Nach einer tödlichen Auseinandersetzung im Westjordanland haben israelische Soldaten gestern Dutzende Palästinenser festgenommen. Bei einer Schießerei am Vortag waren mindestens vier Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet worden.

Die Palästinenserbehörde im Westjordanland erklärte, die Schießerei sei von bewaffneten israelischen Siedlern provoziert worden, die das palästinensische Dorf Tal angreifen wollten. Das israelische Militär bezeichnete die beteiligten israelischen Zivilisten zunächst als Wanderer, räumte später jedoch ein, dass einige von ihnen bewaffnet waren. Beide Seiten hätten das Feuer eröffnet, bevor die Soldaten eingegriffen hätten.

Bürgermeister: 70 Festnahmen

Der Bürgermeister von Tal, Walid Sidan, sagte Reuters, etwa 70 Menschen aus dem Dorf seien festgenommen worden. „Die Hausdurchsuchungen gehen weiter, Armeepatrouillen fahren durch die Straßen.“ Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte als Reaktion ein „scharfes Vorgehen“ an.

Der Vorfall ereignete sich in der Zone A des Westjordanlandes, in der die Palästinenserbehörde die Verwaltungskontrolle hat und israelischen Zivilisten der Zutritt nach israelischem Recht untersagt ist.

Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg von 1967 besetzt. Hunderttausende israelische Siedler leben dort unter Millionen Palästinensern. Nahezu alle Länder und UNO-Gremien betrachten die Siedlungen als völkerrechtswidrig.

Ärzte ohne Grenzen: Klinik gestürmt

Ärzte ohne Grenzen kritisierte unterdessen das Vorgehen der israelischen Armee. Bewaffnete Soldaten hätten nach der Schießerei das Nablus Specialised Hospital gestürmt, so Ärzte ohne Grenzen in einer Aussendung.

Die gewaltsamen Vorfälle in Nablus stünden nicht für sich allein: „Sie sind Teil eines umfassenderen Musters israelischer Razzien, staatlich geförderter Siedlergewalt, der Unterbrechung lebenswichtiger Dienstleistungen und wachsenden Drucks auf die Zivilbevölkerung und das Gesundheitswesen.“