Vor einigen Jahren wurde gestritten, ob der Döner Kebab ein türkisches oder ein deutsches Nationalgericht sei. Dieser Streit scheint vergessen zu sein, in Deutschland ist man auf jeden Fall stolz, den Döner erfunden zu haben. Der Döner ist so deutsch, dass er sogar die Bratwurst als Lieblings-Fastfood der Nation verdrängt hat. Der Streit über die Erfindung des Döners würde absurd erscheinen, wenn nicht dahinter Milliarden stecken würden. Nicht Milliarden von Kebabs, sondern Milliarden Euro. Was würde es wohl kosten, wenn alle Kebab Läden in der EU Döner nach türkischem Originalrezept herstellen müssten? Und was passiert dann mit dem griechischen Gyros? Denn in Griechenland heißt selbst der türkische Kaffee: griechischer Kaffee.

Die Kulturen Europas und der ganzen Welt haben sich schon längst irreversibel vermischt. Es ist normal, dass bei einem Besuch in Kopenhagen die Rezeptionistin im Hotel eine Italienerin ist. Und bei einem Besuch in Italien der Pizzabäcker ein Tscheche. Die italienische Küche mag großartig sei, Italien selbst existiert in dieser Form erst seit 1861, davor gab es mehrere Königreiche, Herzogtümer und ähnliche Formationen. Heute spricht niemand über die Küche beider Sizilien zum Beispiel. Die Pizzen vom Tschechen in Italien waren übrigens ganz gut.

Deutschland, ähnlich wie Italien, gibt es in dieser Form seit 1871. Der Architekt des modernen deutschen Staats Otto von Bismarck hat gerne die nach ihm genannten Bismarckheringe gegessen. Ob er auch Kebabs naschte, weiß ich nicht. Kein Döner aß auch der Gründer der türkischen Republik Mustafa Kemal Atatürk. Er bevorzugte Bohneneintopf. Wem den Döner gehört, ist also ein ganz sinnloser Streit.

Den Nationalismus nutzt man heutzutage, um seine Vorurteile hervorzuheben, wenn Menschen mit sich unzufrieden sind oder Angst vor der Zukunft haben. Der ehemalige spanische Premierminister Rajoy meinte gestern, Spanien haben gegen ein französisches Nationalteam gespielt, in dem keine Franzosen spielen. Vor Jahren sagte der französische Angreifer Benzema, dass er, wenn er Tore schießt, ein Franzose sei und wenn er keine schießt, ein Araber. So viel zum modernen Nationalismus. Egal, ob in Verbindung mit Fußball oder von kulinarischer Art. Mir ist egal, wer mein Kebab oder meine Pizza gemacht hat. Hauptsache, sie schmecken. Und Nationalisten können hungrig bleiben.