Nach dem Festival ist vor dem Festival, so besagt es im Sommer eine alte Bauernregel, wir leben am Limit. Wir bereiten uns aktuell auf die Popfest-Woche vor (wer mehr als die Hälfte der Wochentage für sein Festival nutzt, darf auch gleich zumindest im Geiste alle sieben Tage für sich beanspruchen). Am Donnerstagabend geht es los am und rund um den Wiener Karlsplatz. Schon an den Vorabenden zum Donnerstag werden musikalisch schwerpunktthematische Filme auf dem großen Screen am Karlsplatz gezeigt.
Sofie Royer und Wolfgang Lehmann haben das heurige Programm ausgesucht. Die ungeschriebene Vorgabe lautet ja immer, die österreichische Musikwelt in all ihren Facetten abzubilden. Natürlich darf man aber schon auch, ist man so lang schon ein integrer Teil der heimischen Musikszene wie die beiden, seine eigenen Held:innen heraussuchen und ihnen die Bühne geben. Nicht umsonst eröffnet Marianne Mendt (Sofie!) heuer das musikalische Programm am Karlsplatz, um 18.30 Uhr am Donnerstagabend. Wird sie das Glockenlied spielen? Wird sie vielleicht sogar einen Schmäh übers eigene Glockenlied und die dahinter bimmelnen Karlskirchenglocken machen? Wir finden es heraus, am liebsten mit euch gemeinsam, bis dahin haben wir noch ein paar Acts zusammengesammelt, die wir euch auf jeden Fall fix sehr ans Herz legen wollen.
Zurück aber noch einmal zum letzten Wochenende, zum 20-jährigen Jubiläum des Acoustic Lakeside. Stattgefunden hat es wie immer am Sonnegger See in Sittersdorf, Kärnten. Und was für ein schöner homegrown Auflauf das war! Wir haben Cari Cari gleich am ersten Tag im Nachbarort St. Michael besucht, wo sie im sehr schön, sehr hell und sehr holzig neu renovierten Pfarrsaal mit dem Acoustic Lakeside Ensemble sowie einem lokalen Männerchor für ihren großen Auftritt geprobt haben. Was das alles bringt? Uns bringt es vor allem, dass wir Lieder erstmals so hören können, wie sie gedacht waren (wenn etwa Alex Köck von Cari Cari sagt, dass für „Around The Bend“ live halt einfach mehr Musikköpfe und -finger nötig sind, als es normalerweise auf Tour möglich ist anzubieten).
Wir haben mit Laurenz Nikolaus eine Jauntaler Hauswurst verkostet, ihr erinnert euch, seit ihrem „Die Wurst und das Brot“-Lied ist es eine obligatorische Angelegenheit, den Nikoläusen die regionalen Spezialitäten vorzusetzen. Ergebnis: eine ganz okaye 2,5 bis 3 von 5. Die Wurst war in Ordnung, „vor allem, wenn man sie teilt“, diesmal serviert mit Bärlauchcreme und einem guten alten Stückerl Brot. Beim Acoustic Lakeside sind Laurenz Nikolaus „nur“ zu zweit aufgetreten, also Laurenz und Moritz – Drummer Isaak haben sie schon in die Schweiz vorausgeschickt, zum nächsten Tourstopp. Laurenz Nikolaus haben nämlich, wie auch Voodoo Jürgens oder luisa schweig oder LEETA, auf der kleineren, der direkten Seebühne gespielt. Die ist tatsächlich so klein, dass sie dem titelgebenden „akustischen“ Vorsatz entspricht. Beste View halt auch: Da schaust auf die Band und gleichzeitig auf die vielen Badenixen, die auf ihren dinoförmigen Luftmatrazen über die nicht vorhandenen Wellen des Sonnegger Sees surfen. Super, fast wie Kalifornien.
„Ausg’macht is niiiix", erzählt uns backstage Voodoo Jürgens, als wir ihn fragen, ob er nach dem Gig vielleicht ein bissi mit Pete Doherty abhängen wird. Damals, back in the days, da waren die beiden nämlich ganz gut befreundet und immer gemeinsam, wenn Pete eben in Österreich war. Ebenfalls getroffen: Jo the Man the Music. Stellt euch vor, es ist Joeys allererster Festivalsommer überhaupt, als Musikerin und auch ein bissi als Besucherin. Einmal, da war sie beim FM4 Frequency, erzählt sie uns, sonst hat sie noch nicht so viel Festivalerfahrung gesammelt, wie sie denn gern würde. Sie hofft auf noch viele Jahre hier und auch später mal auf einen späteren Slot, dabei steht ihr der am späten Nachmittag auch sehr gut. Was auch sehr gut passt: Gerade hat Jo the Man the Music eine neue Version ihrer allerersten Single "Skinny Dipping (Just Your Toes)“ veröffentlicht, im September folgt die Neuauflage ihrer ersten EP, die dann mit viel mehr Songs eh schon fast als Album durchgeht.
Wir waren tatsächlich auch die zwei einzigen Verrückten, die mit langer Jean durch die Gegend gelaufen sind, der Rest der Festivalcrowd war schlicht in Badehose, -anzug oder Bikini gekleidet. Siehe oben: mal bissi Musik schauen, mal bissi schwimmen gehen.
Und Franz Bibiza? Der bereitet sich gerade auf seinen Albumrelease (31. Juli) vor, mehr noch aber auf sein bis dato größtes Open-Air-Konzert in Wien, Österreich, nämlich in der Metastadt. Es ist natürlich ratz-fatz ausverkauft. Und vorbereiten ist vielleicht sogar ein bisschen zu viel gesagt, Bibiza setzt noch eins drauf: Auf seinen Socials fordert er aktuell die Menschen dazu auf, ihm unters letzte Posting zu schreiben, ob er „nach diesem Album aufhören“ solle. Interaktion, gewusst wie, auch so geht’s: Einfach mal die Hose runterziehen und sich das Albumcover vor sonst geheimgehaltene Körperteile halten, im Fall von Bibiza prangt da jetzt also ein großer, schwarzer Stern (Rock’n’Roll-Star, ihr versteht).
FM4 ist euer Festivalradio und das nicht nur im Sommer, sondern natürlich das ganze Jahr über. Auch deshalb leben wir zwar aktuell im Juli, denken aber schon mal gern auch über den Herbst nach: Da findet von 1. bis 3. Oktober in Wien wieder das Waves Vienna Festival statt. Es geht um europäische und damit natürlich auch viele homegrown Musik-Newcomer, und im Rahmen des Festivals wird unter anderem auch so ein Newcomer-Preis verliehen. Er heißt „XA Award“ und sichert dem gewinnenden Act nicht nur ein Preisgeld, sondern auch Karriere- und Toursupport. Nominiert sind heuer: