Es ist nicht mehr viel übrig vom einst mächtigen Gletscher. Jedes Jahr schrumpft die Pasterze, an Hitzetagen besonders schnell, so Anton Neureiter, Gletscherforscher der GeoSphere Austria: „Die Pasterzenzunge verliert an solchen Tagen bis zu 20 Zentimeter an Eis. Wenn man das aufsummiert, bekommt man natürlich eine wahnsinnige Menge an Schmelze. Also wir haben hier unten einen maximalen Betrag von bis zu zehn Metern Eisschmelze, die wir jedes Jahr haben.“
Der Gamsgrubenweg in Richtung Hufeisenbruch ist wohl eine symbolträchtige Stelle, die Verbindung zwischen Nährgebiet und der Gletscherzunge. Sie droht abzureißen und hängt nur noch am sprichwörtlichen seidenen Faden. „Die Zunge wird abreißen und der Gletscher wird sich in höhere Lagen, so auf 2.800 Meter, zurückziehen.“
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Immer mehr Seen bilden sich
Derzeit ist die Stelle am Hufeisenbruch nur noch etwa 120 Meter breit. Reißt der Gletscher ab, dann ist er abgeschnitten vom Nachschub. Das heißt, die Gletscherzunge ist dann Toteis und wird in den nächsten 20 Jahren komplett verschwunden sein. Schon jetzt haben sich Seen gebildet, der Sandersee und der Pasterzensee.
Um zu den Messstationen auf dem noch vorhandenen Gletscher zu kommen, müssen die Forscher nun neue Wege finden, so Neureiter: „Jetzt müssen wir durch fünf Gletscherbäche durch. Das heißt, entweder wir kneippen durch oder nehmen Gummistiefel mit, bevor wir richtigen Eiskontakt haben, wo wir unsere Steigeisen anziehen können, um die Messungen durchzuführen. Früher war es einfacher, wir sind sofort vom Weg aufs Eis gekommen.“
Abschied von der Pasterze
Die Hitze macht auch Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze, zu schaffen. Die Gletscherzunge droht abzureißen. Das könnte sogar noch in diesem Sommer passieren, befürchten Forscher. Sie bleibt dann als Toteis zurück und wird in wenigen Jahren verschwinden.
Neuer Wasserfall entstanden
Auch ein riesiger Wasserfall nahe dem Hufeisenbruch ist neu. Er hat sich erst im Juni, also vor wenigen Wochen, gebildet. Einen Namen hat er noch nicht.
Die Pasterze wird weiter zerbrechen, so Neureiter: „Man kann sagen, sie kollabiert. Auch in höheren Lagen Richtung Johannisberg kommen Felsinseln heraus. Das heißt, in den nächsten Jahren wird auch hier der Gletscher in drei Teile auseinanderreißen. Es ist keine Überraschung, was passiert. Das Überraschende ist die Geschwindigkeit.“
In den letzten Jahren habe es eine Geschwindigkeitserhöhung beim Masseverlust gegeben: „Wenn wir das Temperaturniveau von jetzt halten, also wir reden gar nicht davon, dass es wärmer wird, hätten die Gletscher trotzdem hier keine Chance. Sie würden sich weiter zurückziehen.“ Wann der Hufeisenbruch abbricht, können die Gletscherforscher nicht genau sagen. Vielleicht heuer, vielleicht auch erst nächstes Jahr. Dass er abbricht, ist aber unausweichlich.