Frankreichs Innenminister Laurent Nunez sagte am Sonntag, die Lage vor den Toren von Bordeaux sei „sehr ungünstig“. Allein im Departement Gironde seien 42.000 Hektar Land verbrannt. 220.000 Menschen seien hier mittlerweile von einer Aufforderung, sich in Sicherheit zu bringen, betroffen, so Nunez.

In der Nacht auf Sonntag hatte die Präfektur die vorsorgliche Evakuierung weiterer Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux angeordnet. Rund 55.000 Menschen waren betroffen. Rund 140 Wohnhäuser wurden bereits zerstört. Gesundheitsministerin Stephanie Rist ließ 2,5 Millionen Atemschutzmasken gegen den Rauch, der Bordeaux erreicht, verteilen.

Eine Evakuierung des Großraums Bordeaux komme „nicht infrage“, weil sich das Feuer südlich davon befinde und nicht im Westen vorrücke, sagte der Bürgermeister der französischen Metropole, Thomas Cazenave, am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Bis zur Stadtgrenze seien es noch 25 bis 30 Kilometer. Die Hitzewelle werde sich intensivieren, das dürfte die Löscharbeiten wohl zusätzlich erschweren. Montagfrüh wurde die Lage zumindest als stabil eingeschätzt.

Streit über fehlende Löschflugzeuge

Wegen der gefährlichen Lage nahe Bordeaux berief Macron eine Krisensitzung des Kabinetts ein. Zuvor hatte der Präsident angekündigt, man werde alles wiederaufbauen, und seine Regierung werde so lange wie nötig da sein. Macron steht viel Kritik ins Haus. Nach einem verheerenden Großbrand bei Bordeaux im Jahr 2022 hatte er 16 neue Löschflugzeuge vom Typ Canadair vor Ende seiner Amtszeit versprochen.

Angesichts leerer Staatskassen wurden jedoch 2024 die Gelder für die Anschaffung gestrichen. Nun wird es bis 2033 vier Flugzeuge geben, zwei davon durch EU-Gelder, wie „Le Monde“ am Montag berichtete. Frankreich verfügt bereits über zwölf Canadair-Flugzeuge, von denen aber nur sieben einsatzfähig seien. Die Opposition warf Macron eine fatale Sparpolitik vor.

„Notstand von nationaler Tragweite“ in Spanien

Auch in Spanien wüten die Brände weiter. Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sanchez rief am Wochenende im Großraum Madrid und in Avila einen „Notstand von nationaler Tragweite“ aus. Laut dem öffentlich-rechtlichen Sender RTVE ist es das erste Mal in Spanien, dass das wegen Waldbränden geschieht. Sanchez stellte bei einem Besuch in der Region Avila am Sonntag „schwierige Stunden“ in Aussicht, sah gleichzeitig aber auch positive Entwicklungen im Kampf gegen die Flammen.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska warnte aber angesichts erster Fortschritte vor verfrühtem Optimismus. Allein das Feuer in der Provinz Avila sei der größte Waldbrand der jüngeren Geschichte Spaniens.

Er wurde nach ersten Erkenntnissen vermutlich durch landwirtschaftliche Arbeiten ausgelöst. Nach Medienberichten wurde dort ein Mann unter dem Vorwurf der fahrlässigen Brandstiftung festgenommen. Er soll trotz eines wegen der Hitzewelle geltenden Verbots schweres Gerät benutzt und dadurch das Feuer ausgelöst haben.

Wegen der beispiellosen Brände in der Umgebung der Hauptstadt sowie nahe Valencia im Osten des Landes mussten insgesamt 75.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Am Samstag war westlich von Valencia ein Mann bei einem anderen Waldbrand ums Leben gekommen.

Zumindest nahe Madrid zeichneten sich Montagfrüh erste Fortschritte ab, die ersten Bewohnerinnen und Bewohner sollen bald in ihre Häuser zurückkehren können. Die Rettungskräfte der Region Madrid rechneten im Laufe des Tages jedoch mit Windböen von bis zu 30 km/h, was die Löscharbeiten erschweren werde. Löschflugzeuge aus Italien und Portugal unterstützen die spanischen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung der Brände.

Verdacht auf Brandstiftung in Süditalien

Auch in Süditalien halten mehrere Waldbrände die Einsatzkräfte in Atem. Ein schwerer Waldbrand brach am Sonntag in der Gegend der Urlaubsorte Peschici und Vieste in der Adria-Region Apulien aus. Angefacht durch starken Südwind breiteten sich die Flammen rasch in Pinienwäldern aus und näherten sich den Stränden sowie touristischen Einrichtungen.

Rund 200 Badegäste wurden mit Booten der Küstenwache und Ausflugsschiffen über den Seeweg in Sicherheit gebracht. Insgesamt mussten mehr als 1.000 Menschen vor den Flammen fliehen. Laut den Behörden gibt es deutliche Hinweise auf Brandstiftung. Das Feuer sei an mehreren Stellen gleichzeitig gelegt worden.

Feuer in Nationalpark

Auch im benachbarten Molise wüteten mehrere Brände. Dort wurde die Adria-Bahnlinie zeitweise gesperrt, wodurch insbesondere im Bahnhof Termoli erhebliche Verkehrsbehinderungen entstanden. Campingplätze, Badeanlagen und ein Pflegeheim mussten vorsorglich geräumt werden. Urlauber mussten Campingplätze und Strandbäder verlassen.

Zudem wurden 21 Bewohner eines Pflegeheims in eine Kirche und benachbarte Gemeinderäume gebracht. Der Rauch führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Adriatische Staatsstraße (SS16) sowie die Bahnstrecke entlang der Adria-Küste wurden vorübergehend gesperrt.

Auf Sardinien musste wegen eines sich rasch ausbreitenden Feuers ein Altersheim evakuiert werden. Ein weiterer Waldbrand bedroht die Umgebung der Gemeinde Portoscuso im Südwesten Sardiniens. Die Flammen breiteten sich in Richtung eines Pinienwaldes und des Industriegebiets von Portovesme aus.

Im Pollino-Nationalpark in Kalabrien wütet zudem seit mehr als zwei Tagen ein Großbrand, wie die Feuerwehr berichtete. Das Feuer hat schwer zugängliches Berggelände mit dichter Vegetation und hohem Baumbestand erfasst. Nach Angaben von Anrainerinnen und Anrainern kommt es in der gesamten Bergregion bis in die benachbarte Basilikata bereits seit rund fünf Tagen immer wieder zu Bränden.

Fachleute: Klimawandel erhöht Waldbrandrisiko

Fachleuten zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und außergewöhnliche Hitze hatten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet und erschwerten die Löscharbeiten.