„Hier fließt das Blut von Bolsonaro“, sagte der 45-Jährige und schlug sich dabei auf den Arm. Am Parteitag warb auch Argentiniens rechtspopulistischer Präsident Javier Milei für Flavio Bolsonaro. „Ich glaube fest daran, dass niemand in der Lage ist wie er, mit dem Risiko Lula, das über Brasilien schwebt, fertig zu werden“, sagte der Staatschef des Nachbarlandes.
Außerdem wurde eine kurze Videobotschaft des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu gezeigt, in der dieser Bolsonaro seine Unterstützung versicherte. Zugleich hofft Bolsonaro auf weitere internationale Unterstützung, unter anderem von Mitgliedern der Regierung von US-Präsident Donald Trump – auch von diesem selbst.
Reihe von Herausforderungen
Doch ungeachtet der Schützenhilfe aus anderen Ländern steht Bolsonaro vor Herausforderungen, so sucht er weiterhin nach einem Vizepräsidentschaftskandidaten. Zudem genießt er nicht jene Unterstützung der politischen Mitte wie einst sein Vater. Nur wenige politische Schwergewichte nahmen an dem Parteitag teil – ein weiteres Zeichen für die Schwierigkeiten, ein Bündnis gegen Lula zu schmieden.
Auch seine Stiefmutter Michelle Bolsonaro, die unter evangelikalen Wählern großen Rückhalt genießt, gehörte zu den Abwesenden unter den rund 500 Anhängern, die ihm in Sao Paulo zujubelten. Die beiden hatten sich zuletzt öffentlich gegenseitig kritisiert. Michelle Bolsonaro meldete sich stattdessen per Videobotschaft zu Wort, in der sie den frisch gekürten Kandidaten nur ein einziges Mal erwähnte.
KI-Video von Jair Bolsonaro
Flavios Vater, Ex-Präsident Jair Bolsonaro, darf aufgrund seiner 27-jährigen Haftstrafe wegen eines Putschversuchs keine öffentlichen Reden halten. Deshalb wurde ein mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugtes Video gezeigt, das ihn simulierte. Flavio Bolsonaro verriet kaum etwas über seine Pläne, sollte er die Wahl gewinnen. Stattdessen würdigte er unter Tränen seinen Vater – und griff Präsident Lula scharf an.
Geld von inhaftiertem Banker
Viele der Probleme, mit denen Bolsonaro gegenwärtig zu kämpfen hat, sind selbst verschuldet. Die Unterstützung für ihn begann im Mai zu schwinden, nachdem er eingeräumt hatte, vom inhaftierten Banker Daniel Vorcaro mehrere Millionen Dollar für die Finanzierung eines Films über das Leben seines Vaters erbeten zu haben. Dieses Geständnis schockierte viele seiner Verbündeten.
Kurz darauf besuchte Bolsonaro das Weiße Haus und das US-Außenministerium in der Hoffnung auf öffentliche Unterstützung durch US-Präsident Trump. Inzwischen machen jedoch viele Wähler, Unternehmer und Politiker laut Umfragen ihn dafür verantwortlich, dass die US-Regierung seit Freitag neue Zölle von bis zu 37,5 Prozent auf brasilianische Exporte einhebt.
Attacken gegen Wahlsystem wiederholt
Vergangene Woche geriet Bolsonaro erneut in die Kritik, nachdem er widerlegte Behauptungen über die Zuverlässigkeit des elektronischen Wahlsystems Brasiliens wiederholt hatte – dieselben Behauptungen, die bereits 2023 dazu geführt hatten, dass sein Vater bis 2030 von Wahlen ausgeschlossen wurde. Unabhängig davon wurde Jair Bolsonaro später wegen seiner Rolle beim Putschversuch zu 27 Jahren Haft verurteilt.
Jair Bolsonaro wurde schuldig gesprochen, eine „kriminelle Organisation“ angeführt zu haben, um seine 2022 erlittene Wahlniederlage gegen Lula zu kippen. Anfang 2023 hatten Tausende Bolsonaro-Anhänger das Regierungsviertel in der Hauptstadt Brasilia gestürmt. Das Parlament, das oberste Gericht und der Präsidentenpalast wurden attackiert.
Die Szenen erinnerten an den Angriff von Anhängern des damals abgewählten US-Präsidenten Donald Trump auf das Kapitol in Washington zwei Jahre zuvor. Bolsonaro hatte Lulas Wahlsieg nicht explizit anerkannt und immer wieder von Wahlbetrug gesprochen. Im November des Vorjahres trat der 71-Jährige seine Haftstrafe an.
Lula vor Bestätigung auf Parteitag
Indessen wird die Arbeiterpartei (PT) von Präsident Lula dessen erneute Kandidatur Anfang August ebenfalls auf einem Parteitag in Sao Paulo offiziell bestätigen. Der mittlerweile 80-jährige Lula will sich bei der Wahl im Herbst um eine weitere Amtszeit an der Spitze des südamerikanischen Landes bewerben. Er hatte Amtsinhaber Jair Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl 2022 knapp besiegt.