrennter Kopf unterstreichen den Slasher-Charakter des Films, auch wenn hier insgesamt nicht ganz so viel Blut fließt wie man es vielleicht von den US-Vorbildern kennt.
Der Film funktioniert eben auch als Krimi, der einige Wendungen parat hat. Was Prochaska außerdem gelingt: Die Protagonist:innen sind Figuren mit Hintergrundstorys und Charakterzügen. Sie sind einem sympathisch und eben nicht bloß Bodycount, wie man es vom Genre gewohnt ist.
Final Girl Sabrina Reiter
Als „Final Girl“ bezeichnet man im Slasher-Genre üblicherweise die weibliche Heldin, die den Film hindurch überlebt. Mit ihrer Performance als Nina hat sich die Schauspielerin Sabrina Reiter diesen Titel gesichert und bleibt bis dato in der österreichischen Filmlandschaft damit auch unerreicht.
Es war Reiters erste Filmrolle überhaupt und auch ihr Durchbruch. Sie wurde beim Udine Award als Beste Filmdebütantin ausgezeichnet und bei der Berlinale als Shooting Star vorgestellt. Zwei Jahre später schlüpfte sie noch einmal in die selbe Rolle in Prochaskas Sequel „In 3 Tagen bist du tot 2“, das noch wesentlich düsterer und blutiger ist als sein Vorgänger.
Herrliche Zeitkapsel aus den Nullerjahren
„In 3 Tagen bist du tot“ ist nicht nur ein gelungener Genrefilm, sondern kann vor allem auch als herrlich unterhaltsame Zeitkapsel aus den Nullerjahren gesehen werden, wenn man ihn sich jetzt, zwanzig Jahre später, wieder ansieht. Das liegt zum einen an den für die Filmhandlung sehr wichtigen Handys: Alte Klapptelefone, auf deren Bildschirmen „sms.net“ aufscheint, sorgen für großen Retro-Charme. Dazu kommt ein fantastischer Soundtrack, der österreichische Rock-, Punk- und Indieartists wie 3 Feet Smaller, Julia oder Monta featuret und damit ein Nuller-Jahre-Teenie-Gefühl perfekt einfängt und festhält.