Die Gordie-Howe-Brücke, benannt nach einem legendären kanadischen Eishockeyspieler bei den Detroit Red Wings, verbindet die Städte Detroit im US-Bundesstaat Michigan und Windsor in der kanadischen Provinz Ontario.
Das Gezerre um ihren Eröffnungstermin spiegelt die langwierigen Streitereien zwischen Washington und Ottawa wider: Ursprünglich hätte die Brücke schon im Juni eröffnet werden sollen, dann einigte man sich auf eine Zeremonie am Montag.
Doch „angesichts der von den USA Anfang dieser Woche angedrohten Handelsmaßnahmen wäre es unangemessen, eine feierliche Veranstaltung zwischen den beiden Ländern abzuhalten“, erklärte der kanadische Bau- und Infrastrukturminister Gregor Robertson. Nun wurde „dieser Meilenstein unter Kanadierinnen und Kanadiern gefeiert“, bei einer eigenen Zeremonie am Freitag. Ontarios Premier Doug Ford sagte bei der Feier, die Brücke zeige, was möglich sei, „wenn zwei großartige Länder zusammenarbeiten“.
Zollstreit neu aufgeflammt
Trump hatte zuvor gedroht, die Brücke nicht freizugeben. Das begründete er unter anderem mit Kanadas „feindschaftlicher“ Zollpolitik. Zur Vergeltung kündigte er diese Woche neue eigene Zölle von 50 Prozent auf mehr als 500 kanadische Waren an. Der bisher gültige Handelsdeal mit Kanada und Mexiko wird nicht fortgeführt.
Nach der Eröffnung der Brücke schrieb Trump in seinem sozialen Netzwerk Truth Social, Kanada habe die USA von den Feierlichkeiten ausgeladen. „Das ist in Ordnung, wenn man bedenkt, dass Kanada erhebliche Zölle an die Vereinigten Staaten zahlt.“
Dabei hatte es kürzlich noch nach Entspannung ausgesehen. Schon vor über 20 Jahren hatten das Weiße Haus und die kanadische Regierung eine gemeinsame Willenserklärung zum Bau einer neuen grenzüberschreitenden Brücke verabschiedet. Die Kosten von 4,7 Milliarden Dollar (4,1 Mrd. Euro) wurden von Kanada allein finanziert. Die Mauteinnahmen sollten das Geld über 30 Jahre hinweg wieder hereinspielen.
Das wollte Trump aber nicht mehr akzeptieren und forderte Kanada zu neuen Verhandlungen auf. Hinter verschlossenen Türen rang man sich zu einer neuen Einigung durch, deren Details aber nicht publik wurden. Am Freitag schrieb Trump nun, dass die USA die Hälfte des Gewinns bekommen würden.
US-Handelsminister Howard Lutnick aber ließ wissen, die USA könnten nun 50 Prozent der Mautgebühren einnehmen und hätten Mitsprache bei Mauterhöhungen. „Das ursprüngliche Abkommen war für mich inakzeptabel“, so Trump auf seiner Plattform Truth Social. „Das neue Abkommen ist großartig und fair.“
Kanada bleibt bei alter Regelung
Einige Details ließ man in Washington allerdings ungesagt, wenn man Kanadas Premier Mark Carney glauben will. Laut seinen Aussagen würden die Mautgebühren erst nach vollständiger Rückzahlung der Baukosten aufgeteilt. Bis dahin seien die Einnahmen zu gering, um sie zu teilen.
„Wir gehen davon aus, dass die Nettoeinnahmen nach Abzug dieser Kosten in den ersten Jahren gering ausfallen werden“, sagte Carney kürzlich. „Tatsächlich erwarten wir sogar negative Einnahmen, da der Verkehr erst allmählich zunimmt. In den ersten Jahren also eher geringe bis negative Einnahmen.“
Bisherige Verbindungen chronisch überlastet
Die Gordie-Howe-Brücke ist nicht die einzige Verbindung zwischen den USA und Kanada in der Region. Züge queren unterirdisch den Detroit River, der die Landesgrenze darstellt, durch den Michigan Central Railway Tunnel. Der Straßenverkehr führt durch den Detroit-Windsor-Tunnel und über die Ambassador Bridge.
Gerade diese Brücke ist aber seit Jahren schwer überlastet, die regelmäßigen Staus sorgen oftmals für Frustration bei den internationalen Transporten. Viele Lkw-Fahrer nehmen gar einen Umweg von einer Stunde in Kauf, um anders über den Fluss zu gelangen.
Reicher Projektgegner als Großspender
Die Ambassador-Brücke war seit ihrer Errichtung vor 93 Jahren die wichtigste Straßenverbindung zwischen den USA und Kanada. Seit 1979 gehört sie der Milliardärsfamilie Moroun. Das aktuelle Familienoberhaupt Matthew Moroun hatte sich stets als entschiedener Gegner der Pläne für eine neue Brücke hervorgetan, da er durch die Gordie-Howe-Brücke um seine privaten Mauteinnahmen fürchtete. Bisher nutzten jährlich bis zu drei Millionen Lkws die Ambassador Bridge, Moroun soll dabei bis zu 100 Dollar pro Lkw kassieren.
In der Sorge vor Einbußen spendete Moroun im Jänner eine Million Dollar an ein politisches Aktionskomitee (PAC) Trumps, einen Monat später wurde ihm ein Treffen bei Minister Lutnick gewährt. Kurz darauf stieß Trump erstmals seine Drohung aus, die Brücke nicht eröffnen zu wollen.
Die Vorgänge sorgten für laute Kritik der oppositionellen Demokraten, die der Trump-Regierung politische Gefälligkeiten vorwerfen. In einem Brief an Moroun beschuldigten ihn Kongressabgeordnete zudem, das neue Brückenprojekt zu torpedieren. „Es scheint, als hätten Sie Ihren Einfluss als Spender von Präsident Donald Trump genutzt, um den amerikanischen Handel zu gefährden und die Gewinne Ihres Unternehmens zu schützen“, lautete das Schreiben vom Februar, das der „Guardian“ zitierte.
Zustimmung zu Carneys Kurs
Trumps Verhältnis zu Kanada hatte sich in seiner zweiten Amtszeit zunehmend verschlechtert. Mehrmals drohte Trump mit einer Annexion Kanadas als „51. US-Bundesstaat“, was auf der anderen Seite der Grenze für Empörung und zu Boykotts führte. Die aggressive Rhetorik aus Washington war einer der Gründe für Carneys Wahlsieg voriges Jahr. Er hatte versprochen, Kanada unabhängiger von den USA zu machen.
Die kanadische Bevölkerung scheint Carneys Linie zu unterstützen, schrieb die „New York Times“ am Mittwoch. Das zeigten anhaltend hohe Zustimmungswerte sowie durchsetzungsstarke Boykottaufrufe gegen US-Waren und Reisen in die USA. Die Stimmung habe sich geändert, die Kanadier hätten nun weniger Angst wegen der Zölle, seien dafür aber der Überzeugung, Trumps problematisches Verhalten dürfe nicht belohnt werden.