Im Studio von Anna Buchegger steht eine kleine Statuette von zwei Pferden. Sie war ein Geschenk ihrer Keyboarderin Sophia an den Producer Tobsy Wöhrer. In diesem Raum, der im heißen Sommer kühl bleibt, nimmt Anna Buchegger Songs auf und spricht mit uns übers Songschreiben, über Inspirationen und musikalische Anfänge. Zwei Teppiche befinden sich im Studio, ein Vorhang, drei Trommeln und, laut Anna Buchegger, 320 Gitarren. Das ist zwar eine Lüge, aber die bessere G’schicht. Und Anna Buchegger ist eine großartige Geschichtenerzählerin.
Sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, erzählt sie, und in der Stube läuft immer das Radio. „Also es gibt eigentlich keinen Moment, wo es einmal still ist.“ Früh liegt ihr Fokus auf der Musik: wer gerade singt, welche Melodie läuft, was der Text ist. „Und dann hat mein Umfeld sehr schnell gemerkt, dass ich sehr gerne singe.“ Früher, da liefen noch hauptsächlich Schlager und Volksmusik. Bei Ausflügen mit ihrer Schwester, um Wocheneinkäufe für zuhause zu erledigen, wurde dann andere Musik aus dem Auto gepumpt: „Emanuela“ von Fettes Brot zum Beispiel und „Alors on Danse“ von Stromae. So hat man als Teenager zur kulturellen Entwicklung des Ortes beigetragen. „Das war schon so Usus, oder? Es sind alle so ein bisschen tiefgelegt, bunte Felgen, Fenster unten, lautstark irgendeine Musik pumpen.“ Sehr viele von uns, aufgewachsen am Land in Österreich, können sich mit solchen Ausflügen identifizieren.
2021 gewinnt Anna Buchegger die Show „Starmania“, 2024 erscheint das Debüt „Windschatten“, im Jahr darauf das Album „Soiz“. Anna Buchegger verwendet in ihren Songs wiedererkennbare Elemente, zugängliche Melodien, auch für das große, nicht immer in großen Städten lebende Publikum. Und dann packt sie aber immer einen Twist rein, einen außergewöhnlichen Sound, einen überraschenden Moment. Sie ist die Brückenbauerin zwischen Mainstream und Alternative, meinen wir. „Brückenbäuerin!“, lacht sie und erzählt übers Songs schreiben.
„Ich habe schon das Gefühl, wenn man einen Song wirklich schreibt, von Beginn bis zum Ende, dann gibt es eigentlich kaum etwas, was einfach so passiert.“ Schreibt sie ein Lied, dann überlegt sie sich schon ganz genau, welche Details da reinkommen. Und manchmal entstehen dann Lieder, Momente, die eine Wirkung haben, mit der sie gar nicht gerechnet hat.
So ist es beim Schreiben, aber man sollte Anna Bucheggers Musik auch live hören, allein wegen der kollektiven Experience. „Dass Menschen zusammenkommen, die vielleicht sonst nicht zusammenkommen würden, an einem Ort und dass sie gemeinsam was erleben. Ich glaube, das ist schon was Essenzielles, vor allem in Zeiten von Digitalisierung, wo man eh dazu neigt, dass man doomscrollt bis Ende nie. Ich glaube, das ist auch die Vision, weshalb ich Musik mache.“ Am 23. Juli spielt Anna Buchegger auf der großen Seebühne am Popfest am Wiener Karlsplatz.