50 Acts spielen an vier Tagen und Nächten am ganzen Karlsplatz in Wien. Vom 23. bis 26. Juli findet zum 17. Mal das Popfest statt, das Festival der österreichischen Musik, bei freiem Eintritt auf mehreren In- und Outdoor-Bühnen. Einen ausführlichen Überblick zum diesjährigen Programm, kuratiert von den Musiker:innen Sofie Royer und Wolfgang Lehmann, gibt es hier zu finden – und auch das FM4 Team hat ein paar Tipps und Empfehlungen zu Bands am Festival.
Michaela Pichler empfiehlt GARDENS
Female Rage gegen die patriarchalen Zustände dieser Welt – das können die vier Musiker:innen von GARDENS. Das beweisen sie in Indie-Rock-Hits von internationalem Format, wie gerade auf ihrer aktuellen EP „The Biggest Dog You’ve Ever Seen“. Darin geht es nicht nur um bellende Hunde, das ist Dream Pop mit scharfer Kante, an der sich so mancher performative male schneiden könnte. Auf ein GARDENS-Konzert lässt man das vermeintliche love interest also lieber zu Hause, schnappt sich die besten Freund:innen und lernt schon mal die Songtexte zu „Big Dreams“ oder „Thunderstealer“ auswendig. Damit das am Samstag vor der Seebühne am Karlsplatz dann ordentlich sitzt, wenn GARDENS uns allen den Wind aus den Segeln nehmen.
„a thunderstealer / goes to therapy but doesn’t want to see a perfect truth“
GARDENS spielen am Samstag, 25.7., um 20 Uhr auf der Seebühne
Lisa Schneider empfiehlt PURPLE
Man darf sich schon ab und zu selbst zitieren, vor allem bei Dingen, an die man nach wie vor glaubt: PURPLE sind eine beste neue Rock’n’Roll-Gruppe des Landes. Ihr erinnert euch, im Juni waren wir alle gemeinsam am Nova Rock, PURPLE auch. Und schon da haben wir euch die Band, ihre Musik und vor allem ihren Live-Auftritt ans Herz gelegt. Zitieren von damals also, weil siehe oben, weil dran glauben:
„I have been nothing but funny and sexy to you all“ ist ein guter Spruch, den sich vielleicht Peter Doherty früher mal auf T-Shirt hätte drucken lassen. Jetzt trägt eben dieses Noah Sarich, Schreiber, Gitarrist und Sänger für und mit der herrlichen Wiener Gruppe PURPLE. Das Rockstar-Gen hat Noah vielleicht von seinem amerikanischen Papa, der sich auch mit dem Broadway gut auskennt, oder aber, das wollen wir noch eher glauben, er hat sich’s mit besagter Supergruppe zusammen erarbeitet. Nicht in der Reihenfolge ihrer Großartigkeit, sondern einfach frei aus dem Gedächtnis aufgezählt, wären folgende die restlichen PURPLE-Mitglieder: Maxi Nagl (Producer, Sampler, Keyboardist und schlichtweg Alleskönner, merkt euch diesen Namen), Rocky Wilhelm (ihre Coolness fließt durch Bass & Blut) und Pauli Peschke (Drummer mit bester großer Klappe). Vor Kurzem haben PURPLE ihre neue EP „Sober“ (na genau!) herausgebracht, jetzt bringen sie für euch die große, gleichzeitig nostalgisch orientierte wie nach vorn zischende Indie-Rock’n’Roll-Show auf den Wiener Karlsplatz. PURPLE SUMMER!
PURPLE spielen am Freitag, 24.7., um 18:30 Uhr auf der Seebühne
Katharina Seidler empfiehlt Exit Void
Schön langsam spricht es sich herum: es gibt eine neue Supergroup im Land. Sechs Protagonist:innen der heimischen Musikszene zwischen Überwältigungspop und krachiger Avantgarde haben sich unter dem Namen Exit Void zu einer Band zusammengetan – erst noch als einmaliges Projekt für eine Kunstinstallation, bald schon aufgrund höchster ästhetischer Kompatibilität als fixe Band, die derzeit via Bühnen wie dem Dom im Berg, der Volksbühne Berlin oder dem Donaufestival Krems zu größeren Sprüngen ansetzt.
Jetzt also spielen Exit Void, denen neben Superstar Soap&Skin auch Popfest-Co-Kurator Wolfgang Lehmann selbst angehört, zum Abschluss der diesjährigen Popfest-Edition in der Karlskirche, und es wird davon zu lesen sein, wie überaus würdig und passend dieser Rahmen für ihre Kunst ist: sich wellenartig aufbauende Soundscapes, in denen sich introspektive, instrumentale Passagen über Minuten hinweg zu krachigen Drones hochschaukeln, um irgendwann in ein Songformat im klassischeren Sinn zu münden. Und, durchaus überraschend: Wer Anja Plaschg immer schon einmal rappen hören wollte (ja, wirklich) kommt hier ebenso auf seine Kosten.
Exit Void spielen am Sonntag, 26.7., um 23 Uhr in der Karlskirche
Christoph Sepin empfiehlt Bull Nakano
Keiko Nakano ist 58 Jahre alt, ist Wrestlerin in Pension, Golfspielerin auch, ihre Haare ragen in den Himmel wie ein Turm, ihr Finishing Move ist der „Bull’s Poseidon“, ein Diving Guillotine Leg Drop; die Welt kannte und kennt sie unter dem Alias Bull Nakano. Das Erbe und die Mission, eine ähnlich fabelhafte Biografie aufzubauen, tritt jetzt das nach ihr benannte Hardcore-Projekt aus Wien an. Bull Nakano werden gerade als der cool new shit gehandelt, die Band, die von der manchmal etwas schwer zu erreichenden Insel Hardcore Punk eine Brücke Richtung Rock’n’Roll-Festland baut. Keine Angst (oder doch), das sind hier nicht die neuen Turnstile, das ist schon alles ziemlich laut und verzerrt; das Logo am Debüt „Demo Tape“ ist in Stacheldraht eingewickelt, das Punkrock-Herzerl ist das auch. Und „Your Hug Is Crushing Me“ ist ein schöner Songtitel. Feelings!
Bull Nakano spielen am Samstag, 25.7., um 2 Uhr im TU Prechtlsaal
FM4 am Popfest 2026
Das Popfest 2026 wird, wie immer bei freiem Eintritt, in zahlreichen Indoor- und Outdoor-Locations am und um den Karlsplatz in Wien vom 23. bis 26. Juli 2026 stattfinden. FM4 ist natürlich, auch wie immer, für euch mit dabei. Am 25. Juli zum Beispiel on air live vom Wiener Karlsplatz.