„You won’t have to believe in magic, leave it to me, and I’ll make it happen“ – Phoebe Bridgers, „As Above“, 2026
Phoebe Bridgers war seit ihrem letzten Album nicht untätig. Sie ist ja auch ein Drittel der US-Band boygenius, neben Julien Baker und Lucy Dacus, und mit boygenius und dem Debütalbum dieser Band hat Phoebe Bridgers auch Grammys gewonnen. Das war 2024, und jetzt war also wieder Zeit für ein Phoebe-Album: „Lost Weekend“. So, let´s get lost with Phoebe Bridgers.
Der Album-Opener heißt „The Outside“. Phoebe Bridgers meldet sich via Vocoder und Jack Antonoff spielt den Synthesizer. Wurde auch schon Zeit, dass Phoebe auch einmal mit Jack Antonoff zusammenarbeitet. Sie hat „Lost Weekend“ zusammen mit ihm produziert, aber auch Tony Berg und Ethan Gruska sind Co-Producer. Letzterer war eine Hälfte des US-Indie-Duos The Belle Brigade und arbeitete schon beim ersten Album von Phoebe Bridgers mit, außerdem etwa auch mit der neuseeländischen Musikerin Kimbra oder auch mit Bon Iver („So Unimportant“). Ersterer, also Tony Berg, produziert schon seit den späten 80ies Musik und war auch auf den beiden ersten Alben von Phoebe Bridgers mit dabei, genauso wie bei der Platte von boygenius.
Als Phoebe Bridgers ihr letztes Album veröffentlichte, das 2020 erschienene „Punisher“, sagte sie in einem Interview, dass sie oft unsicher sei und dann schon einmal denke, sie sei nur gut, weil sie sich mit tollen Menschen umgebe. Nun ja, die Besten sind angeblich ja oft die Unsichersten. Aber vielleicht hat Phoebe Bridgers ja seither an Selbstvertrauen gewonnen. Ihrem neuen Werk nach scheint das durchaus der Fall zu sein, auch wenn Phoebe einiges verkraften musste in den letzten Jahren, etwa den Tod ihres Vaters.
Der Vater von Phoebe Bridgers wurde nur 60 Jahre alt. Phoebe verarbeitet diesen Verlust im Song „Still Standing“, wo sie singt „I can´t imagine you dead, but you are every day“. Beim Song „Never Going Back!“ ist auch ein Voicemail von Vater Bridgers zu hören – mit einem Banjo, das darunter spielt –, was einfach nur herzzereißend ist. Phoebe widmet dann auch das komplette „Lost Weekend“-Album ihrem Vater Tony Bridgers.
Bei so großer Trauerbewältigung könnte man meinen, alles ist düster auf der neuen Platte von Phoebe Bridgers, aber das ist es dann gar nicht. Ihr Humor und ihre Scharfsinnigkeit sind auch groß da, etwa im Song „Liberty Tree“, wo es heißt „too much money and nothing to lose“. Rock Star Phoebe Bridgers fühlt sich gut, irgendwie, ach was, nicht irgendwie, nein, Phoebe Bridgers ist glücklich, jedenfalls beim euphorischen Rocksong „Bobby“; Bobby ist der US-Comedian Bo Burnham, mit dem Phoebe Bridgers aktuell in einer Beziehung ist.
Von wegen Liebesbeziehungen: die (2022 beendete) mit dem irischen Schauspiel-Star Paul Mescal („All Of Us Strangers“, „Hamnet“, u.a.) besingt Phoebe Bridgers ebenfalls: In „Lost Weekend“ heißt es „I’m supposed to be married, but I called it off“, während die Songs „Kill Me“ und „I Can’t Wait“ vom Älterwerden handeln. Phoebe Bridgers war Anfang 20, als sie ihr Debütalbum „Stranger In The Alps“ veröffentlichte, während sie nun Anfang 30 ist.
„Now I can’t see any stars in the sky, when a dream comes true, a fantasy dies“, singt Phoebe Bridgers ganz am Schluss ihrer bisher längsten und komplexesten Platte, die Gitarren hat, Synths, Streich- und Blas-Instrumente, eine Mandoline, eine Trompete – gespielt von Nate Walcott von Bright Eyes – sowie einen Stehbass, und bei einem Track, „I Can´t Wait“, Vocals von einem gewissen Son John-Johnson, einem Pseudonym, hinter dem sich – der Stimme nach zu schließen – wohl Cameron Winter von der New Yorker Band Geese versteckt.