„Dieser Abend ist ein Willkommen für UCHE!“ So lautet unser Lieblingsmusiksatz der Woche, gefallen am Freitagabend, einem höchst busy day für alle Menschen, die Livemusik gernhaben. Vielleicht wart ihr am Donauinselfest bei der großen Festbühne, die sich an diesem Abend (Freitag) zur gelben Bühne gewandelt hat; vielleicht wart ihr dabei, als My Ugly Clementine da sehr gut und sehr gitarrenverliebt gespielt haben, vielleicht wart ihr dabei, als Giant Rooks einen Schmäh bezogen auf ein 16er-Blech gemacht haben, den dann aber doch niemand (und es waren zehntausende Menschen vor der Bühne) verstanden hat, sie konnten nichts dafür! Oder aber ihr wart dabei, als Zartmann seine „Zartmannschaft“ ins große Finale geführt hat.

Vielleicht wart ihr ja auch ganz steil drauf, wart im Ernst-Happel-Stadion auch noch kurz, entweder, um die zwei hervorragenden Support-Gruppen des Abends (Fat Dog und dann noch IDLES) zu gucken und dann eh auch ganz hingerissen einem hinreißenden Dave Grohl „All my life“ entgegenzuplärren. Und ganz vielleicht dann, ganz am Schluss, seid ihr, mit Ticket oder eben keinem, zum Wiener Flex gefahren und habt dort mitbekommen, was der Beginn einer neuen Ära sein muss: Willkommen UCHE, siehe eingangs, Bilderbuch haben zwar keinen Secret-, aber einen für ihre sonstigen Größenmaßstäbe sehr klein gehaltenen Auftritt am Donaukanal gespielt. UCHE YARA ist seit jetzt und hoffentlich für immer Livegitarristin dieser Weltgruppe, alles daran ist super.

Dass man zur Musik von Bilderbuch sehr gut Sex haben kann, erzählt uns eine Besucherin, Geheimnis ist es keins. Man steht da drinnen, eng gequetscht, die zweite, große Hitzewelle des Sommers beginnt genau hier. Worte wie „hot“ und eben „superhot“ drängen sich auf, das liegt an den Menschen auf und vor der Bühne, das liegt am Licht, an den Tropfen aller möglichen Substanzen, das liegt an den Songs und es liegt, wie immer, wenn es um Sexiness geht, an der Attitüde.

UCHE YARA, die seit letzter Woche eben bekanntermaßen die neue Livegitarristin anstelle von Michael Krammer gibt, hat in einem Instagram-Posting eins ihrer aktuellen Learnings sehr schön formuliert. Lange habe sie gedacht, tanzen sei nichts für sie bzw. sie könne es einfach nicht. Jetzt, beim Erarbeiten ihres ersten Albums (es erscheint im September), habe sie sich endlich davon lossagen können zu glauben, tanzen müsse gut aussehen oder dann eben noch irgendwie sexy sein. Muss es nicht, und in dem Moment, wo es nicht muss, wird es von ganz allein.

UCHE YARA als Gitarristin bei Bilderbuch, das ist wie ein ausgesuchtes Heaven-Match, das uns eh immer irgendwie unter der Zunge gelegen ist, da stimmt von Zusammenspiel und erwähnter Attitüde (Rock’n’Roll!) alles. Die Geschichte ist eh auch viel zu schön, sie nicht fortzuführen: UCHE YARA war, so hat sie es im ersten FM4 Interview verraten, schon immer ein sehr, sehr großer Bilderbuch-Fan; die Art von Fan nämlich, die in der ersten Reihe steht und die Texte auswendig mitschreit. Irgendwann kam man ins Gespräch, verstand sich gut, ah ja, eh, alle Musiker:innen, alle like-minded. 2022 war UCHE YARA auf der „Gelb ist das Feld“-Tour als Support für Bilderbuch mit dabei, beim großen Ukraine-Benefiz im Ernst-Happel-Stadion in Wien (wir denken an diesem Abend noch einmal an Dave Grohl und daran, dass nur er noch ein bisschen mehr geschwitzt hat als Maurice Ernst) dann überhaupt in der Liveband.

„Ihr habt euch nach dieser Hitze gesehnt!“ Soweit alles Bilderbuch, Maurice Ernst sagt dir Dinge, die du bis vor fünf Minuten noch gehasst hast, und auf einmal liebst du sie. Wir hören „Dino“, wir hören „Softpower“, wir checken dann, bei „Gigolo“, dass Bilderbuch die Stoner-Rock-Zeit sehr genossen haben und auch die alten Lieder ins neue Kleid stecken. Alles rund, eins geht ins andere, in der Mitte vom Set sitzt da dann eh schon das Lied aller Lieder, weil „scheiß’ drauf, das ist ‚Maschin‘!“

Es ist eine Best-of-Show, so ruft es die Band aus, bisschen was darf man schon nach vorne hin, zum Albumrelease im September, verraten. „Tititititititi“ ist unser neues Lieblings-Wunsch-Tattoo, das Lied dazu der vielleicht spannendste Grower des heurigen Jahres („Push Reality“). Lecko mio dios mio, wir schmeißen alles hin, verfolgt diese Band, wo ihr könnt und vor allem auf ihren Socials, weil am 14. August und am 11. September gibt es noch zwei solche Flex-Shows in Wien. Für die Tickets meldet man sich, wie auch jetzt schon, auf der Bilderbuch-Website an und sitzt, wenn Glück, im ausgelosten Topf.

Nach den Sternen greifen oder zumindest nach den schönsten Bühnen des Landes: Wir planen ja aktuell nicht nur unseren (sehr steilen) Livesommer in Österreich, sondern gleich auch den nächsten. Anda Morts und SALÒ auch! Am 11. September 2027 spielen sie gemeinsam in der Wiener Arena Open Air und versprechen, was wir ja eigentlich gar nicht hören wollen: „Es wird noch heißer!“ Wird natürlich trotzdem super.

Währenddessen hat luisa schweig einen kleinen Sommerhit über Brasilien oder über BHs oder über Lilien geschrieben, alles immer nicht nur zwei- sondern fünfundzwanzigdeutig hier straight aus dem Kinderzimmer im Burgenland. Es ist der erste völlig eigens produzierte Song: „Hast du Bock auf meine Schweißtropfen, Baby?“

Der FM4 Soundpark läuft im Radio jetzt schon auf Sommerschiene, bedeutet: Jeden Tag von Montag bis Donnerstag jeweils einstündig von 21 Uhr bis 22 Uhr. Bevor das so war, nämlich am 2. Juli, waren noch schnell als Sommerboten die Mitglieder der neuesten Hype-Gruppe GroßKind zu Gast. Wir haben uns übers Kennenlernen, über gute Popsongs (emotions!), über die Anstrengungen und Großartigkeiten, eine Band zu sein, und über Zukunftspläne unterhalten. Manchmal sind Interviews eh super, aber das, was rundherum und davor und danach passiert, noch ein bissi lustiger. Wie etwa, die WCs der FM4 Studios zu erkunden:

FM4 Soundpark Weekly: In dieser wöchentlichen Rubrik fasst Lisa Schneider zusammen, was in der österreichischen Musikwelt an guten, zumindest aber spannenden Dingen passiert ist. Neue Bands und Songs, Videos und Konzerthighlights und natürlich auch ein bisschen Gossip.

Auch noch gut und gut zu wissen

- Vergangenes Wochenende hat Anja Plaschg als Soap&Skin zweimal in der natürlich absolut ausverkauften Wiener Staatsoper gespielt, zum 20-jährigen Bühnenjubiläum und gleichzeitig als Abschluss der „Torso“-Ära. Lebenswunsch ab jetzt: Auch einmal am Ende eines Konzerts eine Lilie von ihr geschenkt bekommen.

- „Ich will deine Lippen nur auf meinen!“ lovehead mit „Marie“.

- Latin-Rap, aber dann bitte in drei Sprachen! Super gemacht und umgesetzt von Alexa Lopez und der Unterstützung von Isolde Santana und La Washa.

- „Folksongs From The WWW“ heißt das erste Album von WEIRD & EERIE, der neuen Gruppe um Andreas Spechtl. Ebenfalls mit dabei sind der Dramatiker Thomas Köck, Schlagzeugerin Katharina Ernst und Saxofonistin Annea Lounatvori. Das Album ist im Zuge einer Theaterproduktion in Weimar 2024 entstanden bzw. dort angestoßen und danach ausgearbeitet worden: Futurismus, Zukunftspop, weird & eerie eben.

- Das erste Album von Donna Savage (& Brenk Sinatra) ist endlich da!

- Vielleicht hat euch auch noch kein Weg nach Paris geführt, vielleicht fahren wir ja irgendwann mit insschlosswollen gemeinsam hin.

- Mira Taylor hat eine sehr liebenswerte Angewohnheit: Sie fährt auf Festivals, um dann dort vor der Bühne zu stehen und zu manifestieren, dass sie da oben selbst mal spielen wird. Zuletzt gespottet am Donauinselfest! Wir halten die Daumen, es würde so klingen.

- Maria Solberger hat mit Naked Cameo nicht nur gerade ein neues Album veröffentlicht, sie macht jetzt auch – endlich, nach vielen Jahren des Dran-Arbeitens und Überlegens – solo Musik. Als Not A Giant hat sie ihre erste Solosingle "Poems for a lost choir" rausgebracht.

- Einmal mit KÄSSY durch London sausen (wir glauben, es ist London).

- Crispies haben ihre erste Single „Bad Blood“, veröffentlicht vor zehn Jahren, nochmal rausgekramt, neu recorded und jetzt veröffentlicht. Das ist schon eine sehr coole Sache, wir freuen uns auf neue Musik im Herbst.

- Am vergangenen Donnerstag – dem letzten klassischen Soundparkdonnerstag vor dem Sommerschema – war Yan Nay mit seinem ersten Album zu Gast, außerdem haben uns GroßKind, die neue Hypeband der Stunde, besucht und uns erzählt, zu wie vielen Teilen sich Punk, Pop und Schnulze in ihren Songs ausgehen.