Dieser Name sorgt bei mir immer für Verwirrung. Denn haben bulgarische Muslime und Juden keine Familien, oder sind sie nicht so traditionell wie die christlichen?

Die offizielle Religion in Bulgarien ist die Orthodoxie. Nach meiner Wahrnehmung ist das bulgarische Volk nicht besonders religiös. Historische Forscher suchen die Skepsis der Bulgaren gegenüber höheren Kräften in den langen Jahrhunderten osmanischer Herrschaft oder in den Jahren des Kommunismus.

Die meisten Bulgaren denken an Religion an den Feiertagen – zu Weihnachten, Ostern oder an Namenstagen. Diese Feiertage bringen Festmahle mit sich. Somit sind die Bulgaren so was wie „Speisechristen“. Zu Ostern zum Beispiel wird ein Lamm in die Kirche gebracht, um geweiht zu werden. Weil viele glauben, dass er dann besser schmecken wird.

Viele glauben auch, dass das bulgarische Wort für Weihnachten „Koleda“ aus dem Verb „kolia“ – „schlachten“ stammt, da zu Weihnachten ein Schwein geschlachtet wird. Tatsächlich stammt das Wort vom lateinischen „calendae“ ab. Aber wer braucht Latein, wenn man frischen Schweinsbraten hat.

Ein Vertreter der neugewählten Regierungspartei las von der Parlamentstribüne eine Unterstützungserklärung für den „Marsch der christlichen Familie“ vor. Lustig ist, dass dieser Politiker selber ledig ist. Angeführt wurde der „Marsch“ von der Tochter des ehemaligen bulgarischen Königs und späteren Premierministers Simeon II. Sie hatte ein merkwürdiges Kleid an, das wie die bulgarische Nationalfahne aussah.

Genau so angezogen könnte sie auch an den traditionellen aber eher unchristlichen Läufe der „Kukeri“ teilnehmen, die im Winter stattfinden, um die bösen Geister zu verjagen. Denn die bösen Geister aus der bulgarischen Gesellschaft gehören verjagt, damit wir alle in Toleranz zusammenleben können.