Die russischen Attacken gingen ebenfalls weiter. So griff die russische Armee zu Wochenbeginn nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums drei ukrainische Häfen an und richtete laut Eigendarstellung dort erhebliche Schäden an. In Odessa seien Verlade- und Lageranlagen für Treibstoff der ukrainischen Armee getroffen worden, teilte das Ministerium am Montag mit.
Zudem seien im Hafen von Tschornomorsk Treibstoff- und Schmiermitteltanks für die ukrainischen Streitkräfte getroffen worden. In Mykolajiw wurde ein Frachtschiff beschossen, das laut Russland militärische Ausrüstung transportierte.
Russland habe dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge seit der Nacht auf den 11. Juli ukrainische Häfen attackiert und laut eigenen Angaben Dutzende Wasserfahrzeuge sowie Hafeninfrastruktur getroffen. Die Angaben sind unabhängig nicht überprüfbar.
Ukraine beschoss iranisches Frachtschiff
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha nach dem tödlichen Angriff auf ein iranisches Frachtschiff seinen Teheraner Kollegen Abbas Araktschi angerufen und die Lage erklärt. Es sei das Ziel Kiews, eine unnötige Eskalation zu vermeiden, teilte Sybiha auf X mit. Er äußerte sich nach seinem Besuch mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj bei US-Präsident Donald Trump am Dienstag in Washington.
Der Ukraine gehe es bei ihren Angriffen nur darum, sich vor der russischen Aggression zu verteidigen. Der Minister räumte ein, dass die Ukraine im Kaspischen Meer ein ziviles Schiff angegriffen und dabei einen iranischen Staatsangehörigen getötet hatte. Sybiha forderte seinen Kollegen Araktschi auf, auf eskalierende Schritte zu verzichten und jede Unterstützung für den russischen Angriffskrieg einzustellen. „Dieser Krieg ist illegal und er muss enden“, sagte der Minister.
Araktschi hatte den Angriff am Samstag scharf verurteilt und mit Vergeltung gedroht. Er warf Selenskyj, der von dem Angriff berichtet hatte, einen Verstoß gegen das Völkerrecht vor und wandte sich dabei auch an die EU und Russland.
Situation erinnert an 2022
Dass Häfen bzw. Getreidelieferungen blockiert bzw. attackiert werden, ist im Angriffskrieg Russlands geben die Ukraine nichts Neues. Russland hatte nach seinem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 die Getreideexporte des Nachbarlandes blockiert. Die Blockade und Sanktionen gegen Russland führten zu starken Preisanstiegen unter anderem bei Getreide und Dünger.
Im Juli 2022 kam die Schwarzmeer-Getreide-Initiative zustande, die von der UNO und der Türkei vermittelt worden war. Das Abkommen erlaubt kontrollierte Getreideausfuhren aus den Schwarzmeer-Häfen Odessa, Tschornomorsk und Piwdennyj. Vertreter der UNO, Russlands, der Ukraine und der Türkei kontrollierten die Schiffsladungen in Istanbul. Damit sollte sichergestellt werden, dass tatsächlich nur Lebensmittel und keine Waffen an Bord sind.
Nachdem Russland die Vereinbarung nicht verlängert hatte, erklärte Kiew, einseitig einen sicheren Korridor für den Schiffsverkehr zu den Seehäfen des Raumes Odessa durchzusetzen. Das gelang. Seit August 2023 liefen nach jüngsten ukrainischen Angaben mehr als 8.000 Schiffe in die Häfen ein, es wurden mehr als 200 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen. Mehr als die Hälfte davon waren Agrargüter.
Minister vergleicht Lage mit Straße von Hormus
Der ukrainische Außenminister Sybiha sieht durch die russischen Attacken die globale Lebensmittelsicherheit in Gefahr.
Wie der Iran in der Straße von Hormus Wege zum Energietransport ins Visier nehme, ziele Russland im Schwarzen Meer auf globale Lebensmittelmärkte, schrieb Sybiha am Wochenende. Russland wirft im Gegenzug der Ukraine vor, sich unter dem Deckmantel ziviler Schiffe Waffen und Rüstungsgüter für den Abwehrkampf im russischen Angriffskrieg liefern zu lassen.
Bis zu 30 Prozent des globalen Weizenexports
Eine Blockade nicht nur des ukrainischen, sondern auch des russischen Schiffsverkehrs im Schwarzen Meer könnte vor allem die Getreidepreise erheblich in die Höhe treiben. Über das Asowsche Meer gehen etwa 25 Prozent der russischen Getreideexporte. Bei Weizen haben Russland und die Ukraine einen Anteil an den weltweiten Exporten von 25 bis 30 Prozent. Bei Mais liegt dieser Wert bei etwa elf Prozent.
Besonders stark von Lebensmittelimporten abhängige Staaten betrachten die Lage mit Sorge. Hauptzielländer von russischen und ukrainischen Getreideexporten sind Staaten in Nordafrika und im Nahen Osten. Nicht zuletzt deshalb versuchten 2022 afrikanische Staaten und auch Länder wie Brasilien und Indonesien, Friedensinitiativen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu starten.
Ukraine zerstört Schiffe und hat Krim im Visier
Seit dem 6. Juli greifen die ukrainischen Drohnentruppen gezielt Schiffe an, die russisch kontrollierte Häfen im Asowschen Meer und dem benachbarten Schwarzen Meer anlaufen. Ursprünglich wurden vor allem Öltanker der „Schattenflotte“ als Ziel genannt. Doch hat die Ukraine offenbar auch Frachter angegriffen, die unter anderem Getreide aus den russisch besetzten Gebieten transportieren. Außerdem wollen Kiews Truppen die Versorgung der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim mit Benzin und Diesel auf dem Seeweg unterbinden.
Laut ukrainischen Angaben wurden seit dem 6. Juli rund 200 Schiffe und andere Wasserfahrzeuge beschädigt, davon rund 130 im Asowschen Meer und etwa 70 im Schwarzen Meer. Der ukrainische Ex-Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hatte im Juni damit gedroht, dass das Leben auf der Krim zur „Hölle“ werde. Die Halbinsel soll mittels Drohnen- und Raketenangriffen von der Außenwelt abgeschnitten werden. Angriffe auf Versorgungsschiffe verstärkten den Blockadeversuch.