In den Morgenstunden stürzte das Bauwerk in die Donau und riss einen Pkw in die Tiefe. Ein städtischer Gelenkbus befand sich ebenfalls auf der Brücke, er versank jedoch nicht im Wasser, sondern blieb auf den Trümmern stehen. Während der Busfahrer unverletzt blieb, verlor der Pkw-Lenker sein Leben.
Die Erschütterungen des Zusammenbruchs waren so stark, dass sie auf der Erdbebenstation der Hohen Warte registriert wurden. Lediglich dem Umstand, dass sich das Unglück an einem Sonntag zwischen 4.30 und 4.50 Uhr ereignet hat, war es zu verdanken, dass nicht mehr Menschen zu Schaden kamen.
Busfahrer nahm Abkürzung
Den städtischen Gelenkbus gibt es noch immer. Er stand einige Tage im Wasser und wurde dann per Schwimmkran geborgen. Die Katastrophe überstand er fast unbeschadet, lediglich die Front war eingedrückt. Er wurde repariert, war bis 1989 regulär unterwegs und kann jetzt im Wiener „Öffi“-Museum, der Remise, besichtigt werden.
Dass der Bus damals gerade die Reichsbrücke querte, war übrigens reiner Zufall. Der Fahrer – er war noch lange als Buschauffeur im Einsatz – kam zu spät zum Dienst und nahm von der Betriebsgarage kommend eine Abkürzung.
Materialfehler führten zu Einsturz
Nach ersten Schrecksekunden begann die Suche nach Gründen und Verantwortlichen. Der damalige Wiener Bürgermeister Leopold Gratz (SPÖ) rief schon zwei Stunden nach dem Einsturz einen Krisenstab ein. Den Beschluss zum Neubau der Reichsbrücke fasste der Ministerrat bereits zwei Tage später. Gratz hatte seinen Rücktritt angeboten, die politische Verantwortung übernahm aber Planungsstadtrat Fritz Hofmann (SPÖ): Er nahm einige Tage nach dem Unglück den Hut.
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Die eingesetzte Expertenkommission gab bald die Gründe für den Einsturz bekannt: Der linke Pfeiler der nach Ende des Zweiten Weltkriegs sanierten Brücke war zum Teil mit Sand und „unverdichtetem Beton“ gefüllt. Durch das schlechte Material sei Wasser eingedrungen, was schließlich zum Einsturz führte.
„Möge diese Brücke jahrhundertelang bestehen“
Damit war die Brücke vorerst Geschichte, ein Jahrhundert nach ihrer Ersteröffnung. Denn die älteste Version des Bauwerks war an selber Stelle die „Kronprinz-Rudolf-Brücke“. Diese hatte der Statthalter von Niederösterreich, Sigmund Freiherr Conrad von Eybesfeld, am 21. August 1876 kurioserweise mit den Worten „Fest, sicher und unverletzlich, wie wir sie heute sehen, möge diese Brücke bestehen jahrhundertelang“ eröffnet.
„Eine Staubwolke und die Brücke war weg“
Am 1. August 1976 ist die Wiener Reichsbrücke in die Donau gestürzt. Der ORF-Redakteur Rudolf Nagiller war als erster Journalist an Ort und Stelle und interviewte Augenzeugen, die von den dramatischen Szenen berichteten.
Sie war im Zuge der Donau-Regulierung über das damals noch trockene Flussbett errichtet worden. Bald wurde auf dieser Brücke eine Steuer von 32 Kreuzern eingehoben, sehr zum Unmut der Anrainer der „Kolonie Kaisermühlen“. Die Anlage wurde erst 1919 – nach dem Ende der Monarchie – in „Reichsbrücke“ umbenannt.
Neubau wegen schlechten Zustands
Im Extremwinter 1928/29 mit der Rekordtemperatur von minus 25,8 Grad Celsius hatten die Stadtverantwortlichen Angst vor einem Eisstoß. Die Brücke überstand den Winter, aber wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommens und des schlechten technischen Zustands entschloss man sich, die Brücke neu zu bauen, dieses Mal als Kettenbrücke.
Nach einigen Schwierigkeiten und Verzögerungen war das Projekt 1937 abgeschlossen. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Reichsbrücke trotz einiger Treffer relativ unbeschadet – als einzige intakte Donau-Brücke Wiens. Ab 1946 wurde sie zehn Jahre lang als „Brücke der Roten Armee“ bezeichnet.
Auswirkungen auf Verkehrsentwicklung in Wien
Die dritte Version, die heutige Reichsbrücke, wurde schließlich durch den Einsturz 1976 nötig. In Rekordzeit wurden Ersatzbrücken – vor allem mit Hilfe des Bundesheeres – über die Donau gebaut. Nach vier Jahren Bauzeit wurde 1980 die bis heute bestehende Brücke schließlich eröffnet.
Einsturzstelle als Besuchermagnet
Nachdem die Wiener Reichsbrücke am 1. August 1976 eingestürzt war, hat sich die Einsturzstelle zu einer Art Besuchermagnet entwickelt. Geschäftstüchtige nutzten den Trubel sogar für den Vertrieb von Einsturzfotos.
Der Brückenkollaps hatte auch große Auswirkungen auf die Verkehrsentwicklung Wiens. Die Verlängerung der U-Bahn-Linie U1 vom Praterstern über die neu erbaute Brücke bis nach Kagran konnte realisiert werden, ein entsprechender Gemeinderatsbeschluss wurde vorgezogen. Seit der Wiedereröffnung wurden auch die Kontrollen intensiviert, doch gab es auch Kritik, dass Tragpfeiler, Brückenlager und Brandschutz in den letzten Jahrzehnten nur schleißig überprüft worden seien.
Seit der Wiedereröffnung hat sich auch weiterhin viel getan bei der Reichsbrücke: Neue Rad- und Fußwege, neue Busstationen und mehr Licht sollten die Brücke benutzerfreundlicher machen. Auch ein Schwingungsmesssystem wurde installiert. Damit konnte auch der Mythos entkräftet werden, dass die Läufer des Wien-Marathons eine Gefahr für die Brücke darstellen könnten.