Nur Bernhard Eisel war öfter bei der größten Rundfahrt der Welt dabei. Haller gehört längst zum Kreis jener Profis, die den Mythos Tour de France aus nächster Nähe erlebt haben.

Die diesjährige Ausgabe wird dem Völkermarkter aber vor allem wegen eines Schreckmoments in Erinnerung bleiben. Auf der 19. Etappe stürzte Haller schwer, prallte gegen einen Betonpfeiler, konnte das Rennen aber aus eigener Kraft fortsetzen: „Ich habe mich mit meinem Vorderrad am Hinterrad vom Kollegen vorne aufgehängt, wie man so schön im Fachjargon sagt, und dann war ich nur noch Passagier. Ich bin in einen von diesen Betonpfeilern rein, die die Straße in dem Bereich eben schmäler gemacht haben, aber Gott sei Dank waren sie mit Matten gut geschützt, weil das hätte sonst schon wilder ausgehen können“, so Haller.

„Ohne Leidenschaft geht gar nichts“

Trotz dieses Schreckmoments brachte Haller seine elfte Tour de France ins Ziel – mehr dazu in Tour de France: Pogacar veredelt Gelb mit Spektakel in Paris (sport.ORF.at; 26.7.2026). Nach drei intensiven Wochen in Frankreich ist der 35-Jährige mittlerweile wieder zurück in seiner neuen Heimat Völkermarkt. Ans Aufhören denkt er aber nicht, der Radsport ist für ihn weiterhin Leidenschaft und Beruf zugleich: „Ohne Leidenschaft und Emotionen geht sicher gar nichts, weil es ist schon ein sehr harter und ein sehr fordernder Job, und da muss man natürlich dranbleiben. Aber ich merke es natürlich, die meisten Jahre sind hinter mir, es wird immer härter, das Training wird immer schwerer, aber ich kämpfe weiter.“

Im Tudor Pro Cycling Team hat Haller mittlerweile eine wichtige Rolle als erfahrener Helfer. Er bringt seine Kapitäne in die richtige Position, unterstützt die Mannschaft und gibt seine Erfahrung aus mehr als einem Jahrzehnt im Profiradsport weiter: „Das große Rampenlicht ist denen vorbehalten, die die Ziellinie als Erster überqueren, die die Rennen gewinnen und die Weltmeister werden. Zu denen gehöre ich nicht, aber ich glaube, es war für mich von Anfang an wichtig, meine Rolle, meine Nische im Sport zu finden, um mich möglichst lange auf höchstem Niveau zu halten. Und ich glaube, da habe ich Vieles richtig gemacht und bereue eigentlich nichts.“

Haller hat noch viel vor

Trotz seiner langen Karriere und seines Alters mit 35 Jahren hat Haller noch nicht genug. Der Kärntner hat weiterhin klare Ziele vor Augen: „Die großen Rennen, die mir extrem wichtig geworden sind über die Jahre, sind die Klassiker. Paris – Roubaix allen voran. Das ist ein Rennen, wo ich gerne noch einmal versuchen würde, vorne reinzufahren, wenn es irgendwie geht. Aber es bleibt zu sagen: Die Tour de France ist einfach die Tour de France. Radsport wird nicht größer. Also das wäre wahrscheinlich das Traumszenario.“

Ob noch eine weitere Tour-de-France-Teilnahme folgen wird, wird sich zeigen. Fix ist aber, dem Radsport möchte Haller auch in Zukunft verbunden bleiben, in welcher Rolle auch immer.