Die britischen Produzenten Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland sind bekannt für ihren elektronischen, souligen und dancigen Sound. Auf ihrem selbstbetitelten Debüt von 2014, das auch für den Mercury Prize nominiert war, findet sich einer ihrer größten Hits „Busy Earning“, der in England Platin Status erhalten hat und als Soundtrack für das Fußball Game FIFA 15 große Bekanntheit erreichte.

10 Jahre später nach dem Release ihres eruptiven Albums „Vulcano“ werden Jungle zur „British Group“ bei den Brit Award ausgezeichnet. Außerdem ist Sängerin Lydia Kitto mittlerweile fixes Bandmitglied geworden. Die Spannung war also groß, als die erste neue Single „Carry on“ erscheint. Und sie hat viele überrascht, denn solch ein warmer und akustischer Sound von Jungle war bis dato noch nicht zu hören gewesen. Die Nummer erinnert an die 50er und 60er, den verträumten Souljazz der für die damaligen Sänger:innen geschrieben wurde. Produzent Tom McFarland verrät im Interview, dass sie immer schon sehr intuitiv gearbeitet haben und bei diesem Song auch einmal ihre Fans überraschen wollten.

Zwischen Leichtigkeit und Schwermut

Was hier so leichtfüßig nach dem perfekten Sommeralbum klingt – schließlich haben Jungle ihr fünftes Album „Sunshine“ getauft – ist unter der Oberfläche schwermütiger. Songs wie das zarte Abschlusslied „Heavy On My Soul“ oder das funkige, von einer verhallten Gitarre dominierte „Where Are You Now“ legen nahe, dass das Leben viele Abschiede, Trauer und Sehnsucht parat hält. So sehen sich Jungle ganz in der Tradition ihrer großen Vorbilder.

Tom McFarland: „Wir versuchen Alben zu machen, die zeitlos klingen. Wir sind eine Generation, die vor der digitalen Revolution aufgewachsen ist und sich oft dorthin zurücksehnt. Also schwingt bei uns immer auch Nostalgie mit. Und ich denke wir haben immer versucht tiefere Gefühle in unserer Musik zu transportieren, die sich oberflächlich sehr sonnig und glücklich anfühlt. So ähnlich wie das ‚Pet Sounds‘ Album von den Beach Boys oder wie ‚Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band‘ von den Beatles. Die haben für mich einen ähnlichen Vibe. Auch die Songs von Marvin Gaye haben viel tiefere inhaltliche Themen, als es ein klassisches Soulalbum vermuten lässt.“

Auf der anderen Seite finden sich auf „Sunshine“ auch – wenn man so will – klassische Jungle-Songs, wie die Single „The Wave“. Sie kann mit ihrem coolen Beat in jeder Strandbar laufen, so wie auf den Tanzflächen von Sommer Open Air Clubs oder im Ambiente von nächtlichen Cocktail Partys. Der „old shool style“ zeigt sich bei Jungle auch im Visuellen. Das Video kommt ohne Schnitt aus und zeichnet sich dadurch künstlerisch durch die idee und Umsetzung aus.

Zwischen analogen und elektronischen Sounds

Der Grund, warum die Songs von Jungle so gut funktionieren und eine derart breite Masse an Fans ansprechen, ist, dass das Trio analoge Instrumentierung mit Samples und Elektronik mischt. Für „Sunshine“ sind Jungle sogar einen Schritt weitergegangen und haben ihre eigenen Aufnahmen gesamplet, um sie dann verfremdet und verändert in ihren Songs auftauchen zu lassen. So klingt auch bei einem sehr dancigen Song wie „Move Like You do“ immer die Wärme der analogen Aufnahmen durch.

Auch wenn Jungle sich Richtung HipHop bewegen, wird einmal mehr hörbar, wie warm und akustisch das heute klingt. Vor fünf Jahren haben Jungle den Track "Romeo" mit dem amerikanischen Rapper Bas aufgenommen. Hier ist noch deutlich der Clubsound und der fette Bass dominant. 2026 liefern Jungle mit „Romeo II“ und dem Feature von Rapper Bas einen Song ab, der viel weicher klingt und mehr einen Flow hörbar macht, wie so manch HipHop-Track in den frühen 80ern hatte. Hier knistert und knackst es im Hintergrund, während der Bass zwar immer noch tief aber viel zurückhaltender und geschmeidiger klingt.

Hoffnung durch Zusammenhalt

Obwohl sich Jungle nach der weniger komplexen prä-digitalen Zeit zurücksehnen und ihre nostalgische Ader sprechen lassen, ist ihr Blick auch zukunftsgerichtet. Denn in all den elf Songs die meist nicht mehr als drei Minuten dauern, schimmert immer die Hoffnung durch. Auch wenn die Engländer:innen uns nicht sagen können, wie und wann wir wieder aus all den Krisen herauskommen, so transportieren sie in Songs wie „Someday, Somehow“ die Kraft, die uns antreibt, eine bessere Welt zu kreieren.

Was Jungle unter einer „besseren“ Welt verstehen und dieser trotz aller Widrigkeiten optimistisch entgegensehen, spiegelt sich in ihren Songs deutlich wider.

Tom McFarland: „Wir sind noch immer sehr hoffnungsvoll. Es ist nicht alles verloren trotz der Weltuntergangsstimmung, die auch wir oft spüren. Es ist gut den Menschen durch unsere Musik auch eine Chance zum Reflektieren zu bieten, darüber nachzudenken, wo sie in ihrem Leben stehen. Viele dieser Songs bieten auch eine Art von Antwort auf unsere Probleme. Für uns sind die Antworten Zusammenhalt und Zusammensein, Liebe, Musik, Tanz und Gemeinschaft.“