Das Fluggerät sei am Sonntag über dem Schwarzen Meer durch einen rumänischen Kampfjet des Typs F-16 abgefangen worden, erklärte der interimistische Verteidigungsminister Radu Miruta auf Facebook. Der Abschuss sei fünf Minuten nach Eindringen der Drohne in den Luftraum des EU- und NATO-Mitgliedsstaates um 10.13 Uhr Ortszeit (9.13 MESZ) erfolgt.
Am Freitag hatte die rumänische Armee erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eine Drohne im Luftraum des eigenen Landes abgeschossen. Der Abschuss erfolgte nahe dem Dorf Padina gut 100 Kilometer von der Hauptstadt Bukarest entfernt. Am Samstag schoss die Armee im Donaudelta nahe der Grenze zur Ukraine eine weitere Drohne ab.
Drohne von Typ Schahed
Rumäniens Präsident Dan erklärte, gemäß einer Untersuchung handle es sich bei der am Freitag abgeschossenen Drohne um ein Modell des vom Iran entwickelten Typs Schahed, „das von der Russischen Föderation in ihrem Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt wird“. Die Ermittlungen zu den am Samstag und am Sonntag abgeschossenen Drohnen dauern an.
Dan: „Unzulässig und unerträglich“
„Der diplomatische Protest Rumäniens gegenüber der Russischen Föderation wird sich auf diese Ermittlungen stützen“, teilte Dan auf Facebook mit. „Es ist unzulässig und unerträglich, dass die Russische Föderation weiterhin den rumänischen Luftraum verletzt, der gleichzeitig NATO- und EU-Luftraum ist. Solche Aktionen sind inakzeptabel und wir behandeln sie gemeinsam mit unseren Verbündeten mit Ernsthaftigkeit“, schrieb Dan weiter.
Außenministerin Oana Toiu schrieb auf X, sie habe den russischen Botschafter „aufgrund wiederholter Verletzungen“ einbestellt. Der interimistische Verteidigungsminister Miruta stellte seinerseits klar, dass „diese Provokationen tunlichst ein Ende zu nehmen“ hätten, Rumänien werde sowohl seine Souveränität als auch seinen Luftraum zu verteidigen wissen.
Sowohl Russland als auch die Ukraine setzen im Krieg in großer Zahl Drohnen ein. Im Verlauf des seit fast viereinhalb Jahren andauernden Kriegs drangen wiederholt Drohnen in den rumänischen Luftraum ein. Einige davon stürzten ab, bis Freitag wurde jedoch keine abgeschossen.
Drohne in Wohnhaus gestürzt
Ende Mai war in Rumänien eine mit Sprengstoff beladene Drohne nahe Galati an der Grenze zur Ukraine in ein Wohnhaus gestürzt. Bukarest zufolge handelte es sich um eine russische Drohne. 2025 hatte das Parlament ein Gesetz verabschiedet, das es dem rumänischen Militär erlaubt, unbemannte Drohnen abzuschießen.
Innenpolitische Krise
Die Drohnenflüge finden vor dem Hintergrund einer schweren innenpolitischen Krise in Rumänien statt, nachdem eine Koalition der proeuropäischen Parteien zerbrochen war. Bei den jüngsten Parlamentswahlen hatten prorussische Parteien rund 40 Prozent der Stimmen erhalten und konnten nur durch einen lagerübergreifenden Schulterschluss von der Macht ferngehalten werden. Die Sozialdemokraten streben nun aber eine vom prorussischen Lager tolerierte Regierung an.