Die Buchungslage für den Tourismus hat sich aufgrund des schönen Wetters positiv entwickelt, mit vielen kurzfristigen Anfragen und einer guten Vorausbuchungslage, sagt Georg Overs Geschäftsführer Region Villach Tourismus GmbH: „Jetzt ist wirklich jedes Bett gefragt und die Buchungslage zeichnet sich aufgrund des guten Wetterberichts auch für die nächsten Wochen noch sehr gut ab.“

Die extreme Hitze spiele für den Tourismus eine Rolle, da Gäste aus heißeren Regionen das vergleichsweise kühlere Wetter und die Kombination aus kühlen Nächten, Seen und Bergen besonders schätzen.

Zwischenbilanz Tourismussaison

Kärntens Touristiker sind mit dem bisherigen Verlauf der Sommersaison zufrieden. Nach einem starken Juni und einer schwächelnden ersten Juli-Hälfte zogen die Buchungen wieder stark an. Die Gäste buchen immer kurzfristiger und bleiben auch weniger lang. Viele kommen dafür mehrmals im Jahr. Die derzeitige Hitze ist für den Tourismus kein Nachteil.

Einige Gäste würden kühlere Temperaturen bevorzugen, aber im Vergleich zu Regen oder der Hitze zu Hause begrüßen sie das gegenwärtige Wetter. „Der eine oder andere sagt, zwei Grad kühler wären Recht. Aber was wäre die Alternative? Die ist ja meistens Regen oder daheim zu bleiben und bei 28, 29, 30 Grad in der Wohnung zu schwitzen.“

Auf die Gäste-Mischung kommt es an

Laut Overs würden vorwiegend internationale Gäste langfristig buchen. Urlauber aus dem Osten, wie etwa Tschechien und Polen, hätten Kärnten als Destination wiederentdeckt. Die Wirtschaft dort laufe auch besser. Es komme auf die richtige Gästemischung an. Zwar gelte es, neue Märkte zu erschließen, aber auch die traditionellen Märkte wie Deutschland oder Österreich dürften nicht vernachlässigt werden. Sollte es in den nächsten Wochen ein paar Regentage geben, könne dies verschmerzt werden, meint Overs. Frühzeitige Buchungen gebe es bereits für die Harley-Woche.

Wachsende Touristenzahlen aus Polen und Tschechien

Klaus Ehrenbrandtner, Chef der Kärnten Werbung, sprach am Mittwochabend im „Kärnten heute“-Interview von einem „guten Sommer“. Das erste Halbjahr sei insgesamt positiv verlaufen: „Wir haben sechs Prozent plus bei den Ankünften, vier Prozent bei den Nächtigungen und auch die Aussichten auf die kommenden Wochen sind positiv.“

Österreich und Deutschland stellen nach wie vor die wichtigsten Märkte für Kärnten dar, so Ehrenbrandtner: „Wir haben aus Deutschland im Mai und im Juni ein Plus.“ Nach dem Ferienstart in Bayern und Baden-Württemberg Ende Juli beziehungsweise Anfang August sei ein weiterer Schwung aus diesen Teilen Deutschlands zu erwarten. „Die größten Zuwächse haben wir aus Polen, aus Tschechien und aus den Benelux-Ländern.“

Studiogespräch: Tourismusreform für mehr Gäste?

Studiogespräch mit Klaus Ehrenbrandtner, Chef der Kärnten Werbung

Sommergäste sollen auch Wintergäste werden

Kurzfristige Stornierungen könne man laut Ehrenbrandtner nicht vermeiden. Mittlerweile würde gut ein Drittel der Gäste im Sommer eine Reise erst einen Monat oder kürzer vor Reiseantritt buchen. „Darauf müssen wir uns einstellen. Das ist für die Betriebe eine Herausforderung. Das ist so, aber das werden wir nicht umkehren können.“

Kärnten sei für viele das Haupturlaubsland, die Aufenthaltsdauer im Sommer liege bei durchschnittlich vier Nächten, wobei diese zurückgehe. Das liege daran, dass die Menschen immer mehr Urlaubsreisen pro Jahr unternehmen. Ziel sei es, Sommergäste auch zu Wintergästen zu machen und die Touristen zu animieren, öfter im Jahr nach Kärnten zu kommen, sagt der Touristiker.

Zentrale Vermarktung soll Vorteile bringen

Die Tourismusreform sieht vor, die 125 Verbände zu neun zusammenzufassen. Die Vermarktung der einzelnen Angebote soll künftig zur Kärnten Werbung wandern, wie es schon vor Jahrzehnten der Fall war. Ehrenbrandtner verspricht sich dadurch eine Effizienzsteigerung, wenn alles zentral aus einer Hand komme. Es gehe darum, das Angebot auf möglichst vielen Vertriebskanälen sicht- und buchbar zu machen. Es gebe bereits eine Reihe an Kooperationen mit Reiseveranstaltern und Online-Plattformen. „Es war viele Jahre so, dass die Orts- und Nächtigungstaxe nicht indexiert war. Das heißt, dass wir über Jahre einen Höchstsatz von 2,70 Euro hatten. Das ist jetzt quasi auf 4,50 Euro einheitlich angepasst und auch indexiert worden, sodass man auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein kann“, so der Chef der Kärnten Werbung.

Kärnten will als Radland punkten

43 Prozent der Sommergäste würden in Kärnten das Radangebot nutzen. Damit liege das südlichste Bundesland über dem Bundesschnitt. Es gebe laut Ehrenbrandtner aber noch Aufholpotenzial. Die Tourismusreform soll mehr Mittel für die Infrastruktur ermöglichen, auch in die Mobilität soll weiter investiert werden. Schon jetzt trage die Koralmbahn wesentlich dazu bei, den Ansprüchen der Kärnten-Urlauber gerecht zu werden.