Der Verlag bewirbt das Buch als eine „Anleitung für alle, die Gerechtigkeit lieben.“ Die Jagdmethoden werden im Buch genau beschrieben: Man stellt ein Fake-Profil von einer angeblich minderjährigen Person in den sozialen Netzwerken her und lädt anzügliche Fotos hoch um potentielle Opfer anzulocken. Falls wer am „Köder“ anbeißt, kommt es zu einem Treffen, wo aber statt einer minderjährigen Person eine Gruppe von „starken“ Jungs auf den „Pädophilen“ warten. Danach wird er von ihnen „verhört“ indem sie ihn schlagen und vor laufender Kamera erniedrigen. Im besten Fall kommt er mit ein paar Schlägen davon.
Zweifellos ist Kindesmissbrauch ein abscheuliches Verbrechen. Nicht minder falsch ist aber das Verhalten der „Pädo-Hunters“. Unter der Maske der Sorge um die Gesellschaft verüben sie Selbstjustiz, wo sie selber die Schuld und das Strafmaß bestimmen. Der Autor von „Anleitung für Pädophilen-Jäger“ verheimlicht seine Nähe zum Rechtsextremismus nicht. Er wird nicht nur nicht für seine Selbstjustiz abgestraft, sondern auch von diversen Medien regelrecht als Held gefeiert. In einer Reportage über ihn nennt er direkt Adolf Hitler als sein größtes Vorbild. Doch die Behörden haben jahrelang beide Augen zugedrückt. Es macht ihnen anscheinend nichts aus, wenn solche Schlägertrupps die „Drecksarbeit“ für sie erledigen.
Die „Pädo Hunter“-Szene wird mythologisiert und es kommt natürlich zu Nachahmern. Letzte Woche lockten eine Gruppe von Jugendlichen mit einem Fake Profil einen 37-jährigen Mann in einen Park in Plovdiv, die zweitgrößte Stadt in Bulgarien. Dort wurde er erniedrigt und anschließend vor laufender Kamera bis zum Tod geschlagen. Die Videos davon werden in sozialen Netzwerken geteilt. Die Täter – alle zwischen 14 und 17 Jahre alt – nahmen die 30 Euro, die der Mann bei sich hatte und kauften sich davon Döner und Vodka. Sie filmen sich selbst mit dem blutenden Mann und zeigen den verbeugten Daumen – ein Symbol von russischen Neonazigangs, die auch nach „Pädophilen“ „jagen“. Der Autor von „Anleitung für Pädophilen Jäger“ distanzierte sich von den Mördern, er meint, dass es in seiner Anleitung eindeutig geschrieben steht, dass man nicht bis zum Tode schlagen muss.
Die sozialen Netzwerke sind geteilter Meinung: die eine Hälfte möchte die jugendlichen Mörder auch lynchen, die andere feiert sie ab. Diese Geschichte mag euch weit weg vorkommen, aus dem dunklen Osteuropa, aber letzte Woche wurde in Österreich ein 29-Jähriger von einem 18-jährigen Mann aus der „Pädo Hunter“-Szene angeblich aufgrund seiner Homosexualität ermordet. Wir leben nicht im Dschungel, liebe Hörerinnen und Hörer!