Nach Unternehmensangaben sind neben der Varta AG als Konzernmuttergesellschaft mit Sitz im schwäbischen Ellwangen auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH von der Antragstellung betroffen. Die wichtigsten Gläubiger, darunter die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds, wollen nun das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien herauslösen und dafür eine neue Eigentümerstruktur schaffen. Tojner hat Interesse am Geschäft mit Mikrobatterien – etwa Knopfzellen für Hörgeräte – angemeldet.
Es ist nicht die erste Krise für den deutschen Batteriehersteller: Schon 2024 musste sich das Unternehmen im Rahmen eines Sanierungsverfahrens nach dem Restrukturierungsgesetz (StaRUG) neu aufstellen. Alte Aktionäre verloren dabei ihr Investment, Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen. Das Verfahren sollte eine Insolvenz verhindern, die finanzielle Basis stärken und dem Unternehmen Zeit verschaffen, das operative Geschäft neu auszurichten.
Vergeblicher Sanierungsversuch
Varta erklärte es im April des vergangenen Jahres für abgeschlossen, Porsche und Tojner wurden neue mittelbare Gesellschafter. Zwar wurde so kurzfristig eine Stabilisierung erreicht, die grundlegenden wirtschaftlichen Probleme konnten jedoch nicht gelöst werden. Die erhoffte Verbesserung der Geschäftsentwicklung blieb aus.
Apple sprang ab
Ein zentraler Auslöser der jüngsten Krise ist der Verlust des wichtigsten Kunden für wiederaufladbare Knopfzellen. Vartas Werk im bayerischen Nördlingen produzierte nahezu ausschließlich CoinPower-Zellen, die unter anderem in Apples kabellosen Kopfhörern eingesetzt wurden. Apple war als wichtigster Kunde für den Standort abgesprungen, ein chinesischer Produzent soll übernehmen. Neue Großkunden fehlten, die Produktion in Nördlingen soll eingestellt werden, rund 350 Stellen dort und am Konzernsitz in Ellwangen sind betroffen.
Eigentlich hat Varta nach Einschätzung von Branchenkennern weiterhin Potenzial. Das Unternehmen arbeitet unter anderem an Natrium-Ionen-Batterien, die als Zukunftstechnologie gelten. Daraus könnten große und nachhaltigere Energiespeicher in Europa entwickelt werden. Doch genau diese Zukunft kostet Geld. Nach Angaben der Gläubiger benötigt Varta kurzfristig einen Finanzbedarf im mittleren zweistelligen Millionenbereich, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Hinzu kommen hohe Investitionen für die kommenden Jahre.
Tojner will im Geschäft bleiben
Auch Sicht von Tojner war der Schritt der Gläubiger „leider“ voraussehbar. „Mit dem Wegfall des großen US-Kunden Apple war klar, dass die Varta in ihrer bestehenden Form nicht weitergeführt werden kann und einen weiteren Sanierungsschritt braucht“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“. Hohe Energiepreise und Lohnkosten und andere Standortnachteile machten die Entwicklung des Batteriegeschäftes in Europa im Vergleich zu Asien zu einer großen Herausforderung.
Er wolle versuchen, die verbleibenden Unternehmensteile in Nischenmärkten neu zu positionieren. „Das wird jedoch mit einem weiteren Sanierungsverfahren und harten Einschnitten verbunden sein“, so das Aufsichtsratsmitglied. Ziel sei es, das Batterie-Know-how in Europa zu erhalten.
Die Varta beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit rund 4.200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Mit fünf Produktions- und Fertigungsstätten in Europa und Asien sowie Vertriebszentren in Asien, Europa und den USA sind die Tochtergesellschaften in über 75 Ländern weltweit tätig. Für die Beschäftigten und die verbleibenden Unternehmensbereiche beginnt nun eine Phase großer Unsicherheit. Noch ist nicht geklärt, welche Sparten gemeinsam fortgeführt, verkauft oder geschlossen werden sollen.