Rund um die Uhr sind die Tierpfleger im TIKO in Klagenfurt derzeit gefordert. Neben der alltäglichen Arbeit halten vor allem zahlreiche Wildtiere die Mitarbeiter auf Trab. Vor allem junge Amseln, Spatzen, Elstern, Tauben und Krähen werden immer wieder dort abgegeben, gefolgt von Igeln, Eichhörnchen und Fledermäusen.
Der Arbeitsaufwand sei groß, sagte Anna Offner, Präsidentin des TIKO. Hinzu kämen beinahe tägliche Anrufe von besorgten Tierschützern, die Wildtiere vermeintlich in Not sehen. Hier müsse viel Aufklärung betrieben werden, sagte Offner: „Wenn man jetzt also glaubt, man sieht ein alleingelassenes Vögelchen oder ein Wildtier, sollte man einmal zurückgehen, eine Distanz einnehmen und die Situation einfach beobachten. Die Mutter wird nicht herkommen, wenn man so nah am Jungvogel steht. Gewisse Tiere darf man auch gar nicht angreifen. Wenn man ein Rehkitz angreift, dann wird das von der Mutter verstoßen.“
Viele Wildtierrettungen belasten Tierheime
Immer mehr Wildtiere werden in Tierheimen und Tierarztpraxen abgegeben. Allein im Tierschutzkompetenzzentrum Klagenfurt waren es im Vorjahr 410 Tiere. Wegen des hohen Betreuungs- und Kostenaufwands musste zuletzt ein Aufnahmestopp verhängt werden. Auch Tierärzte behandeln zunehmend Wildtiere und bleiben laut Tierärztekammer oft auf den Kosten sitzen
Nicht jedes Tier braucht hilfe
Die Menschen müssten lernen, wann ein Tier in Not ist und wann nicht, so Offner: " Wenn es zum Beispiel in einen Schacht fällt. Dann braucht es Hilfe, wenn es sich von selbst nicht mehr befreien kann." Infoblätter, die gemeinsam mit der Jägerschaft erarbeitet wurden, sollen zur Bewusstseinsbildung beitragen.
Was viele auch nicht wissen, nicht jeder darf Wildtiere pflegen. In der Vogelhilfe Kärnten in Villach ist man behördlich dazu befähigt. Die Einrichtung gibt es erst seit Jahresanfang, sie lebt ausschließlich von privaten Spenden. 268 Tiere wurden heuer schon betreut. Aktuell sind es 27. Neue werden derzeit keine aufgenommen, sagte Leiterin Birgit Franc: „Die Leute rufen um 6.00 Uhr in der Früh an, die Leute rufen um halb 11.00 Uhr am Abend an. Die Nachfrage ist extrem hoch, von ganz Kärnten. Es gibt einfach zu wenige Pflegestellen.“
Tierärzte bleiben auf Kosten sitzen
Verschärft wurde die Situation durch den Tod von Dietmar Streitmaier, der in Steuerberg eine Wildstation betrieben hat und durch öffentliche Gelder unterstützt wurde. Diese fehlt nun, hieß es. Das bekommen auch Tierärzte vermehrt zu spüren, die in den Praxen immer öfter Wildtiere behandeln und dabei meist auf den Kosten sitzen bleiben, sagte Tierärztekammerpräsident Franz Schantl: „Das sollte auch vom Land anders gesehen werden. Das Land Vorarlberg hat seit ein paar Monaten eine eigene Wildtierpflegestation. Also ich sehe nicht ein, warum Kärnten das nicht auch machen und schaffen könnte und da im Tierschutz eigentlich hinten nach hinkt.“
Beim Land sehen sich weder Tierschutz- noch Jagdreferat dafür zuständig. Naturschutzreferentin Marika Lagger-Pöllinger (SPÖ) sagte: „Man muss auch die Gesetzesgrundlage beachten und es gibt keinen gesetzlichen Auftrag, Wildtiere zu pflegen oder Wildtierstationen zu errichten. Der Naturschutz, also mein Aufgabenbereich, regelt den Schutz der Arten.“ Dem werde Vorrang gegeben. Zumindest in naher Zukunft soll es aber zu dem Thema einen runden Tisch mit allen Beteiligten geben, wurde zuletzt aus dem Büro von Landeshauptmann Daniel Fellner von der SPÖ zugesichert.