Was die Waldbrände tatsächlich bedeuten, musste auch Rahmsdorf kürzlich erfahren, als er im französischen Lacanau Urlaub machte. Bilder der Brände, die er in den sozialen Netzwerken teilte, musste er als „echt“ verteidigen. Am Dienstag sagte er gegenüber der „Zeit“: „In der Klimakrise verändert sich unsere Umwelt so rasant, dass es manchmal kaum noch glaubhaft wirkt. Katastrophen ereilen die Menschen im Alltag und eben auch mitten im Urlaub.“

Ähnlich wie Rahmsdorfs Urlaubsfotos sorgt gerade ein weiteres surreal wirkendes Bild für Aufsehen im Internet. Es wurde ebenso in Lacanau aufgenommen und zeigt eine Frau und einen Mann auf dem Strand, im Hintergrund das Meer und dichte Rauchwolken. Schon jetzt sei es ein Symbol dafür, wie schwer sich die Menschheit damit tue, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen, schrieb dazu die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“).

Kritik an politischer Untätigkeit

Doch auch wenn man derzeit noch am anderen Meeresufer sitzt, die Folgen der Klimakrise scheinen unausweichlich. So sagte auch Rahmsdorf in der „Zeit“: „Das Leben in der Klimakrise wird unerträglich: Schon in der ersten Woche in Lacanau litten wir unter der Hitze. Dann kamen die historischen Brände. Doch statt Emissionen zu senken, reden wir lieber über Klimaanlagen.“

Die Politik würde notwendige Maßnahmen verschleppen, das zeige sich etwa in der Diskussion, Klimaziele weiter nach hinten zu verschieben, kritisiert der Experte. Doch: „Wer das möchte, befeuert lebensbedrohliche Klimaereignisse wie Überflutungen, Flächenbrände und Trockenheit.“

Auch Ministerpräsident Pedro Sanchez sagte unter dem Eindruck des jüngsten Großbrandes in der Provinz Almerea, bei dem 13 Menschen ums Leben kamen: „Der Klimawandel tötet.“ Die Folgen des Klimanotstandes seien in Spanien und ganz Europa sichtbar, ein Pakt dagegen dringend nötig. Am Dienstag beschloss der spanische Ministerrat, ein Expertengremium einzurichten, das der öffentlichen Politik bei der Bekämpfung des Klimawandels zur Seite stehen soll, wie Euronews berichtete.

Brände durch Klimawandel zusätzlich angefacht

Nach Daten des Waldbrandinformationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) ist in Spanien schon jetzt mehr als doppelt so viel Fläche abgebrannt wie sonst im Durchschnitt in einem ganzen Jahr, in Frankreich sogar mehr als die fünffache Fläche. Die Ursachen sind vielfältig, werden durch den Klimawandel jedoch verschärft – mehr dazu in science.ORF.at.

Die Feuer, selbst wenn sie durch Menschen gelegt werden, finden ideale Bedingungen vor, um sich auf riesige Flächen auszubreiten. Wetterlagen mit anhaltender Trockenheit und Hitze, die wegen des Klimawandels häufiger werden, begünstigen oft in Kombination mit starkem Wind den Ausbruch der Feuer.

Auch der Weltklimarat (IPCC) schreibt in seinem aktuellen Bericht, dass Extremwetterereignisse nicht nur häufiger, sondern auch intensiver auftreten würden. Hitzeextreme an Land und im Meer, Starkniederschlagsereignisse, Dürre und Brandwetter hätten zu tiefgreifenden Folgen für Mensch und Natur geführt und seien auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen. Ebenso könne die Zunahme der durch Wald- und Flächenbrände verbrannten Flächen in einigen Regionen dem menschengemachten Klimawandel zugeordnet werden.

Brände als Brandbeschleuniger der Klimakrise

Zudem sind laut IPCC die Brände selbst ein Brandbeschleuniger der Klimakrise: Schließlich würden vermehrte Wald- und Flächenbrände, Massensterben von Bäumen und die Austrocknung von Torfgebieten natürliche Kohlenstoffsenken an Land schwächen werden und mehr Treibhausgase freisetzen.

„Der daraus resultierende Beitrag zu einer potenziellen Verstärkung der globalen Erwärmung zeigt, dass eine Rückkehr zu einem bestimmten globalen Erwärmungsniveau oder darunter eine größere Herausforderung darstellen würde.“

Europa besonders betroffen

Laut dem EU-Klimawandeldienst Copernicus ist Europa vom Klimawandel bereits jetzt besonders betroffen. Seit 1980 habe sich Europa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt erwärmt. Dabei würden Faktoren wie lokale Wettermuster und saubere Luft, die mehr Sonnenstrahlen durchlässt, ausschlaggebend sein. Je nach geografischer Lage würden sich manche Orte zudem schneller erwärmen als andere – Land etwa mehr als Ozeane.

Experte: Anpassung irgendwann nicht mehr möglich

Doch im Großen und Ganzen spiele sich überall dasselbe Klimamuster ab, schrieb am Dienstag Vox: „Wenn Menschen fossile Brennstoffe verbrennen, setzen sie Kohlendioxid und andere Treibhausgase in die Atmosphäre frei. Diese Gase erschweren es der Wärme, ins Weltall zu entweichen.“

Rahmsdorf sagte dazu: „Allen muss klar sein: Wenn wir auf drei Grad Erderwärmung zusteuern, weil wir weiterhin Erdöl und Gas verfeuern, können wir uns nicht mehr anpassen. Es wird viele unerwartete Phänomene geben, die uns überfordern – wie dieses Feuer.“