Archäologische Stätten in Syrien sind während des Bürgerkrieges stärker geplündert und beschädigt worden als bisher bekannt. Das geht aus einer Untersuchung von Satellitenaufnahmen hervor, die von der Universität Dartmouth im US-amerikanischen Hanover veröffentlicht wurde. Als besonders beunruhigend bezeichneten die Autoren laut einem Bericht von Kathpress das Ausmaß von Plünderungen mit Hilfe schwerer Maschinen im Norden des Landes. Erhebliche Schuld trügen die türkischen Streitkräfte.

Nach der Stichprobenauswertung kam es in den letzten Kriegsjahren an 116 von 199 archäologischen Stätten zu Raubgrabungen traditionellen Stils; das entspricht 59 Prozent. Bei einer früheren Untersuchung zu mehr als 2.640 Orten über die Jahre 2011 bis 2016 hatten die Forscher eine Quote solcher Plünderungen, bei denen Personen nach Einzelfunden graben, von 13,4 Prozent ermittelt.

Als Grund für den Anstieg der illegalen Schatzsuche vermuten die Autoren das Abflauen militärischer Kampfhandlungen verbunden mit dem Zusammenbruch der Rechtsordnung und einer verzweifelten wirtschaftlichen Lage vieler Syrer.

Bulldozer eingesetzt

Als neues Phänomen beschreibt die Untersuchung den Einsatz von Bulldozern bei Plünderungen. Zwar sei schon früher über die Zerstörung bedeutender Stätten in türkisch besetzten Teilen Syriens zwischen 2019 und 2024 berichtet worden, doch habe man das Ausmaß bisher nicht erkannt.

Betroffen sei nahezu jede bedeutende archäologische Stätte in der Region, namentlich im Afrin-Tal und in den überwiegend kurdischen Gebieten um die Stadt Kobane. „Die türkischen Streitkräfte tragen eine große Verantwortung dafür, dass solche Zerstörungen während ihrer Besetzung dieser Regionen ermöglicht oder zugelassen wurden“, heißt es.

Antike Stätten als Stellungen genutzt

Abgesehen von Plünderungen sei die wohl schädlichste Entwicklung die militärische Nutzung historischer Stätten für Geschützstellungen, Bunker und Camps. Antike Städte und Befestigungsanlagen befänden sich typischerweise an strategisch wichtigen geografischen Orten. Des besseren Geländeüberblicks wegen hätten die Konfliktparteien im Syrien-Krieg teils auf antiken Ruinenhügeln Stellungen für Panzer und Artillerie eingerichtet und entsprechend planiert. Daraus resultierten „extreme Schäden“ für die Altertumswissenschaft.