Einen 58 Jahre alten Deutschen und seine beiden Söhne holte Polizeipilot Matthias Oschounig am Montag bei seiner ersten Bergung im Hochgebirge von einem Gletscher in der Ankogelgruppe. Der Gletscher ist durch die Hitze deutlich steiler als in den Jahren davor – mehr dazu in Drei Wanderer aus Bergnot gerettet. Die Rotorblätter waren nicht einmal zwei Meter von der Wand entfernt, so Oschounig: „Wenn es jetzt zu steil gewesen wäre, würde man zum Beispiel ein Problem mit dem Hauptrotor bekommen, dann könnte man den Berg touchieren. Aber in diesem speziellen Fall hat es dann gut funktioniert.“

Gefahren verändern sich

Bei der Rettung dabei war auch Alpinpolizist Horst Wohlgemuth, der die Hohen Tauern sehr gut kennt. Bisher waren es die Altschneefelder in den Rinnen bis weit in den Sommer hinein, die zu queren waren und zu tödlichen Fallen wurden, so Wohlgemut: „Dieses Problem scheint jetzt im Sommer gelöst zu sein, weil die Erwärmung und der schneearme Winter dazu beitragen, dass diese Schneefelder nicht mehr vorhanden sind. Aber das Problem ist, dass die Gletscher immer mehr ausapern. Diese Schneeauflage, die früher auf den Gletschern war, die besteht nicht mehr. Es sind gefährliche Eisfelder geworden. Wenn ein blanker Gletscher eine gewisse Neigung hat, besteht die Gefahr, dass man ausrutscht und da muss man mit einem Seil dementsprechend sichern.“

Vermehrt Steinschläge

Das Auflösen des Permafrosts bringt auch mehr Steinschlag, an vielen Stellen wird ein Helm nötig. Vor Jahren war es noch einfach mit schneebedeckten weichen Eisflächen, die mit Trittsicherheit und Vorsicht gut zu begehen waren. Das wird nun zum hohen Risiko, die Schneeschicht ist verschwunden. Die Hitze vergrößert auch die Kluft zwischen Fels und Gletscher. Das Eis rinnt als Wasser davon. „Das Ausapern von Gletschern bewirkt, dass die Übergänge von Gletscher auf Fels immer steiler und oft unpassierbar werden“, so Wohlgemuth.

Wohlgemuth ist sowohl mit dem Polizeihubschrauber als auch zu Fuß als Alpinist in den Bergen unterwegs. Er weiß, schon ein paar Tage Hitze können das Gelände so verändern, dass es kaum noch begehbar ist, auch entlang von bekannten Steigen.