Jordaniens Streitkräfte erklärten, es seien fünf Raketen aus dem Iran abgefangen worden. Das Nachrichtenportal Axios berichtete, der Angriff habe einem US-Stützpunkt in Jordanien gegolten. Centcom meldete keine Ziele – lediglich, dass „alle iranischen Raketen erfolgreich abgefangen“ worden seien. Die Entwicklungen erfolgten kurz nach dem Besuch von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in Washington.

Experte: Signal im Kontext von Netanjahu-Besuch

Es sei das erste Mal, dass der Iran angegriffen habe, ohne zuvor von den USA oder Israels attackiert worden zu sein, schrieb der Iran-Experte Hamidreza Azizi von der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik auf X. Es könne ein Signal im Kontext des Netanjahu-Besuchs im Weißen Haus gewesen sein, schrieb Azizi. Die Begegnung mit US-Präsident Donald Trump fand am Dienstag hinter verschlossenen Türen statt.

Beide Seiten äußerten sich danach zufrieden über das Treffen, nachdem es zuletzt deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden gegeben hatte; nach Meinung von Fachleuten habe man einer Abkühlung der Beziehung entgegenwirken wollen. In Medienberichten vor dem Besuch hatte es geheißen, Netanjahu könne Trump um Zustimmung zu neuen Angriffen Israels auf den Iran bitten.

In einer ersten Reaktion auf die iranischen Angriffe sagte Trump Mittwochfrüh (Ortszeit) gegenüber Fox News, dass die USA auf die iranischen Angriffe energisch reagieren würden.

USA und Saudi-Arabien greifen Ziele im Irak an

Ebenso in der Nacht auf Mittwoch griffen US-Streitkräfte nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Verbündeten Saudi-Arabien im IrakTerroristen“ an, die dem Iran nahestünden. US-amerikanische und saudi-arabische Kampfflugzeuge hätten mehrere Logistik- und Waffenlager der nicht näher genannten Gruppierung im Osten des Irak angegriffen, teilte Centcom mit.

Viele Tote und Verletzte gemeldet

Das sei eine Reaktion auf angeblich mehr als 30 von der iranischen Revolutionsgarde angeordnete Drohnenangriffe in den vergangenen 72 Stunden gewesen, hieß es. Angegriffen wurden offenbar Stellungen von al-Haschd al-Schaabi, einem vom Iran unterstützten Netzwerk von ehemaligen Paramilitärs. Nach Angaben der Miliz habe es bei dem Angriff 20 Tote und 32 Verletzte gegeben.

Trump behauptete Mittwochfrüh (Ortszeit) gegenüber Fox News, dass die Angriffe mit Badgad abgestimmt gewesen seien. Die irakische Präsidentschaft verurteilte die Angriffe aber scharf. Die Bombardierungen seien ein inakzeptabler Angriff und ein eklatanter Verstoß gegen die Souveränität des Irak, erklärte das Präsidialamt auf X. Zudem richteten sie sich gegen offizielle Sicherheitsinstitutionen des Landes und verstießen gegen das Völkerrecht.

USA: Von Revolutionsgarde „angewiesen“

Vom US-Militär hieß es, die Milizen seien von der iranischen Revolutionsgarde „angewiesen“ worden, „US-Streitkräfte und die saudische Energieinfrastruktur anzugreifen“. Zudem wurde eine Warnung ausgesprochen: „Die Revolutionsgarde und ihre terroristischen Stellvertreter müssen diese Angriffe einstellen, um weitere militärische Reaktionen der USA zu vermeiden.“

Die „tückischen Terroranschläge, die von US-amerikanischen und saudischen Streitkräften verübt wurden“, hätten auch mehrere ihrer Gebäude beschädigt, teilte die Miliz al-Haschd al-Schaabi weiter mit. Die Gruppierung gilt als in die regulären Streitkräfte des Landes aufgenommen. Mehrere proiranische Unterverbände agieren aber noch immer autonom und verfolgen eigene Ziele.

Saudi-Arabien: „Selbstverteidigung“

Das saudische Verteidigungsministerium erklärte seinerseits, es habe zusammen mit den USA „dem Iran loyale terroristische Milizen“ im Irak angegriffen. Dabei habe es sich um „Selbstverteidigung“ gehandelt. Einige Stunden zuvor hatte das Ministerium gesagt, „mit dem Iran in Verbindung stehende Milizen“ hätten Angriffe auf Ölanlagen des Landes geflogen. Die Drohnen seien abgefangen worden.

Angesichts der US-saudischen Angriffe berief der irakische Ministerpräsident Ali al-Saidi eine Notfallsitzung des Sicherheitsrats ein. Der irakische Präsident Nisar Amidi verurteilte die Angriffe als Verstoß gegen die Souveränität des Landes. Man lehne es ebenso ab, dass irakisches Staatsgebiet für Angriffe auf Nachbarländer genutzt wird, so die Erklärung.

Die neuen Angriffe trübten die Hoffnung auf ein endgültiges Ende der Kämpfe in der Region. Nach 13 Nächten mit neuen US-Luftangriffen auf den Iran und Vergeltungsattacken Teherans hatten beide Seiten zuvor seit Freitag keine gegenseitigen Angriffe mehr gemeldet. In der Folge zeigte sich Trump zuversichtlich bezüglich einer Verhandlungslösung. Er sprach am Montag von einer „guten Chance“ für eine Einigung mit Teheran.

Iran: US-Angriff auf iranische Stadt nahe Irak

Auch das iranische Außenministerium verurteilte die US-saudischen Luftangriffe im Irak. Es bezeichnete sie als „eklatanten Verstoß“ und erklärte, sie seien Teil der Bemühungen der USA und Israels, den Krieg auf die Region auszuweiten. In einem iranischen Medienbericht hieß es zugleich, dass die USA eine Stadt im Nordwesten des Iran an der Grenze zum Irak angegriffen hätten.

Schwinden US-Munitionsreserven?

Grund für den plötzlichen Angriffsstopp könnte aber auch etwas anderes sein: Laut dem US-Sender CNN hatten sich US-Vizepräsident JD Vance und Generalstabschef Dan Caine besorgt über eine Eskalation des Konflikts gezeigt. Unter anderem habe Caine auf schwindende US-Waffenbestände hingewiesen, hieß es. Der „New York Times“ zufolge geht es dabei vor allem um Patriot- und andere Luftabwehrraketen.

Huthis erwägen Gebühren für Meerespassage

Unterdessen soll die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen die Einführung von Gebühren für die Durchfahrt von Handelsschiffen durch das Rote Meer erwägen. Das sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen zu Reuters. Der Plan beziehe sich auf die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit mit dem Indischen Ozean verbindet.

Die Idee sei bei einem Treffen in Teheran erörtert worden, von dort sei auch der Vorschlag gekommen. Iranische Berater sollen im Jemen anleiten, wie eine Behörde zur Gebührenabgabe an der Meerenge aufgebaut werden könne. Ein Zeitplan dafür wurde nicht genannt. Mit einer solchen Gebühr solle der Druck auf die USA erhöht werden. Chinesische Schiffe würden ausgenommen werden.