Guterres will bei seinem Besuch Gespräche mit den griechisch-zyprischen und türkisch-zyprischen politischen Vertretern führen und ausloten, inwieweit die seit dem Scheitern der Verhandlungen 2017 stagnierenden Bemühungen zur Überwindung der Teilung der EU-Inselrepublik wieder in Gang gebracht werden können.
Hintergrund der Teilung der Insel ist ein mittlerweile über 50 Jahre andauernder Konflikt zwischen der Republik Zypern, deren Bevölkerung griechisch ist, und der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern, die ihren Ursprung in einer türkischen Militärintervention 1974 hat. In dieser haben türkische Streitkräfte weite Teile der bis dato größtenteils griechischen Insel erobert. Dem vorausgegangen war ein gescheiterter griechischer Putschversuch, der die Vereinigung Zyperns mit Griechenland als Ziel hatte.
Mehrheitlich griechische Bevölkerung
Seitdem ist das Land politisch zweigeteilt und von ständigen Konflikten geprägt. Die griechische Bevölkerung im Süden des Landes fordert eine Wiedervereinigung der Insel. Sie stellt die klare Mehrheit in dem Land.
Die türkische Bevölkerung im Norden pocht, unterstützt vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, auf eine Zweistaatenlösung. Die gesamte Insel ist seit 2004 Mitglied der EU. Das EU-Recht und Regelwerk gilt jedoch nur im Süden der drittgrößten Mittelmeer-Insel. Das Land hatte auch am 1. Jänner 2026 für sechs Monate den EU-Vorsitz übernommen.
UNO-Friedenstruppe kontrolliert Pufferzone
Eine von Friedenstruppen der UNO kontrollierte Pufferzone liegt zwischen der griechisch besetzten Republik Zypern und dem türkisch besetzten Norden der Insel. Ziel der UNO-Truppen ist es, Stabilität auf der von politischen Konflikten geprägten Insel zu sichern und Zusammenstöße zu verhindern. Ein Betreten der Pufferzone ist beiden Seiten untersagt.
Norden unterzeichnet Absichtserklärung mit Türkei
Unterdessen unterzeichneten die Türkei und der nur von Ankara als Türkische Republik Nordzypern anerkannte Teil der Insel Anfang Juli eine Absichtserklärung zum Bau einer Unterwassererdgaspipeline. Türkische Regierungsvertreter hoffen, dass dieses Projekt die Energiesicherheit des Gebiets stärken wird. Die geplante Pipeline soll sich über eine Länge von 97 Kilometern unter dem Mittelmeer erstrecken und nach Angaben des türkischen Staatssenders TRT im Jahr 2028 in Betrieb genommen werden.
Die Türkei versorgt das Gebiet im Norden der Mittelmeer-Insel bereits über eine Unterwasserpipeline mit Wasser. Der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz unterzeichnete das Abkommen während eines Besuchs in dem Inselteil und bezeichnete das Projekt als „historische“ Initiative. Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar, der Yilmaz begleitete, teilte via X mit, die Türkei betrachte die Energiesicherheit Nordzyperns als „untrennbaren Teil“ ihrer eigenen.
Nikosia kritisiert Ankara
Die international anerkannte Regierung Zyperns in der Hauptstadt Nikosia verurteilte die Absichtserklärung aufs Schärfste. Die Absichtserklärung Ankaras „fügt sich in ihre anhaltenden Bestrebungen ein, die durch die Besatzung geschaffenen Fakten zu zementieren und die weitere Integration der besetzten Gebiete in die Türkei zu fördern“, hieß es in der Erklärung des zyprischen Außenministeriums weiter.
TRT berichtete, die Pipeline könne auch zum Transport von Erdgas in die Türkei genutzt werden, falls in Zukunft im östlichen Mittelmeer wirtschaftlich nutzbare Vorkommen entdeckt würden.
Abkommen über französische Truppen auf Insel
Zypern und Frankreich schlossen ebenfalls Anfang Juli ein Abkommen über die Möglichkeit zur Stationierung französischer Truppen auf der Insel. Die Vereinbarung unterzeichneten die französische Verteidigungsministerin Catherine Vautrin und ihr zypriotischer Kollege Vasilis Palmas. „Für uns ist Frankreich ein strategischer Partner“, sagte Palmas. Zypern sei ein wichtiger Standort für die Sicherheit der EU im östlichen Mittelmeer, erklärte Vautrin.
Das Treffen fand am Rande eines informellen Treffens der EU-Verteidigungsminister in Nikosia statt, berichtete der zypriotische öffentlich-rechtliche Rundfunk RIK weiter. Die Pläne für das Abkommen waren bereits im April während eines Besuchs des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Zypern angekündigt worden. Hintergrund sind verstärkte militärische Aktivitäten in der Region nach dem Einschlag einer iranischen Drohne auf Zypern im März.
Zypern ist unter den EU-Staaten das Land, das der Krisenregion im Nahen Osten am nächsten liegt. Die Insel im östlichen Mittelmeer liegt nur etwa 150 bis 250 Kilometer von Libanon und Israel entfernt.