Fast ein Viertel weniger Niederschlag verzeichnet der hydrographische Dienst heuer in Kärnten. An einzelnen Messstellen im Mölltal oder auch im Drautal beträgt das Niederschlagsdefizit sogar bis zu 45 Prozent. Der fehlende Regen setzt zunehmend die Bäume unter Stress.
„Es ist der überwiegende Teil von Kärnten von diesem Niederschlags-Defizit betroffen“, sagte Landesforstdirektor Christian Matitz am Montagabend als Livegast im Kärnten Heute Studio. „Dabei sollte der Wald eigentlich ein Teil Lösung sein, was den Klimawandel betrifft. Man merkt es ja, wenn man in einen Wald hineingeht, da sind schnell zehn Grad Unterschied im Vergleich zum Freiland“, so Matitz. Auch in den Städten würden Bäume als Schattenspender sehr wertvoll sein.
Viele Bäume und Pflanzen am Scheideweg
Bei einem ORF-Lokalaugenschein in Kühnsdorf sieht man allerdings, dass einzelne Setzlinge schon regelrecht vertrocknet sind. „Die Pflanzen kümmern vor sich hin. Sie sind am Scheideweg, ob sie überleben oder nicht. Das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Wenn nicht bald eine größere Regenmenge kommt, werden wohl noch viele Pflanzen verenden, die wir im Frühjahr eingesetzt haben“, befürchtet Bezirksforstinspektor Marian Tomažej.
Die Waldbrandgefahr steigt
Die Waldbrandgefahr steigt und Bäume sterben bereits ab. Feuerwehren und Forstexperten präsentieren jetzt neue Strategien gegen die Hitze.
Neue Zeiten für das Einpflanzen
Die zunehmenden Trockenperioden und die Hitzewellen verlangen ein Umdenken, so der Forstexperte. Künftig will man Jungbäume nur noch im Herbst pflanzen. Tomažej: „Das heißt, die Risikozeit des Frühjahrs ist nicht mehr zu empfehlen, da hier bereits unmittelbar der Sommer eintritt – ohne Übergangszeit.“
Umdenken bei den Einsatzorganisationen
Auch die Feuerwehren rüsten auf. Alleine der Waldbrand im Lesachtal habe aufgezeigt, wie schnell es gehen kann, wenn der Waldboden zu trocken ist. „Es wird jetzt laufend alles evaluiert. Es gibt neue Strategien und es werden neue zusätzliche Gerätschaften, angekauft und auf Stützpunkte verteilt“ sagt Paul Kowatsch von der Feuerwehr Edling. Er ist gleichzeitig auch Flughelfer beim Bezirksfeuerwehrkommando.
Nur ein mehrtägiger Landregen würde Entspannung für den heimischen Wald bringen.
Holzindustrie: Entwicklung neuer Bewirtschaftungsmethoden
Die aktuelle Trockenheit habe keine unmittelbare Auswirkung auf die Sägeindustrie, so Fachgruppenobmann der Holzindustrie in der Kärntner Wirtschaftskammer Johann Offner. Die Versorgungslage sei saisonüblich als gut einzustufen. Fakt sei aber, dass die Wasserspeicher unserer Wälder unter extremen Trockenphasen leiden und Baumschädlinge dadurch günstige Lebensbedingungen vorfinden, so Offner: „Große Schadereignisse sind nie gut – weder für die Sägeindustrie noch für den Waldbesitzer.“
„Das Klima verändert sich. Die Menge und Intensität der Niederschläge verändern sich. Unsere Forstwirte spüren dies tagtäglich. Die österreichischen Wälder sind seit Generationen nachhaltig bewirtschaftet und sehr gut gepflegt. Wichtig ist, dass aus den Ereignissen und Erfahrungen der letzten Jahre und Jahrzehnte die richtigen Schlüsse gezogen werden. Gemeinsam mit Forschungseinrichtungen entwickeln Forstexperten neue innovative Bewirtschaftungsmethoden, die klimaresistente Wälder für die kommenden Generationen schaffen“, so Offner. Daher sehe man mit Zuversicht in die Zukunft.