Lisa Cijan verkauft Luxus aus zweiter Hand in Klagenfurt. Sie bietet Designerkleidung und -taschen auch über das Internet an. Bisher schickte sie die Ware auch nach Deutschland und Slowenien, doch jetzt schauen die Kunden dort durch die Finger und ihr bricht dieser Umsatz weg.
„Das Problem ist, dass wir im Moment durch diese neue EU-Verordnung den Versand ins EU-Ausland gestoppt haben. Wir haben den Onlineshop gerade fürs EU-Ausland gesperrt und verkaufen nur innerhalb Österreichs. Im Moment wissen wir noch nicht, welche Sanktionen diese Verordnung nach sich zieht“, so Cijan.
Verpackungsabgabe verunsichert kleine Händler
Seit 12. August gilt die neue EU-Verpackungsverordnung. Bei den Händlern stößt sie auf wenig Zustimmung, sie sehen nur mehr Bürokratie und mehr Kosten. Immer mehr kleinere Händler stellen den Versand in andere EU-Länder ein. Basis der Verpackungsverordnung ist der Wunsch der EU, Müllberge zu reduzieren.
Gebühr für jedes Land zu zahlen
Auch für einen Stoffwindelversand in Klagenfurt wird jedes Paket zur Bürokratie: Für jede einzelne Sendung muss in jedem EU-Land eine Entsorgungsgebühr bezahlt werden. Dafür muss sich die Firma in jedem EU-Land registrieren und einen Bevollmächtigten nennen. Da fallen schnell ein paar hundert Euro pro Land und Jahr zusätzlich an, so Unternehmerin Andrea Zlender-Zaufl.
„Sie gehen her und sagen, du musst dir in jedem Land jemanden suchen, anstatt zu sagen, es gibt einen Bevollmächtigen für ganz Europa – das wäre das Leichteste. Ich sehe es ja bei anderen kleinen Händlern, vor allem auf Instagram, dass nach der Reihe gepostet wird, wir versenden nur noch in unserem eigenen Land, wir können es nicht leisten. Die Großen können es sich eh leisten.“
Österreich hebt zusätzlich Paketabgabe ein
Die EU will so erreichen, dass weniger Müll anfällt und mehr Verpackung als bisher wiederverwertet wird. Umweltorganisationen wie Greenpeace begrüßen das, die Unternehmer hingegen protestieren. Sie warnen auch vor Nachteilen für die Kunden, denn zusätzlich ist ab Oktober in Österreich die Paketabgabe zu bezahlen. Markus Miklautsch ist der Sprecher des Versandhandels: „Diese ganzen Abläufe gehen erneut zulasten des Kunden. Im Endeffekt wird es im Oktober so ausschauen, dass die Privatkunden sicher über sieben Euro oder mehr an Mehrkosten haben, wenn sie Produkte auf Plattformen bestellen.“ Und das pro Paket.
Miklautsch sagte, nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern stoppen kleine Händler ihren Onlineverkauf außerhalb des eigenen Landes. Man habe durch den Onlinehandel neue Kunden gewonnen, die fallen jetzt weg. „Für unseren Betrieb wäre das ein Umsatzverlust von 95 Prozent, weil wir ein hohes Exportvolumen in andere Länder haben, zum Beispiel nach Deutschland. Wir müssten im Oktober eigentlich zusperren.“ Er betonte aber, dass sein Betrieb vorbereitet sei.
Es wird wieder weiter verhandelt
Das Ziel der Verpackungsverordnung sei sehr gut, so Miklautsch, es gehe um Müllvermeidung und Importe von Drittstaaten wie China zu reduzieren. Denn auch eine Firma in China müsse die Abgabe zahlen, wenn sie in die EU liefere. Aber nun sage die EU, man habe den Beschluss so nicht gemeint und verhandelt wieder weiter. Für kleine Unternehmen könnte es nämlich doch noch Ausnahmen geben. Das kann aber dauern und für manche vielleicht zu spät sein. Die EU-Kommission schlug diese Ausnahme bereits vor, der Ball liegt bei den Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament.