Wenn die Welt wieder einmal zu hart erscheint, dann ist es Zeit für Steve Lacy: Von ihm und seinem Sound kann man sich perfekt in Luftpolsterfolie einwickeln lassen. Alles wird ein bisschen weicher, ein bisschen ausgefranster, die Spitzen abgerundet und alles kann wieder fließen. Seine Ästhetik hat sich der 28-Jährige seit Beginn seiner Karriere mit The Internet erarbeitet, als Producer in Songs für andere einfließen lassen und als Solokünstler perfektioniert. Aber auch in Steve Lacys Welt ist der Mensch trotz wattiertem Schutzpanzer ein zerbrechliches Wesen. So schildert er es uns in seinem Song „The Feeling“.
Es riecht nach Rauch, nach Feuer, nach zwischenmenschlichem Drama. In diesem Song geht es um ein zähes Gefühl, das wie hart gewordener Kaugummi an der zurückgebliebenen Person festklebt. Für das Gegenüber ist die Beziehung zu Ende, aber als Verlassene:r kommt die Akzeptanz oft erst spät. Oder wie in diesem Song nie, hier ist Akzeptieren keine Option.
Unter dem traumwandlerischen Musikvideo stellt ein Fan die Frage aller Fragen, wie denn ein neues Stück Musik so fucking nostalgisch klingen könne. Das ist tatsächlich eine große Kunst, die Steve Lacy seit seinen Teenagertagen beherrscht: Synthesizer und Gitarren ganz nach der eigenen Handschrift, mit sehr viel Bittersweetness klingen zu lassen.
„The Feeling“ ist einer der zehn Tracks auf „Oh Yeah?". Inspiriert ist die Platte von einem ganz bestimmten Break-up, der schon Jahre zurückliegt, wie Steve Lacy in Interviews erzählt. Es ist ein altes Narrativ, das der Musiker auf seinem Album verfolgt, nämlich eher die Idee, eine Beziehung zu vermissen als eine tatsächliche Person, als einen realen Ex-Partner, mit dem es sowieso schon öfter nicht geklappt hat: "The heart takes what it wants. I’m not scared to bleed, you know our history.“
Noch Jahre später an dem Ende einer Beziehung zu knabbern, klingt mühsam. Steve Lacy hat es aber geschafft, aus seinem Schmerz heraus ein vielschichtiges Pop-Album zu schreiben. Nicht nur einmal muss der Protagonist die „love police“ rufen („Show You Me“), Steve Lacy ist sich in den Lyrics immer wieder seiner Endlichkeit bewusst („Oh Yeah?“) und auch sein abwesender und früh verstorbener Vater ist präsent („Is It Cool?“ ft. SZA). Der Sound changiert gekonnt zwischen RnB-Bop und Indie-Gitarren-Ästhetik. „Oh Yeah?“ ist eine große Empfehlung, nicht nur für Menschen, die gerade mit Liebeskummer zurechtkommen müssen.