In Frankreich wurden die Menschen von mehreren Campingplätzen und aus Feriendörfern gerettet. Freitagvormittag trafen Hunderte von ihnen per Boot auf dem Festland in Arcachon ein. Die Behörden ordneten zudem weitere Evakuierungen an. Damit die Rettungsaktionen mit Booten nicht behindert werden, verhängten die Behörden für das Becken von Arcachon ein Schifffahrtsverbot. Das berichtete die französische Tageszeitung „Ouest-France“.

Der besonders betroffene Ort Lege-Cap-Ferret zählt rund 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner, im Sommer kommen Tausende Touristinnen und Touristen hinzu. Dort seien bereits zahlreiche Häuser niedergebrannt, teilte die Feuerwehr mit. In der Nacht wurde zudem die Räumung mehrerer Dörfer in der Nähe angeordnet. Behördenangaben zufolge wurden bisher mindestens 27 Feuerwehrleute verletzt.

Innenminister: „Größtes Feuer der Saison“

Laut Innenminister Laurant Nunez sind insgesamt etwa 1.000 Feuerwehrleute in der Region im Einsatz. Unterstützt werden sie von 18 Löschflugzeugen und drei Löschhubschraubern, berichtete „Ouest-France“. Nunez bezeichnete den Brand als das „größte Feuer der Saison“. Bisher seien 80 Häuser durch Flammen beschädigt, 50 davon seien vollständig zerstört. Auslöser des Brandes war laut französischen Medien ein Mähfahrzeug.

23.000 Menschen in Landes fortgebracht

Auch südlich von Gironde, im Departement Landes, kämpfen etwa 700 Feuerwehrleute gegen anhaltende Brände. Dort wurden rund 23.000 Menschen in Sicherheit gebracht, darunter zahlreiche Urlauberinnen und Urlauber. Das Feuer zerstörte bereits rund 2.500 Hektar Fläche. Laut den Behörden in Landes wurden schon Dutzende Häuser zerstört.

Unterdessen kämpfen Feuerwehrleute im an Italien angrenzenden französischen Departement Hautes-Alpes gegen einen Brand in einem Naturschutzgebiet. Dort wurden mindestens 240 Hektar Land zerstört. Das in den Alpen liegende Gebiet ist teilweise schwer zugänglich, weshalb der Brand noch nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Auch im Departement Var östlich von Marseille waren Hunderte Feuerwehrleute wegen eines in der Nacht wiederaufgeflammten Brandes im Einsatz.

EU schickt Löschflugzeuge

Präsident Emmanuel Macron gab bekannt, dass er wegen der Brände die Europäische Union um Hilfe gebeten habe. Frankreich stehe „unter hoher Spannung“, so Macron. Es sei die „Auslösung des europäischen Zivilschutzmechanismus“ beantragt worden.

Für den Moment habe man drei Flugzeuge und zwei Helikopter der EU-Rettungsflotte geschickt, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Frankreich werde zudem mit Satellitenbildern des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus versorgt, um die Löscharbeiten zu unterstützen, sagte die Sprecherin.

Die Auslösung des EU-Zivilschutzmechanismus ist Voraussetzung für Hilfe der EU bei Waldbränden. Das Zivilschutzprogramm RescEU verfügt nach eigenen Angaben über 22 Löschflugzeuge und fünf Helikopter sowie einen Pool von 777 Feuerwehrleuten, die in den Regionen und Mitgliedsstaaten stationiert werden, die als besonders gefährdet eingeschätzt werden.

Bisher 12.500 Brände in diesem Jahr

Hohe Temperaturen, starker Wind und die Trockenheit der Vegetation nach drei Hitzewellen befördern die Ausbreitung der Flächenbrände. Die Gegend an der Atlantikküste ist von Pinienwäldern geprägt, die derzeit ausgetrocknet sind. Die Feuerwehr rechnete für Freitag mit erschwerten Bedingungen, da der Wind zunehme und die Richtung ändere.

Seit Beginn des Jahres wurden in Frankreich mehr als 12.500 Brände verzeichnet. Insgesamt brannten mehr als 44.000 Hektar ab. Damit wurde der bisherige Höchststand von 2022 übertroffen.

„Notstand nationaler Tragweite“ in Spanien

Auch in Spanien beschäftigen derzeit mehrere Brände Hunderte Feuerwehrleute. Die Behörden riefen deswegen den „Notstand von nationaler Tragweite“ für die Umgebung um die Hauptstadt Madrid und die Provinz Avila aus.

Das Innenministerium kündigte in der Nacht die Entsendung weiterer Kräfte zur Bekämpfung der Flammen an. Das operative Kommando übernahm eine militärische Kriseneinheit, die direkt der Regierung untersteht. Zudem ist mit der Ausrufung des Notstands mehr Geld zur Verfügung.

Laut einem Bericht des Senders RTVE ist es das erste Mal, dass wegen Bränden ein solcher Notstand erklärt wird. Wegen der Brände mussten inzwischen mehr als 11.500 Menschen ihre Häuser verlassen, davon allein 10.000 im Großraum Madrid. In der nordwestlich davon gelegenen Region Avila wurden etwa 1.500 Anrainerinnen und Anrainer in Sicherheit gebracht. In mehreren Gemeinden bedrohten die Flammen sogar das Zentrum.

Sanchez: Situation „dramatisch“

Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez bezeichnete die Situation als „dramatisch“. Von den Bränden seien nicht nur verschiedene spanische Provinzen betroffen, sondern auch Regionen der Nachbarländer, erklärte er am Freitag im Onlinedienst X. Die Regierung setze „alle verfügbaren“ Mittel ein.

Auch Spanien ersuchte die EU um Hilfe. Daraufhin kündigte die EU-Kommission die Entsendung von vier Canadair-Löschflugzeugen an. Wie Frankreich werde Spanien zudem mit dem EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus versorgt, um die Löscharbeiten zu erleichtern. Durch Waldbrände sind in Spanien in diesem Jahr schon fast 130.000 Hektar Land verbrannt.